Drei Tage später, als Manuel und ich gerade am essen waren, klopfte es an der Tür. Manuel stoppte die Gabel und blickte zu ihr, während sie aufging. Eine Frau, vielleicht in den dreißiger, kam lächelnd rein. "Hallo?" Manuel klang irritiert. Auch ich war es. Uns wurde nicht erzählt, dass heute irgendwas mit mir passieren sollte.
"Ich bin Klara. Patricks Psychotherapeutin." Sie reichte Manuel die Hand und sah dann zu mir. "Schön dich kennenzulernen." Ich war verwirrt. Eine Therapeutin? Deren Ernst? Ich konnte mich doch an nichts erinnern. "Wieso wurden Sie zu mir geschickt?" Ich runzelte die Stirn. "Duzen wir uns doch. Dein Arzt meinte, es wäre besser, wenn wir uns mal unterhalten. Schließlich bist du an das Bett gefesselt, kannst Rot nicht mehr ausführen und das ist schon ein Schicksalsschlag." Manuel und ich wechselten einen verstörten Blick miteinander. "Danke aber ich glaube, Patrick brauch das nicht." Manuel sprach mein Gedanke laut aus. Doch Klara blickte ihn weiterhin mit lächelnder Miene an. "Ich würde gerne mit Patrick alleine sprechen. Macht es Ihnen was aus, vor der Tür zu warten?" Manuel blickte sie fassungslos an, rutschte dann aber mit seinem Stuhl zurück und verließ griesgrämig den Raum. Ich verfolgte ihn mit meinem Augen. Ich hätte gewollt, dass er hier bleibt.
"So Patrick." Sie setzte sich auf Manuels Stuhl. "Es geht dem Arzt darum, dass du mal mit jemanden gesprochen hast, der dir vielleicht Tipps geben kann, wie du mit der Situation fertig wirst." Nun glättete sich ihre Mimik. Sie wurde ernster. "Mir geht es gut." Ich musste auflachen. Ich fand es unsinnig. Sie und die ganze Aktion. "Ich kann mich an nichts erinnern und brauche meine Ruhe. Bitte gehen Sie." Mit festem Blick sah ich in ihre blauen Augen, die mich gerade einfrieren wollten. Sachte hob ich meinen Arm und zeigte zur Tür. "Gehen Sie." Klara seufzte. "Es wäre gut für dich, wenn du Hilfe annimmst." Doch sie stand auf. "Ich werde auf Sie zukommen, wenn ich es selbst für nötig halte." Klara nickte geknickt. Ich hatte wirklich einen unfreundlichen Ton auf den Tag gelegt. Aber mir sowas aufzuzwingen, fand ich unter aller Sau. "Dann hoffe ich, dass ich von dir hören werde." Jetzt lächelte sie mich wieder an, griff an den Türgriff und drückte ihn runter. "Bis demnächst." Jetzt öffnete sie die Tür. "Jaja", grummelte ich jedoch.
Kaum war ihr Körper aus dem Raum, huschte Manuel wieder herein, schloss die Tür hinter sich und sah mich fragend an. "Was wollte die Olle?" Er machte eine fragende Geste, ging dann zurück zu seinem Stuhl und setzte sich. "Das Essen ist jetzt kalt." Er hob kurz die Gabel an und ließ sie dann zurück auf das Kartoffelpüree klatschen. "Ich habe nicht mit ihr geredet. Gib mir mal das Trinken." Manuel reichte mir den Becher mit dem Strohhalm drin. "Warum?" Er hielt ihn mir so lange unter dem Mund, bis ich den Strohhalm losließ. "Ich brauche das nicht." Er stellte den Becher zurück auf den Rolltisch. "Das einzige was ich gebrauchen könnte wäre jemand der mir sagt, was ich machen soll, wenn ich wieder gesund bin." Ein kleiner Stich versetzte sich in meine Brust. Zurück zu Braun konnte ich nicht. Hier in Blau konnte ich eben so wenig bleiben und zu Rot konnte ich auch nicht. Wir konnten nicht zu Rot.
Manuel roch an dem Kartoffelpüree. "Ich habe eine Idee." "Hat dir das Pü was zugeflüstert?" Ich musste grinsen. Mein Gesicht spannte. "Ich bin gleich wieder da. Eine Stunde." Er stand auf, beugte sich über mich und platzierte seine Lippen auf meine Stirn. So, wie er es seit meinem Aufwachen immer getan hatte. "Wohin willst du?" Er strich mir sachte über mein Haar. "Erzähle ich dir später." Dann ging er mit schnellen Schritten aus meinem Krankenzimmer und ließ mich, vollkommen verwirrt, zurück.
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Beyond/Kürbistumor
FanfictionVier Distrikte. Alle sind unterschiedlich. Jeder Mensch, nach Vollendung des Achtzehnten Lebensjahres, wird zur Bestimmung geschickt. Man wird in eines der Distrikte gewählt. Wenn man Glück hat, bleibt man in dem Distrikt, in dem man geboren wurde...
