Kloß

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"Wir kommen zu spät", murmelte Manuel und rüttelte an meiner Schulter. Der Weckdienst läutete die Glocke im Gang. Ich brummte. Meine Augen ließ ich geschlossen. Meine heutige Motivation war zu gering. Ich wollte liegen bleiben. Hier in meinem Bett. Nah an Manuel gekuschelt. "Wir müssen pünktlich sein. Ich möchte keine Strafe bekommen." Manuel erhob sich. Jetzt schlug ich die Augen auf und starrte auf seinen nackten Rücken. Man erkannte seine Muskeln deutlich. In der Zeit, wo wir jetzt hier waren, hatte sich sein Körper sehr geändert. Der schlacksige Junge von Blau wurde zu einem starken Jungen aus Rot.

"Du bist wunderschön", brummte ich müde. Manuel drehte sich zu mir und lächelte. Er hatte seine Uniform in der Hand, die er für das Joggen benötigte. "Steh auf." Grinsend schüttelte er den Kopf und zog sich an.

(...)

Ich joggte keuchend neben Pascal her. Wir waren ziemlich am Ende der Gruppe. Vor uns lief Elliot, ein kleiner Junge von vielleicht 1,65m. Trotz seiner geringen Größe war er flink und fitter als die Meisten von uns. Gerade im Nahkampf wollte nie jemand gegen ihn kämpfen, weil er zu flink war. Der Trainer war besonders stolz auf ihn.

"Habt ihr das geklärt?", fragte Pascal mich.  Ich grinste sofort, versuchte es aber zu verbergen. "Was?", fragte er jedoch belustigt. "Ach nichts." Ich wollte ihm nicht sagen, dass Manuel mir einen geblasen hatte. Doch Pascal kam mir auf die Schliche. "Sieht so aus, als hättest ihr es geklärt." Ich schnaubte mein lachen weg und trabte schneller voran. Darauf würde ich nichts antworten.

Beim Schwimmen mussten wir üben, wie man jemanden in Not geratenes aus dem Wasser zieht. Für den Fall der Fälle. Das wäre für die nächste Zeit unsere Aufgabe, bis alles es können. Dieses Mal wurde Elliot umkämpft, doch er entschied sich in das Team zu gehen, was rettet. Und nicht in das, was gerettet wird. In diesem war ich.
Ich legte mich ins Wasser hinein und ließ mich treiben. Dabei schloss ich die Augen und versuchte meine Gliedmaßen so schwer wie möglich zu machen. Dann hörte ich, wie die Leute ins Wasser gingen. Direkt bewegte sich das Wasser. Ich wusste nicht, wer mich rettet. Doch ich hoffte, dass es Manuel tun wird. So konnte ich ihn berühren.

Als mich jemand unter den Armen griff und hoch hievte, sodass mein Kopf auch bloß nicht Unterwasser gleiten konnte, erkannte ich, dass Manuel mich nicht rettete. Es war Kevin. Der, der zu Anfang nicht schwimmen konnte. Zu meinen Erstaunen schaffte er es ohne Probleme, mich an den Beckenrand zu ziehen. Dort durfte ich die Augen auf machen und meine Glieder wieder kontrollieren. "Gut gemacht", sagte ich grinsend zu Kevin und schlug seine Hand ein. Auch er schien mehr als stolz zu sein, denn er war einer der Ersten, die erfolgreich waren.

Ich erkannte Manuel, der gerade dabei war Leon vor dem Ertrinken zu retten. Er wirkte immer so konzentriert, bei dem was er tat. Nur wunderte es mich, dass er hinter Kevin war.
Manuel zerrte Leon zum Beckenrand und ließ ihn los. Schnaufend lehnte er sich auf den Rand auf. "Gut gemacht", sagte ich zu Manuel. Er nickte, sah mich allerdings nicht an. Der Kloß bildete sich erneut.

(...)

Beim Abendessen saß ich bei Pascal. Wir löffelten gerade eine Tomatensuppe und tunkten etwas, mit Butter beschmiertes, Brot hinein. "Was machst du heute?", schmatzte Pascal. Ich zuckte mit den Schultern und warf einen kurzen Blick zum Tisch, wo Manuel saß und sich lachend mit seinen Freunden unterhielt. "Ich denke ich bleibe auf meinem Zimmer und lese." Ich sah zurück in das Rot meiner Suppe. Ich hatte die Hoffnung, den Abend mit Manuel verbringen zu können.

Beyond/KürbistumorWo Geschichten leben. Entdecke jetzt