„Tretet ein, Kameraden. Schön dass ihr hierher nach Oberstorf gefunden habt!", begrüßte uns ein sportlicher Mann. „Ich bin Phillip, euer Tourguide." Er schüttelte erst mir, dann einem Pärchen, das hinter mir durch die Tür ins Vereinsheim trat, die eiskalten Hände.
„Kommt mit, kommt rein. Wir warten schon auf euch."
In meinem Bauch kribbelte die Vorfreude. Bald geht es los! Seit zwei Monaten sehnte ich mich nach diesem Moment.
In der letzten Woche hatte es auch richtig viel geschneit und ein Ende war noch nicht in Sicht. Gute Voraussetzungen!
Gespannt lief ich dem Guide durch den engen Flur hinterher, das junge Paar folgte uns. Er wählte die dritte Tür von rechts, riss sie mit Schwung auf und verkündete den anderen Schneeschuhwanderern fröhlich: „So Leute, hier kommen die restlichen drei. Dann sind wir auch schon vollzählig."
Ich betrat hinter ihm den kleinen Raum, der an ein Besprechungszimmer erinnerte. Neugierig sah ich mich um.
Circa 10 Stühle standen um einen Tisch herum, jedoch so gedreht, dass man gut an die Wand sehen konnte. Ein Beamer strahlte ein blau-weißes Bild auf die Leinwand. Das Logo der Alpinwelten war rechts oben in der Ecke abgebildet und in unübersehbar großen Lettern hieß es: Willkommen zur Alpenüberquerung!
Die Stühle waren nicht einmal zur Hälfte besetzt. Ein blonder Typ saß ganz hinten links, er hatte gerade auf seinem Handy herumgetippt, als ich eingetreten war.
Ein paar Plätze weiter saßen noch eine mollige Frau, die gerade gähnte und ein großer Mann, beide etwas älter als ich.
Mehr nicht?, wunderte ich mich. Das würde ja ein schnuckeliger Ausflug werden. Wir waren es gerade einmal zu siebt.
„Setzt euch doch. Wollt ihr einen Kaffee? Tee? Eine heiße Schokolade? Bedient euch, der Luxus ist bald vorbei", der Tourguide grinste einen nach dem anderen an. Er wirkte jung, vor allem wenn er so herzlich aufgeschlossen lachte, doch einzelne graue Strähnen in seinem hellbraunen Haar verrieten, dass er keine 25 mehr war.
Mit einem Kräutertee und ein paar Keksen bewaffnet, setzte ich mich neben eine Blonde, die hinter mir mit ihrem Partner das Clubhaus betreten hatte.
„Ich würde sagen, jeder stellt sich kurz vor. Ich beginne", entschied Phillip. „Mein Name ist Phillip, ich bin Englisch- und Sportlehrer und in meiner Freizeit bin ich hier und führe Gruppen im Sommer sowie Winter in die Berge."
„Ich bin Magdalena", sagte die Rundliche. „Ich bin 26 Jahre alt und arbeite als Erzieherin."
So ging es reihum. Ich hasste diese Vorstellungsrunden. Jeder leierte ein paar auswendig gelernte Sätze herunter und hoffte, dass niemand etwas dazu fragen würde, sodass man schnell mit dem eigentlichen Thema beginnen konnte.
So hörte ich mir selbst kaum zu, als ich die Worte: „Juna, 23. Bin Studentin und wohne derzeit in einer WG" von mir gab. Danach schaltete mein Gehirn vollständig auf Durchzug.
Endlich war das Vorstellen mit dem letzten, dem Blonden, beendet.
„Gut, fangen wir an." Phillip klatschte in die Hände. Dann zog er eine kleine Fernbedienung hervor und sprang bei der PowerPoint auf die nächste Seite.
In den folgenden zwei Stunden lernten wir, wie man sich erfolgreich die Schneeschuhe anlegte, die Geschichte des Schneeschuhs und den Umgang mit Gefahren.
„Erstens: steuert euch seitlich aus der Lawinenbahn!
Zweitens: Wenn die Lawine einen erreicht, muss man versuchen, sich mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche zu halten.
Und drittens: Sobald der Schnee langsamer wird, müsst ihr mit den Händen vor dem Gesicht eine Atemhöhle bilden, um in den Schneemassen nicht zu ersticken. Alles klar?", endete Phillip den Lawinenvortrag.
Wir nickten. „Natürlich müsst ihr nichts schlimmes befürchten, aber es ist wichtig, dass ihr wenigstens theoretisch wisst, wie ihr euch im Extremfall zu verhalten habt."
Wir nickten wieder.
„Gut. Die Ausrüstung, die als Leihgabe im Preis enthalten ist, beinhaltet für jeden ein Paar hochwertige Schneeschuhe, Skistöcke, eine Stirnlampe, ein Seil und ein Paar wasserdichte Gamaschen.
Rucksäcke, Proviant, warme Klamotten und sonstigen Nonsens solltet ihr selbst mitgebracht haben", schloss er.
Im Kopf ging ich mein gesamtes Gepäck durch und hakte die einzelnen Habseligkeiten mit einem durchsichtigen Stift in meinem Gehirn ab. Ich dürfte eigentlich nichts vergessen haben.
Phillip sah auf seine Armbanduhr. „Jetzt ist es viertel nach elf. Wir müssen langsam los, ab vier Uhr nachmittags wird es schon wieder dunkel. Also, noch eine Toilettenrunde für alle!"
Jetzt wurde es ernst.
Freudig stand ich auf und flog beinah zur Tür. Voller Euphorie zogen wir uns an: Die Bommelmütze, die dicken Skihandschuhe
und die neuen Winterschuhe.
Es geht los! Mein Herz hüpfte.
Schnell noch ein Video.
Ich zog mein Handy aus der Tasche und lenkte die Kamera auf mich.
„Hallöchen meine Lieben!", flötete ich ins Smartphone. „Jetzt gibt es kein zurück mehr. Wie ihr seht, bin ich schon komplett mit meiner Wintermontur ausgestattet.
Ich weiß nicht, ob ich in den Bergen etwas posten kann. Wenn nicht, bekommt ihr die ganze Geschichte mit allen Einzelheiten und Bildern natürlich in einer Woche nachgeliefert."
Ich machte kurz Pause und strahlte in die Kamera.
„Das wird der Wahnsinn!", quiekte ich aufgekratzt.
„Juna, auf geht's! Wir wollen los!", hörte ich Phillips Stimme rufen.
„Oh-o", machte ich und blickte wieder grinsend in die Kamera. „Das war der Tourguide, ich muss los. Tschüss, machts gut!" Ich küsste Richtung Kamera. Dann beendete ich das Video, stellte es noch schnell auf Instagram und folgte Phillip und den anderen mit Herzklopfen nach draußen.
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Hallo ihr Lieben :)
Vielen Dank an alle, die dieses Buch lesen, Kommentare da lassen und auch voten.❤️
Wie gefällt euch der erste Teil der ‚Gefangen-Reihe' bis jetzt?
Meinungen sind mir sehr wichtig, also scheut euch nicht, eure preiszugeben.
Eure Michi:)
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Gefangen im Schnee
Ficção AdolescenteTeil 1 - A B G E S C H L O S S E N „Hey!", rief Noel von hinten. Wir drehten uns zu ihm um. „Denkt ihr, dass.." Klatsch! Noels Mütze, Gesicht und Schultern waren komplett weiß. Eine riesige Ladung Schnee war von der Tanne über ihm gerutscht und auf...
