1. Kaptel

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Jeanette

Ausgelaugt schließe ich hinter mir die Haustür von Onkel Mats und Tante Cathy. Endlich Zuhause, heute schlaucht alles bei mir, egal was ich mache.

Ich stelle mich am besten erstmal vor. Ich bin Jeanette Reus, bin 16 Jahre und wohne bei Mats und Cathy Hummels. Ja ihr habt richtig gelesen, Reus! Mein Vater ist Marco Reus, wenn ihr euch jetzt fragt wieso ich nicht bei ihn wohne, ist es einfach zu erklären. Als ich 14 Jahre wurde, hat mich mein Vater einfach zu Onkel Mats geschickt weil ich Bayern Fan geworden bin und nicht Dortmund.

Tja wenn ihr jetzt denkt das ist aber übertrieben, weiß noch nicht alles. Außer an meinen Geburtstag besteht kein Kontakt mehr zu ihn, außer zu meiner Mutter Scarlett. Das ist aber eine andere Geschichte. Ich setze mich auf die Couch und stelle den Fernseher an. Onkel Mats ist noch irgendwo Unterwegs mit Tante Cathy.

Mit einem seufzen lege ich mir eine Decke um und schalte durch die Kanäle. "Hallo meine kleine, schon fertig mit dem Training?" Ich zucke zusammen und schaue zu der Stimme die eindeutig Onkel Mats gehört. "Hey, sieht wohl so aus!" Sage ich nur und schaue wieder auf den Fernseher.

"Hast du Hunger?" Als ob ich jetzt nach dem Training was essen könnte. "Ne bin einfach fertig vom Training." Das stimmt ja auch, ich spiele Fußball leider nur im falschen Verein und deswegen bin ich hier. Natürlich schlägt mein Herz für Bayern aber nur weil ich hier einen Vertrag bekommen habe. Seufzend stehe ich auf und gehe langsam hoch in mein Zimmer. Onkel Mats lasse ich einfach unten stehen. Ich möchte einfach niemanden sehen, hören noch sprechen.

Schnell ziehe ich mir eine Jogginghose und ein Pullover an und kuschle mich unter die Bettdecke. Müde schließe ich die Augen und schlafe ein.

"Schätzchen, steh auf es gibt Abendbrot!" Haucht eine familiäre Stimme die zu Cathy gehört. "Ich hab kein Hunger, lass mich schlafen Mama Cathy." So rede ich seit einem Jahr. Natürlich weiß ich das sie nicht meine Mutter ist aber trotzdem, sie ersetzt meine Mutter so gut. Mit einem seufzen wird meine Zimmertür geschlossen, so das ich mich erleichtert bequem hinlege und weiter schlummere.

"Mensch kleine, so kann das nicht weiter gehen, du musst was essen." Genervt sehe ich zu meinen Patenonkel. "Mir geht es nicht gut Papa Mats." Ein trauriges lächeln umspielt seinen Lippen und ich weiß ganz genau was er denkt. 'Meine arme Kleine!' Zärtlich streicht er mir durch die Haare und schaut mich dann ernst an. "Darauf falle ich schon lange nicht mehr rein," Er zieht meine Bettdecke weg und greift nach meinen Arm. Mit einem Ruck zieht er mich auf die Beine.

Wieso können sie mich nicht einfach einmal machen lassen? Immer soll ich nach deren Pfeife tanzen! Trotzig entziehe ich meinen Arm und sehe ihn provozierend an. "Fräulein!" Brummt er nur. "Freundchen!" Gebe ich in der gleichen Stimmlage zurück wie er. Cathy höre ich von unten lachen, toll oder? Sie ist die einzige, die uns nicht ernst nimmt egal was wir sagen und machen.

Trotzdem gehe ich runter und setze mich widerwillig an Tisch. "So kann das nicht weiter gehen." Ich sehe Onkel Mats an. "Du weißt wenn das nicht besser wird, schicken wir dich zu Onkel Mario und Tante Ann." War so klar, immer abschieben das können doch alle perfekt. "Mats!" Sagt Cathy ernst während ich niedergeschlagen auf den Salat vor mir schaue. "Nein Cathy, ich bin nur ihr Patenonkel und nicht der Ersatzvater." Das weiß ich doch auch und das mich doch keiner haben möchte. "MATS!" Ich zucke zusammen und lasse nach dem zweiten Bissen die Gabel sinken.

"Nein ich rede da nicht, ich sehe keinen anderen Ausweg mehr." Die ersten Tränen fangen an zu laufen. Dann gehe ich eben, morgen haben wir sowieso ein Spiel in Dortmund und da hat er mich genau wie meine Eltern los. "Aber ich!" Ich halte mich raus und esse meinen Salat zu Ende. Als ich fertig bin stehe ich auf um dem Teller wegzuräumen.

"Schätzchen!" Auf dem Boden schauend bleibe ich stehen und warte einfach ab. "Kleines?" Ich schüttle den Kopf. Ich möchte einfach nichts mehr hören, rein gar nichts. "Ich habe es nicht so gemeint." Ich wische mir schluchzend über das Gesicht und sehe ihn an. Total geschockt schaut er mich an und wollte mich gerade zu ihn ziehen als ich ausweiche.

"Ich hab morgen so wieso ein Spiel in Dortmund also ist es okay." Ich drehe mich um. "Ich bin oben packen." Damit renne ich die Treppe hoch in mein Zimmer, dicht gefolgt von Mats. Ich schlage die Tür hinter mir zu und schließe schnell ab. Reicht es nicht schon das meine Eltern nicht mehr wollen, beziehungsweise mein Vater? Ich lasse mich an der Tür heruntergleiten und vergrabe meinen Kopf an mein Knie.

Es ist scheiße zu wissen das mich niemand mehr möchte, das ich einfach nur wie ein Objekt weiter gereicht werde. Von einen zum anderen und von dem dann wieder zurück zu den einen der mich auch nicht wollte. Ich schaue auf den Nachtschrank und sehe das Bild meiner Eltern, was Marco mir zu meinen 16 Geburtstag zugeschickt hat. Wütend auf mich selbst nehme ich es in die Hand und schaue es an.

Wie glücklich die beiden in ihren Urlaub aussehen, ohne mich. Ich drehe es um und sehe den Satz der mich zerstört hat. "Für unsere Tochter, Wir Lieben Dich!" Lese ich verächtlich und werfe es mit einem Wütenden schmerzhaften schrei an die Wand. Ich habe keine Ahnung wieso aber es bleibt nicht bei dem Bild sondern auch mein ersten Pokal landet in der nächst besten Ecke und kann nur froh sein das er nicht kaputt gegangen ist.

"Kleines mach bitte die Tür  auf!" Hämmert Mats an der Tür. "GEH WEG!" Brülle ich und ziehe meine Tasche unter dem Bett hervor. Ich reiße meinen Schrank auf und werfe einfach irgendwelche Sachen hinein. "Schätzchen, jetzt machst du sofort diese Tür auf." Ich schaue hin und laufe schließlich doch zur Tür und schließe sie auf.

Sofort reißt einer der Zwei die Tür auf und reißt mich in seine Arme. "Kleines!" Ich schluchze auf und kralle mich einfach an Onkel Mats. "Ich möchte nicht wie ein Objekt weiter gereicht werden." Spreche ich unter schluchzen aus. "Ich möchte mich nur Zuhause fühlen wie bei euch!"

"Ich möchte einfach zurück geliebt werden!"

Und das ist mein Leben zur Zeit.

Nothing is as stable as Changes!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt