Wenn du springst, dann springe ich auch.

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Innerlich fühlte sich Jack wie zerrissen. Natürlich wollte sie nicht los lassen und sich auch nicht von Rose trennen, aber was für eine Wahl hatte sie schon? Sich zu Rose in das Boot zu setzen stand völlig außer Frage, die Konsequenzen waren einfach zu unberechenbar. Sie würde selbst einen Weg finden müssen von diesem Schiff lebend runter zu kommen, um Rose suchen zu können. »Du bist ein guter Lügner«, sagte Cal plötzlich, der noch immer neben ihr stand und wie sie zu Rose runter blickte.

Jack hatte sich nichts vor gemacht. Niemals würde Cal ihr dabei helfen in ein Boot zu gelangen und sie glaubte auch nicht, dass Rose das geglaubt hatte, aber scheinbar hatte es geholfen sie in Sicherheit zu bringen. »Fast so gut wie Sie.« Aber das überraschte Jack auch nicht weiter. »Es gibt keine Abmachung, nicht wahr?« Es war unnötig gewesen zu fragen, dennoch wollte sie es aus seinem Mund hören.

»Doch die gibt es. Sie wird dir allerdings nicht viel nützen.« Sie sahen sich direkt an. Jack, die davon ausgehen durfte im Wasser zu erfrieren, wenn ihr nichts einfallen würde und Cal, der sich anscheinend mit seinem Geld selbst einen Platz von der Titanic hatte kaufen können.

»Ich gewinne immer Jack. So oder so.«

Jack nickte nur gedankenverloren und widmete sich wieder Rose. Es hatte keinen Sinn mehr sich mit Cal zu streiten, das Schiff war schon dabei zu sinken und sie wollte die restliche Zeit, die ihr noch blieb nicht damit vergeuden Cal zu sagen, was sie von ihm hielt oder ihm die Tatsache unter die Nase reiben, dass sie eine Frau war. Damit würde sie sich nur noch mehr in Gefahr begeben und das konnte sie nicht gebrauchen, nicht, wenn sie vor hatte Rose wieder zu sehen. Und das würde sie, egal wie.

Rose hingegen sah alles andere als entspannt aus. Ihr Blick huschte unstet umher, als würde sie alle möglichen Gedanken abwägen. Als ihre Blicke sich dann wieder trafen, nickte Jack ihr ermutigend zu. Sie hatte nichts weiter zu tun, als in dem Boot zu bleiben, damit sie sich darum kümmern konnte irgendwie von diesem Schiff zu gelangen. Jack konnte nirgendwo anders hinsehen. Wahrscheinlich wäre es klüger gewesen sich bereits jetzt um einen eigenen Platz auf einem Boot zu kümmern, aber wenn sie ehrlich zu sich selbst war, wusste sie, dass ihre Chancen schwierig waren. Und das war schon optimistisch ausgedrückt. Ihre Augen füllten sich etwas mit Tränen bei dem Gedanken sie nie wieder zu sehen, weswegen sie diesen Moment so lange auskostete, wie es ging. Denn es könnte der letzte sein.

Als Rose plötzlich aufstand und sich zum Rand des Rettungsboot bewegte wachte Jack aus ihrer Trance aus und lehnte sich über die Rehling. »Rose!«, rief sie erschrocken, ebenso wie Cal. Rose tat es tatsächlich. Sie sprang mit einem Satz von dem Rettungsboot wieder zurück auf das Schiff, hielt klammerte sich fest und schaffte es mit Hilfe anderer Passagiere wieder an Bord. »Rose! Was tust du da!«, rief Jack ihr ungläubig nach, doch sie war nicht mehr zu sehen. Sie war wieder an Bord. »Nein!«, fluchte sie vor sich hin, drehte sich aber sogleich um und rannte in die Richtung, in der sie Rose vermutete. Wieso? Wieso tat sie sowas? Sie war bereits in Sicherheit, auch wenn sie nicht zusammen auf einem Boot sein konnten, war sie in Sicherheit und Jack müsste sich keine Sorgen mehr darüber machen, ob sie es schaffte oder nicht. Doch jetzt war es wieder wie zuvor, auch wenn sich ein Teil von ihr freute sie wieder bei sich zu wissen, sich nicht trennen zu müssen, aber dennoch wäre es ihr lieber gewesen, sie wäre in dem Boot geblieben.

Jack rannte los, rempelte diejenigen auf Seite, dies ich ihr in den Weg gestellt hatten, wieder ins Innere, die große geschwungene Treppe hinunter, bis sie sie sah. »Rose!«, entkam Jack erleichtert, als sie sie wieder in die Arme schloss. Rose drückte sich schluchzend an sie, selbst darüber im Klaren, was sie getan hatte, doch es schien ihr egal. Jack nahm ihr Gesicht zwischen ihre Hände, küsste sie beinahe überall. »Du bist so dumm. Wieso hast du das getan?«, wiederholte sie wieder und wieder, mit Tränen in den Augen. Rose strich mit ihren Händen über Jacks Gesicht, strich ihr die Haare hinters Ohr. »Wenn du springst, dann springe ich auch, richtig?«, antwortete ihr Rose und legte ihr eine Hand an die Wange. »Richtig.«

Behind the Veil (wlw)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt