Eine Party in der dritten Klasse

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Überrascht bemerkte Rose das kleine Stück Papier, welches sie nun in ihrer Hand hielt. Zuerst wollte sie ihn sofort lesen, bemerkte aber, dass ihre Mutter sie immer im Auge behielt, wenn sie mit Jack sprach. Sie drehte sich leicht zur Seite und faltete den Zettel schnell auf, um ihn zu lesen. Sie sollte ihn an der Uhr treffen.

Eilig knüllte sie das Papier zusammen und versteckte diesen. Sie wollte Jack nicht zu lange warten lassen, weswegen sie sich entschuldigte und vorgab, sich doch auf ihr Zimmer zu begeben. Noch bevor ihre Mutter sie in ein Gespräch verwickeln konnte, verschwand sie, jedoch nicht zu schnell, um nicht verdächtig zu wirken. Ihr Herz klopfte dabei wie schon lange nicht mehr.

Als sie an der Treppe ankam, hoch sah und Jack vor der Uhr stand, musste sie tief durchatmen, ehe sie die Stufen hoch ging. Rose wusste nicht, was Jack vorhatte, doch egal was es war, es würde spannender sein als am Tisch zu sitzen mit den anderen Frauen.

Jack drehte sich um, als er ihre Schritte hörte und sah dabei derart erleichtert aus, als wäre er nicht sicher gewesen, ob sie kommt oder nicht.

»Haben Sie Lust auf eine richtige Party?«, fragte er sie und nahm sie wohlwissend bei der Hand. Rose sagte zwar zu, doch hätte sie nie geahnt wie diese Party aussehen würde.

Schallende irische Musik war zu hören, als sie den Raum betrat. Es kam ihr fast so vor, als hätte sie eine andere Welt betreten. Überall wurde getanzt, oder im Takt mitgeklatscht und gejubelt. So viele fröhliche und ungezwungene Menschen hatte sie noch nie gesehen. Hier kümmerte sich keiner darum, ob man mit einer Dessertgabel den Salat aß oder ob man sich standesgemäß vorstellen konnte.

Jack führte sie zu einem freien Tisch, wo er sofort sein Jackett über den Stuhl hing, die Fliege löste und sich die Ärmel hochkrempelte. So sah er gleich mehr aus wie er selbst und weniger wie jemand, der versuchte sich in eine Gruppe zu integrieren, in der er lieber nicht hinein sollte. Sie mochte seine Art und würde es nur ungern sehen, wenn er anfangen würde sich so gestellt zu verhalten, wie die anderen Männer, denen sie bis jetzt in ihren Kreisen begegnet war.

»Tanzt du mit mir?«, ertönte plötzlich die Stimme eines kleines Mädchens, welches Jack am Hosenbein hielt und daran zog. »Na klar Kathi, gib mir nur eine Minute«

Jack zog den Stuhl zurück und bedeutete ihr sich zu setzen. Kurz darauf verschwand er für einen Moment und holte für sie beide jeweils ein Glas, gefüllt mit einem dunklen, fast schwarzen Getränk. »Das ist irisches Bier. Ich hoffe Sie mögen es, es ist etwas anders als Champagner«, sagte er und grinste dabei. »Wenn Sie mich kurz entschuldigen würden. Ich schulde der Lady noch einen Tanz.« Mit diesen Worten drehte er sich zu dem kleinen Mädchen, fasste ihre Hände und fing an sich mit ihr zu drehen.

Rose beobachtete die beiden gut gelaunt und nahm dabei einen Schluck aus ihrem Glas. Der herbe Geschmack war definitiv anders, als ein prickelnder Champagner, doch deswegen nicht schlechter. Als es plötzlich polterte, sah sie, wie ein Mann zu Boden gefallen war, man ihm aber gleich wieder auf die Beine half und dieser daraufhin von seinem Bier trank, als sei nichts gewesen. Rose konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Es war völlig anders, als der Umgang, den sie gewohnt war. Während sich Jack mit Kathi beschäftigte, beobachtete sie ihn dabei. Sein lebensfrohes Gemüt war derart ansteckend, dass Rose aus dem Lächeln gar nicht mehr herausfand. Wäre Cal hier, würde er nur die Nase rümpfen und schnell wieder verschwinden.

Zwei Männer setzten sich zu ihr, während sich einer von ihnen eine Zigarette anzündete, saß der andere ihr direkt gegenüber und lehnte sich vor, als wolle er etwas sagen.

»Pratar du svenska?«

»Was?«

»Pratar du svenska?«, wiederholte er, jedoch half ihr das nicht weiter.

Behind the Veil (wlw)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt