Kapitel Fünf

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Neues Kapitel!! Ich hoffe, es gefällt euch:)

An der Seite ist ein Bild von Lucy.

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Kapitel Fünf



We are not given a good life or a bad life.

We are given life.

And it's up to you to make it good or bad.

- Ward Foley



Lächelnd legte ich das fertig gelesene Buch auf den kleinen Holztisch, der in Kaysons Zimmer stand. Draußen schien der Mond durch das Fenster und wie die letzten beiden Nächte auch, war ich überhaupt nicht müde. Ich wusste nicht woher das kam; zu Hause schlief ich normalerweise immer sofort ein, aber hier war ich nachts hell wach.

Ich war immer noch traurig, dass ich morgen wieder in mein langweiliges Leben zurückkehren musste. Wieder würde ich der Tatsache ins Auge blicken müssen, dass mein Leben nicht so war, wie ich es mir eigentlich wünschte. Dass ich wieder nur davon Träumen konnte, endlich das zu tun, was ich wollte. Die Freiheit zu haben, aus eigener Kraft zu entscheiden, was richtig und falsch meiner Meinung war. Jetzt, wo ich hier in Kaysons Bett lag, schien mir das gar nicht so schwer. Ich musste einfach nur das Politik Studium abbrechen, meiner Mutter sagen, dass ich mein eigenes Leben leben wollte und von zu Hause ausziehen. Es hörte sich so einfach an. Aber ich wusste, sollte ich meiner Mutter gegenüber stehen, dann würde die Leichtigkeit mit einem Mal verschwinden und ich würde wieder mit den Lügen anfangen. Natürlich war ich glücklich, natürlich war ich stolz auf mein Studium, natürlich liebte ich den Gedanken selbst einmal in die Politik einzutreten.

Ich seufzte. So viele Lügen und ich hatte noch nicht einmal die Kraft dazu, sie aus der Welt zu schaffen.

Außerdem würde ich Jace und Kayson vermissen. Die beiden hatten mir ein Leben gezeigt, dass ich nicht kannte und von dem ich niemals gedacht hätte, dass ich es lieben würde. Eigentlich müsste ich Mike dankbar sein, dass er mich zu einer Jetski-Tour überredet hatte, anders hätte ich sie niemals kennengelernt. Vielleicht würde ich sie ja irgendwann wieder sehen, aber ich sollte in dieser Beziehung meine Hoffnungen nicht zu hoch setzten. Ich lebte in Kalifornien, die beiden hier, am anderen Ende der Welt. Ich musste mich selbst ermarnen wieder realistisch zu denken.

Dieses mal auf sichereren Füßen ging ich nach draußen. Belle lag in der Küche auf ihrem Plätzchen und hob kurz ihren Kopf, als ich an ihr vorbei ging. Sie kam nicht zu mir, anscheinend hatte sie sich daran gewöhnt, dass ich nächtliche Spaziergänge unternahm. Als ich an der Klippe ankam, war ich erstaunt, dass schon jemand ganz am Rand auf den Steinen saß. Langsam näherte ich mich der Person und beim Näherkommen erkannte ich, dass es Kayson war, der ruhig auf das Meer blickte.

„Kannst du schon wieder nicht schlafen?“ fragte er leise, schaute mich aber nicht an. Vorsichtig näherte ich mich ihm, gleichzeitig aber auch dem Ende der Klippen.

„Ja. Ich weiß auch nicht warum.“ Schließlich stand ich neben ihm und sah unsicher am Rand hinunter. Einige Meter unter mir brachen sich riesige schwarze Wellen an der Küste und mir wurde schon nach einigen Sekunden schwindelig. Wie in Zeitlupe setzte ich mich neben Kayson und zog meine Füße eng an meinen Körper, damit sie nicht so wie Kaysons ins Leere baumelten. Ängstlich schaute ich noch einmal nach unten, wo die Wellen erbarmungslos gegen den Felsen spritzend zerschlugen. Wenn ich daran dachte, dass ich, wie diese Wellen gegen den Fels geschmettert hätte werden können, wurde mir wieder schwummrig und ich schloss kurz meine Augen. Warum hatte ich mich überhaupt so weit am Rand neben Kayson gesetzt? Ich wusste ganz genau, dass ich fürchterliche Höhenangst hatte.

Und auf einmal warst du da . . .Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt