Ich falle meiner Mutter um den Hals, als ich sie sehe. Die letzte Nacht war schrecklich. Wir mussten eine 'Probenacht' im Bus verbringen. Und ich fühle mich, als hätte ich keine zwei Stunden geschlafen. Heather hat geschnarcht und Kim, die neben mir geschlafen hat, hat sich so breit gemacht, dass ich kaum noch Platz hatte.
Und auch der letzte Nachmittag war nicht besonders prickelnd. Die meiste Zeit habe ich damit verbracht, Dad zu suchen, den ich dann schließlich bei seinen Kollegen gefunden habe. Als ich ihn gefragt habe, wo er die ganze Zeit gesteckt habe, hat er geantwortet, er wäre immer beim Pavillon gewesen. Das will ich ihm aber nicht so recht abkaufen, denn gesehen habe ich ihn nie. Aber irgendwann habe ich es mit einem Hochziehen der Augenbrauen akzeptiert.
Andrew, unser Regisseur, hat noch sogenannte Portraits von den Teilnehmern gemacht, mit Namen, Hobbies, Alter und so weiter. Das werden Informationen sein, die dann die Zuschauer im Fernsehen sehen werden.
Später hat Daisy uns noch ein paar Dinge erklärt, wie wir zum Beispiel Wasser finden und noch viele andere Sachen.
Mum drückt mich kurz, dann lässt sie mich wieder los. „Um wie viel Uhr ist der Start?“, will sie wissen. Ich bin ein wenig verdutzt, dass sie gerade das wissen will.
„Um elf Uhr“, antworte ich.
„Gut“, sagt sie und geht weiter in Richtung Pavillon. Ich schaue ihr verwundert nach.
„Dad hat sie gestern Nachmittag angerufen. Seitdem ist sie total aufgeregt und konnte es kaum erwarten losfahren zu können“, erklärt meine Schwester Lisa mir und zuckt mir den Schultern. „Aber was Dad gesagt hat, wollte sie nicht verraten...“
„Seltsam“, murmle ich nur noch und denke an Dads Verschwinden gestern Nachmittag.
- - -
Außer das Daisy uns noch einige Kleidungsstücke austeilt, die wir für die Tour brauchen, passiert nicht mehr viel. Inzwischen sind viele Leute da, die die Busse nochmal durchschauen oder Kameras installieren, die den Start festhalten sollen.
Ich sitze auf einer der Bierbänken mit meiner Mutter und Lisa, genau wie die anderen Teilnehmer. Wir reden nicht viel, sondern schauen nur zu. Ich wüsste nicht einmal, was ich sagen sollte. Ich bin nicht einmal aufgeregt! Ich erkenne mich selbst nicht wieder. Früher war ich immer bei jeder einzelnen Klassenarbeit so aufgeregt, dass ich dachte, ich würde gleich sterben! (ich weiß, dass es albern ist) Aber jetzt spüre ich gar nichts! Und das macht mir Angst.
YOU ARE READING
Woodkiss
AdventureDu hattest du schon immer mal den Traum, zwei Monate ganz alleine und ohne deine Eltern mit sieben anderen Jugendlichen Nordamerika zu reisen? Und das in einem alten VW-Bus? Genau diese Chance hat die siebzehnjährige Laura Wood, einmal von der Schul...
