Chap. 16

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Du versteiftest dich, bewegtest dich keinen Millimeter. So sehr schämtest du dich, fühltest dich ertappt. Er sah dich, außerhalb deines immer perfekt sitzenden Pokerfaces. Du fühltest dich unwohl, ja hattest sogar Angst. Angst vor dem, was er sagen wird, ob er dich verurteilen würde. Angst vor dem, was er tun wird. Angst vor ihm. Angst vor dir. Dein Kopf schaltete und dein Körper wand sich aus seinen Armen. Dein Körper reagierte, flüchtete. Du ranntest. Raus aus dem Haus, runter von dem Anwesen, direkt zum See. Deine Füße trugen dich so schnell fort, als würdest du fliegen. Deine Atmung? Schon lange unkontrolliert. Du erreichtest dein Ziel, sahst es vor dir.

Scheiße verdammt! Er hat mich gesehen! Ich hasse mich. Ich bin so elendig schwach. Wie möchte ich irgendwen beschützen können, wenn ich es nichtmal schaffe, mich selbst unter Kontrolle zu haben? Meine ganze Existenz ist zum Scheitern verurteilt. Pah, ich bin so lächerlich. Nichts auf die Reihe kriegen und jetzt auch noch in Selbstmitleid versinken. Ich bin verdammt nochmal alles mögliche, aber nicht genug! Niemals würde ich das sein!! Aber trotz allem, werde ich kämpfen. Ich gebe nicht auf. Mein Kampf ist erst vorbei, wenn ich es sage, auch wenn ich schon so lange keinen Funken Hoffnung mehr in mir trage, keine Gefühle. Ich liebte diese Gefühlsausbrüche, da ich nur dann überhaupt etwas fühlte, doch sie schmerzten ebenso sehr.

Ich schmiss Steine in den See. Viele Steine. Ich schmiss einen weiter als den anderen und konnte bald schon nicht mehr sehen, wo sie hinflogen. Auch zählte ich nicht mehr mit. Es wurde schon dunkel und um ehrlich zu sein, hatte ich absolut keine Ahnung, wie ich nach Hause kommen würde. Mir wird nichts anderes übrig bleiben, als es einfach zu versuchen. Vielleicht sehe ich ja doch Straßen, die ich wiedererkenne?

Da vorne saß ein kleiner Junge am Rand der Straße. Er schien auf etwas zu warten oder hatte er seine Eltern verloren? Ich hatte Mitleid und ging auf den Jungen zu. Ich half ihm, aufzustehen. " Geht es dir gut? ", fragte ich den kleinen. " Ja, aber ich finde meine Mami und mein Papi sind schon zu lange da drinnen! ", rief er und zog eine Schippe. Bevor er anfing zu weinen, nahm ich ihn in den Arm und streichelte seinen Rücken auf und ab. Er fing an, zu strahlen und grinste über beide Ohren. Das brachte mich zum Lächeln und ich wuschelte ihm durch die Haare. Er war nicht älter als sieben, warum also ließen sie ihn hier alleine sitzen? Hach, das geht mich nichts an. " Du, Kleiner. Weißt du zufällig, wo dieses Haus hier steht? ", fragte ich ihn. Vielleicht konnte er mir den Weg nach Hause ja sagen. " Oh, ja! Natürlich, das weiß doch jeder! Aber was möchtest du bei den Jeons? ", als ich nicht antwortete , schüttelte er seinen Kopf und lächelte breit, " Hier die Straße nach oben, dann rechts und geradeaus! Da musst du dann links abbiegen und der Straße bis zum Ende folgen! Dann bist du schon da! ", grinste er. Ich musste einfach Lächeln. Dieses Kind war so goldig! Ich bedankte mich bei ihm und entschied mich dazu, zusammen mit ihm noch auf seine Eltern zu warten. Wir vertrieben uns die Zeit, indem er mir erzählte, dass sie heute auf dem Spielplatz waren und er sich ganz dolle dreckig gemacht hatte. Als seine Eltern aus dem Laden kamen, verabschiedete ich mich und ging in die Richtung, die er beschrieben hatte.

Er hatte Recht. Das Haus stand tatsächlich da. Mein kleiner Retter, haha. Ohne ihn hätte ich die ganze Nacht draußen schlafen können. Aber .. nein. Ich hatte immernoch keinen Schlüssel! Wie komme ich denn jetzt rein, ohne einen dieser Leute sehen zu müssen? Was mache ich - das Tor öffnete sich .. hä? Ich hab weder geklingelt, noch irgendwas gedrückt! Aber egal, Hauptsache ich komme rein. Seltsam, die Tür stand auch offen? Ist hier irgendwas passiert? Es sieht nicht aus, als wäre etwas gestohlen worden und die Erwachsenen kann ich reden hören. Ich geh einfach in mein Zimmer und gut ist.

Oben angekommen, wollte ich gerade meine Tür schließen, da schob sich auch schon jemand dazwischen. " Y/N, ich weiß, du möchtest nicht mit mir reden, mich nicht in deiner Nähe, aber ich werde nicht gehen, ehe du mir nicht wenigstens zugehört hast, verstanden? ", es war Jungkook. Die Freude ist groß .. nicht! Ich seufzte und ging auf meinen Balkon. Vielleicht war er derjenige, der mir alles aufgemacht hat? Ich würde ihn später fragen oder morgen und gegebenenfalls danken. Er schien mir zu folgen, da ich Schritte hörte. Wir setzten uns auf die Stühle und ich lehnte meinen Kopf hinten an. Der kühle Abendwind wehte mir um die Nase und ich genoss die himmlische Ruhe. Dampf ablassen war wirklich gut, in meinem Kopf ist alles viel klarer als vorher. Doch sind meine Gefühle wieder ganz weit in der Ferne als könnte ich sie nicht erreichen.

" Du musst wissen, dass du von Leuten gesucht wirst. Sie wollen nichts, außer dich umzubringen. Wenn du mich lässt, werde ich dir helfen, aber du musst mir eins versprechen ", fing Jungkook an. Was soll das schon wieder? Was ist denn falsch mit diesem Typen?? " Was möchtest du von mir? ", fragte ich, ohne den genervten Unterton, zu unterdrücken. Warum auch? Er weiß doch, dass ich ihn so wenig ab kann, wie er mich. " Du wirst ab jetzt immer mit mir sprechen, wenn dich irgendwas belastet oder beschäftigt ", sagte er leise. Entschuldigung? Habe ich mich irgendwie verhört? " Das kann ich dir nicht versprechen ", flüsterte ich. Ich möchte nicht lügen, aber diese Thematik war mir auch unangenehm. " Weil? ", hackte er nach. " Einfach darum! Ich kann einfach nicht. Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann und das wäre etwas, das ich nicht halten könnte ", sprach ich jetzt etwas lauter und war schon ein wenig aufgebracht. Er soll mich bitte einfach verstehen! " Aber warum nicht? ", versuchte er es weiter. Checkt er es echt nicht, oder tut er nur so? " Ich rede einfach nicht über mich! Vertrauen tue ich dir auch nicht! Und jetzt komm mir nicht mit meiner Mutter oder Noah! Denen habe ich auch noch nie etwas anvertraut ", ich war den Tränen nahe. Ich hielt sie zurück, aber spührte den Schmerz in meiner Brust. Ich wusste nicht, weswegen mein Körper so reagierte, doch konnte es mir erklären.

Jungkook musste eben gehörtes erstmal verarbeiten. Nachdem du ihn abgewiesen hattest, war er mehr als nur in Sorge um dich. Er konnte nicht zuordnen, woher diese plötzlichen Gefühle kamen. Dass er dich gar nicht hasst, ist ihm auch erst aufgefallen, als du ihn hast, stehen lassen. Er möchte seine Fassade aufrecht erhalten können, doch bei dir ging es nicht. Er verstand sich selbst nicht mehr. Er schaute in dein Gesicht und sah Schmerzen. Er wurde traurig, wütend und alles zugleich. ' Wer hat ihr das angetan? ', dachte er sich. Man kann dich gar nicht nicht leiden, dass ist ihm auch schon aufgefallen. Wer oder was also macht dir dein Leben so schwer? Er konnte nicht anders und fragte dich : " Darf ich? ". Er breitete seine Arme aus, um dir zu zeigen, was er mit ' Darf ich? ' meinte. Du verstandest nicht, weswegen er dir helfen wollte. Du brauchtest eine Umarmung, diese Umarmung, würdest es aber niemals zugeben. Du bist zu stolz. Was also tatest du? Genau. Schütteltest deinen Kopf und liest ihn heute somit zum bereits  zweiten Mal abblitzen. Er allerdings hatte damit schon gerechnet.

Geheimnisse vor deiner Zeit | [J.Jk x Reader]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt