Kapitel 8

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-----Léa-----

Während ich hinter der Bühne warte, bekomme ich doch langsam Lampenfieber. Ich tanze schon seit ich ein Kind war, aber ich bin vor jeder Vorstellung so aufgeregt, als wäre es meine erste. Ich habe panische Angst zu stolpern oder mit einem anderen zusammenzustoßen, obwohl ich die Schritte im Schlaf beherrsche und bis jetzt auch noch nie etwas passiert ist. Möglicherweise bin ich heute sogar noch ein kleines bisschen aufgeregter als sonst, weil da draußen Sam sitzt. Ich meine, Sam, der mich bis vor einigen Wochen noch entweder wie Luft behandelt oder unglaublich genervt hat. Und jetzt macht er mich total verrückt, sobald er auch nur einmal lacht oder ins Mathebuch zeigt. Na super. Wessen dumme Idee war das mit der Einladung nochmal? Ach ja, stimmt, das haben Lilly und ich uns ja gemeinsam überlegt, nachdem ich ihr alles erzählt habe. Im Gegenzug muss sie Liam nach einem Date fragen. Den ersten Schritt meiner Verkupplungsaktion habe ich zumindest gut hingekriegt. Aber Sam zu meiner Aufführung einzuladen, war ja wohl das Blödeste, was ich jemals getan habe. Was ist, wenn er sich langweilt? Oder wenn ich alle Schritte vergesse, sobald ich auf der Bühne stehe? Oder...? Stopp. Ich bekomme das schon irgendwie hin. Ich versuche mich abzulenken, indem ich ein Gespräch mit Dylan anfange. Er ist in meiner Tanzgruppe und einige Jahre älter als ich. Er ist total nett und sympathisch, genauso wie seine Freundin Kira, die heute leider keine Zeit hat, zuzusehen. Ich mag Dylan echt gerne. Er ist einer der freundlichsten Menschen, die ich kenne. Und außerdem sieht er übernatürlich gut aus (nur ein netter Nebeneffekt). Wir reden gerade über sein Studium, als wir Bescheid gesagt bekommen, dass die Vorstellung anfangen kann. Ich atme einmal tief durch. Na dann mal los.

-----Sam-----

Der Vorhang öffnet sich und man sieht die Tänzer der ersten Gruppe, zu denen auch Léa gehört. Von der ersten Sekunde an bin ich verzaubert und kann meinen Blick nicht mehr von dem Geschehen auf der Bühne lösen. Und dann ist da Léa. Sie hat sichtlich so viel Spaß am Tanzen und ist so vertieft in die Bewegungen, dass ich nicht aufhören kann, sie anzustarren. Ich beuge mich vor und stütze die Ellbogen auf die Knie, um ja nichts zu verpassen. Ich bin fasziniert und bekomme nichts mehr um mich herum mit, bis der Vorhang sich schließt, alle applaudieren und wir aufstehen. Ich habe mich noch nie für Musik oder Tanzen interessiert, aber durch diese Aufführung habe ich meine Meinung geändert. Zum Glück ist jetzt erst Pause.

Zusammen mit Chrysa, Michail, Iliás und Fil verlasse ich den Saal. Chrysa platzt fast vor Stolz auf ihre Tochter und redet die ganze Zeit darüber, wie sehr sie sich auf die zweite Hälfte freut. Aber ich kann sie verstehen: Léa hat wirklich toll getanzt.

Als es weitergeht, achte ich auch mal mehr auf die anderen Tänzer. Da ist zum Beispiel ein Typ neben ihr, der mindestens genauso toll tanzt wie sie und mit dem sie immer wieder lächelnde Blicke tauscht. Er ist mir vorher überhaupt nicht aufgefallen, weil ich so auf Léa konzentriert war. Die beiden zusammen zu sehen, bei ihrem gemeinsamen Hobby, das sie verbindet, versetzt mir einen Stich.

Nach einer weiteren Stunde ist das Stück zuende und Léas Familie und ich begeben uns hinter die Bühne, um Léa zu ihrem wundervollen Auftritt zu gratulieren. Und als ich sehe, wie sie sich ganz angeregt mit dem Tänzer von eben unterhält und ihm dann eine Hand auf den Arm legt, merke ich, wie sich alles in mir zusammenzieht.

-----Léa-----

Bis die anderen kommen, um mich abzuholen, unterhalte ich mich ein bisschen mit Dylan. Er erzählt mir, dass er Kira einen Heiratsantrag machen möchte.

,,Ich weiß aber nicht wie.'', murmelt er und schaut auf den Boden. ,,Was, wenn sie noch gar nicht heiraten möchte?''

,,Ach Quatsch!'', erwidere ich. ,,Du packst das schon. Ich bin mir sicher, dass sie ja sagt. Sie liebt dich mehr als alles andere auf der Welt, das weißt du doch.''

Ich würde den beiden das Glück wirklich gönnen. Sie passen so gut zusammen, sie sind das perfekte Paar. Sie sind zwar noch sehr jung, aber so, wie sie sich lieben, wüsste ich nicht, was gegen eine frühe Heirat sprechen würde. Dylan macht immer noch keinen besonders überzeugten Eindruck, deshalb lege ich ihm eine Hand auf den Arm.

,,Hey - du schaffst das wirklich, das weiß ich. Und jetzt geh schon und frag sie.''

,,Na gut.'', seufzt Dylan und schon ist er weg. Na also, geht doch. Ich drehe mich um und sehe Sam mitsamt meiner Familie. Ich laufe zu ihnen und lasse die ganzen Glückwünsche über mich ergehen. Nur Sam sagt nichts.

,,Alles okay?'', frage ich leise.

,,Jaja.'', erwidert er. ,,Alles klar. Du hast übrigens toll getanzt.''

Doch irgendwas ist noch komisch.

,,Fahrt ohne uns.'', wende ich mich an meine Eltern. ,,Wir laufen, so weit ist es ja nicht. Und ich brauche ein bisschen frische Luft, da drinnen war es total stickig.''

Ich warte, bis sie wegfahren, dann wende ich mich wieder zu Sam um.

,,So, und jetzt raus damit. Was ist los? Ich merke doch, dass etwas nicht stimmt.''

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