Die nächsten Wochen vergehen wie im Flug. In der Schule wird kaum noch gearbeitet, was auch gut so ist, denn meine Gedanken schweifen sowieso die ganze Zeit ab zu Packlisten und Flugtickets und unendlichen Traumstränden. Und ehe ich mich versehe, sind auch schon die Sommerferien da, und mit ihnen die Reise nach Griechenland. Morgen in der Nacht um 5.00 Uhr geht unser Flug. Da müssen wir schon um 3.00 Uhr am Flughafen sein und dafür entsprechend aufstehen, das wird hart. Im Moment jedoch habe ich ein ganz anderes Problem. Auf dem Fußboden in meinem Zimmer liegt mein geöffneter Koffer und überall sind meine Sachen verteilt. Ich raufe mir die Haare. Wie soll ich das alles nur da hinein bekommen?
Doch gerade als ich anfange, alles irgendwie in den Koffer zu quetschen, klopft jemand an meiner Tür. Auf mein ,,Herein!'' betritt meine Mutter das Zimmer.
,,Ich dachte, du könntest vielleicht Hilfe gebrauchen'', meint sie.
Und tatsächlich, zu zweit geht es viel schneller. Gemeinsam schaffen wir es, mein Zeug in den Koffer zu manövrieren. Als wir fertig sind, will ich mein Gepäck schon mal nach unten bringen, damit ich in der Nacht keinen Lärm mache, doch meine Mum hält mich am Ärmel fest.
,,Pass auf dich auf, ja? Wir werden dich vermissen.''
Ich lächele. Das ist meine Mutter. Lieber sagt sie mir sowas ganz kurz, als mir vor allen eine große Szene mit ins-Taschentuch-heulen zu machen.
,,Klar.'', erwidere ich lächelnd. ,,Und Mum: ich hab euch auch lieb.''
Fünf Minuten später haben wir es geschafft: Mein Koffer und meine Handtasche stehen gepackt im Flur. Es kann losgehen!
+++
,,Léa, aufwachen!"
Das ist Iliás. Was will der denn jetzt? Es ist mitten in der Nacht.
,,Lass mich schlafen.'', grummele ich in mein Kissen.
Er lacht leise.
,,Also willst du nicht mitkommen nach Corfu?''
Corfu? Griechenland? Warte, da war doch was....
Ich fahre hoch.
,,Warum hast du das nicht gleich gesagt?''
,,Ich wusste doch, dass es funktioniert'', grinst er nur, ohne auf meine Frage einzugehen.
Dann verschwindet er mit einem fröhlichen ,,Aber nicht wieder einschlafen!'' aus meinem Zimmer. Woher nimmt er bloß jetzt schon diese ganze Energie? Das ist doch nicht normal.
Ich seufze, dann hieve ich mich aus dem Bett und schlurfe ins Bad, wo ich mir kaltes Wasser ins Gesicht spritze. Schon besser.
Kurz darauf stehen Helena, Iliás und ich vor unseren Haus und warten auf die anderen. Wir wollten uns hier treffen und gemeinsam mit der S-Bahn zum Flughafen fahren. Ich trete von einem Fuß auf den anderen um die Kälte aus meinen Knochen zu vertreiben und gähne. Auch Helena sieht noch nicht besonders wach aus, während Iliás immer noch sprüht vor Vorfreude. Als die anderen nach und nach ankommen, machen wir uns auf den Weg.
Nach zwei Stunden Warten, in denen ich wirklich aufpassen musste, nicht einzuschlafen und in denen Iliás und Lilly die einzigen waren, die wirklich geredet haben, dürfen wir endlich ins Flugzeug. Ich sitze zwischen Lilly und Sam. Während Lilly die ganze Zeit aufgeregt vor sich hinplappert (wobei die Wörter, die sie am meisten benutzt ,,Oh", ,,mein" und ,,Gott" sind), klammert sich Sam nervös am Sitz fest.
,,Bist du noch nie geflogen?'', frage ich ihn.
Er schüttelt nur den Kopf und verkrampft sich noch ein bisschen mehr.
,,Hey.'' ich nehme seine Hand in meine. ,,Alles ist gut, okay? Fliegen ist schön, man kann die Wolken von oben sehen. Und weil wir so früh fliegen, sehen wir wahrscheinlich später die Sonne über dem Meer aufgehen. Und das ist ja mal oberromantisch.''
Bei meinen Worten muss Sam lächeln. Er beugt sich zu mir rüber und küsst mich.
,,Danke.''
Ich halte Sams Hand bis das Flugzeug wieder den Boden erreicht. Und auch als wir aussteigen und ich zum ersten Mal seit Jahren wieder die warme, griechische Luft einatme, lasse ich sie nicht los.
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Look after you
RomanceGeschrieben: 2015 - Anfang 2016 Léa und Sam können sich nicht leiden. Léa hält Sam für einen arroganten Macho und er sie für eine besserwisserische Zicke. Als Sam plötzlich auf Léas Hilfe angewiesen ist, lernen sich die beiden näher kennen und fange...
