-----Sam-----
Seit unserer ersten Nachhilfestunde sind inzwischen fast zwei Wochen vergangen und ich habe schon festgestellt, dass ich im Unterricht inzwischen viel besser mitkomme. Meistens zumindest. Nachdem Léandra und ich für heute fertig mit Mathe sind, verlässt sie schnell das Haus, da sie noch weg muss und spät dran ist. Wir verstehen uns inzwischen ganz gut und ich glaube, langsam fängt sie an, mich ein bisschen zu mögen. Sie hat mir nicht gesagt, was sie heute macht, aber es geht mich ja auch nichts an, obwohl es mich ehrlich gesagt brennend interessiert, weshalb sie es so eilig hat. Ich folge ihr etwas langsamer nach draußen. Als ich mein Fahrrad auf den Weg schiebe, fällt mein Blick auf einen kleinen Gegenstand am Boden. Ein Schlüssel. Und ich kenne die Besitzerin. Es ist Léandras, ich habe sie schon mit diesem Schlüssel beim Spind gesehen. Ich blicke auf und sehe, wie sie in Richtung Wald fährt. Und ich folge ihr.
Kurze Zeit später erreicht Léandra den Waldrand. Ich wundere mich, da sie nicht in den Wald hineinfährt, sondern in einen schmalen Pfad einbiegt. Dann passieren wir ein großes Tor und Léandra wird langsamer. Sie lässt ihr Fahrrad auf den Boden fallen und geht auf einen großen Stein zu. Als ich mich umsehe, bemerkte ich, dass hier viele Steine sind. Moment. Das ist ein Friedhof! Wow, diese Schnelligkeit beim Kombinieren, Sam...ich sollte Detektiv werden. Aber was will Léandra eigentlich hier?
Ich stelle mich hinter einen Busch und beobachte weiter. Léandra setzt sich auf den Boden vor dem Stein und fängt an, leise zu reden. Ich verstehe nichts, da ich zu weit entfernt bin. Es fühlt sich nicht richtig an, sie dabei zuzusehen. Ich will gerade hinter dem Busch hervorkommen und zu ihr gehen, als sie aufsteht. Reflexartig ziehe ich mich wieder zurück. Als Léandra zurück zu ihrem Fahrrad geht, wischt sie sich mit dem Ärmel ihrer Jeansjacke durch das Gesicht. Ich ducke mich tiefer in mein Versteck. Dann folge ich ihr und werfe im Vorbeigehen einen neugierigen Blick auf das Grab. Ira... den Rest des Namens kann man nicht lesen, der Stein ist total verwittert. Um wen hat sie da wohl getrauert? Einen Verwandten? Eine Freundin? Ich habe Léandra noch nie weinen sehen, und ich habe sie schon oft wirklich schlimm behandelt. Sie tut mir leid.
Als Léandra ein zweites Mal anhält, sind wir mitten im Wald an einem riesigen Baum. Sie geht darauf zu, und ich kann hinter den Zweigen Wasser entdecken. Das heißt wir sind an einem Fluss oder so. Sie geht zu dem Baum und ich erkenne ein dickes Schloss und ein Drahtseil.
,,Scheiß Schloss!'', flucht Léandra.
Tja, ich schätze, jetzt komme ich ins Spiel.
,,Suchst du vielleicht den hier?'', frage ich, trete aus dem Gebüsch und halte ihren Schlüsselbund hoch.
Sie fährt herum.
,,Sam!'', ruft sie. ,,Was machst du denn hier?''
Ich sehe Léandra fest in die Augen.
,,Du hast deinen Schlüssel vor der Haustür verloren.''
,,Oh'', murmelt sie. ,,Warte...und du bist mir die ganze Zeit gefolgt?''
,,Ja'', ich sehe verlegen auf den Boden.
Doch einige Fragen habe ich trotz der unangenehmen Situation, obwohl ich weiß, dass sie sie mir höchstwahrscheinlich nicht beantworten wird.
,,Wessen Grab war das auf dem Friedhof? Und wo sind wir hier überhaupt?''
Léandra schaut mich an und seufzt.
,,Eigentlich wollte ich es dir noch nicht sagen, aber wo wir schon mal hier sind... ich werde es dir erklären. Aber jetzt brauche ich erstmal den Schlüssel.''
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Look after you
RomanceGeschrieben: 2015 - Anfang 2016 Léa und Sam können sich nicht leiden. Léa hält Sam für einen arroganten Macho und er sie für eine besserwisserische Zicke. Als Sam plötzlich auf Léas Hilfe angewiesen ist, lernen sich die beiden näher kennen und fange...
