22:39
Alexa
Meine Stirn und meine linke Gesichtshälfte brennen wie Scheiße, tatsächlich macht mich das einfach nur noch wütender.
Travis rauft sich die Haare, bevor er lautstark etwas hinter mir umwirft und dann mit einem Foto zurück kommt.
Er hält uns das Bild eines blonden Mädchens hin und zittert mit der Hand in der er es hält. Sie hat dunkle Augen und sieht ihm selbst ziemlich ähnlich.
"Wer ist das?"
Jasper übernimmt meine Frage, weil er bemerkt wie wütend ich bin.
Travis Lachen hört sich an wie das eines Geisteskranken und macht mich innerlich verrückt.
Das Mädchen kommt mir bekannt vor, ich kann sie aber nicht zuordnen, scheinbar auch niemand der Anderen, denn sie sehen alle fragend in seine Richtung.
"Meine Schwester!"
"Mia Castellani!"
Es macht Klick, als ich den Namen höre und das Gesicht mit jemandem Verbinden kann den ich kenne.
Oder gekannt habe, sollte man eher sagen.
Mia Castellani hat sich vor zwei Jahren das Leben genommen. Sie war zusammen mit uns in einigen Kursen und an sich eher ein normales Mädchen. Ich denke ich würde ihren Namen nicht kennen, wenn es nicht die Party bei Jayson gegeben hätte, nach der sie das Gesprächsthema Nummer 1 bis zu ihrem Tod auf der Schule war.
Ich erinnere mich gut an dem Abend, weil ich mit Jayson gestritten habe, da er Lucy dazu gebracht hatte Drogen zu nehmen und weil ich die war, die Mia's Klamotten an dem Abend in den Pool geworfen hat. Sie hat sich vor Jayson ausgezogen um ihn anzumachen, aber ich war so wütend weil Lucy mir gesagt hatte, dass sie eine Ohrfeige von ihr bekommen hatte, dass ich nicht anders konnte. Später am Abend haben Lucy und ich sie mit ein paar der Jungs aus unserer Stufe im Badezimmer gefunden.
Ich bin nicht verwundert, darüber, dass Travis der Bruder von so einem Mädchen ist. Sie war mindestens genauso geisteskrank wie ihr Bruder es ist. Ich weiß nur zu gut, dass das ganze Sportteam Sex mit ihr hatte und sie es nie verheimlicht hat, dass sie Sex mit all diesen Menschen hatte. Die meisten von uns haben sich vor ihr geekelt, natürlich hatte sie den Tod nicht verdient, aber ich denke sie hat einfach irgendwann angefangen sich vor sich selbst zu ekeln. Ich habe sie nicht richtig gekannt, ich kannte nur ihr Image und das war eben das einer Schlampe. Alles in mir ist darauf aus, Travis zu provozieren, weil er mir damit gerade seine Schwachstelle verraten hat.
Mir entflieht ein spöttisches Lachen, auch Lucy scheint verwundert darüber, dass er uns ihr Bild zeigt, während Jasper scheinbar nicht einmal wirklich weiß wer sie ist.
"Die Schlampe und der Psycho, wie passend, dass ihr Geschwister seid," spotte ich.
"Wart," schiebe ich extra noch hinterher.
Seine Muskeln versteifen sich während er das Bild wieder weglegt und mich einfach nur ansieht. Er würde mir wahrscheinlich gerne etwas antun aber so wie es scheint, will er nicht von seinem Plan abweichen. Ihm ist dieses Spiel wichtig.
"Du bist krank, ehrlich krank," fange ich an.
"Keiner von uns kann etwas dafür, dass deine Schwester sich umgebracht hat weil sie ein Miststück war," beende ich.
Jayson steht der Schock über meine Wortwahl ins Gesicht geschrieben, aber ich werde nicht so tun, als wäre Mia nicht die Schlampe gewesen die sie eben in den Augen von allen war.
Ich sehe wie Travis sich beherrschen muss, dann holt er ein zerfleddertes schwarzes Buch heraus und schlägt eine Seite auf, bevor er es vorließt.
"Sie hatten mich gesehen, Lucy und Alexa, wegen denen ich überhaupt auf der Party war, hatten gesehen was Justin und seine Freunde mir angetan haben. Ich werde Alexas Grinsen nicht vergessen können, weder das als sie meine Anziehsachen in den Pool geworfen hat, noch das als sie die Badezimmertür für einen Moment geöffnet hat nur um die Jungs im nächsten Moment einfach weiter machen zu lassen. Und auf gar keinen Fall werde ich vergessen, wie sie gegrinst hat, als sie mich vor der ganzen Schule, dazu gezwungen hat Sahne von Oliver Hendricks Gesicht zu lecken."
Travis macht eine Pause.
Meine Gedanken fliegen zurück an den Tag, als Mia mit mir gesprochen hat und versucht hat mit mir Smalltalk zu halten. ich habe mir einen Spaß erlaubt, weil Oliver eben Oliver ist, der mit Pickeln und Brille einfach der perfekte Partner für eine Demütigung war. Mia hatte mich an dem Tag aber auch in einem der schlechtesten Momente erwischt. Es war nicht einmal ein Angriff gegen sie gewesen, es war eher eine allgemeine Botschaft, dass keiner der nicht zu dem ausgewählten Kreis meiner Freunde gehört mit mir sprechen soll.
"Ich hoffe irgendwann kann ich so über sie grinsen, wie sie über mich," beendet Travis seine Lesung.
Lucy schluckt feste und sieht mich mit einem unbedeutenden Blick an. Auch ich bin mir nicht sicher, was er damit bezwecken wollte, denn dass ich niemand bin, der nett ist, ist nichts Neues. Meine Freunde wissen, dass ich ein ziemliches Arschloch sein kann und es gerne bin.
Travis scheint unsere Stille richtig zu deuten, denn er holt hörbar tief Luft.
"Ich habe Mia gefunden, sie hat noch gezuckt während ich versucht habe die Blutungen zu stoppen, aber es war zu spät." Ich höre wie seine Stimme kurz bricht und der krankhafte Ton in ihr fehlt, aber es ist nur ein Bruchteil einer Sekunde.
Ich sehe wie Jasper die Farbe aus dem Gesicht weicht, auch mir wird mulmig bei dem Gedanken daran, jemanden dabei zu sehen. Dass Mia sich die Pulsadern aufgeschnitten hat war kein Geheimnis in der Stadt gewesen. Das hatte schneller die Runde gemacht als ein Feuer.
"Mia hat sich umgebracht, weil ihr zugelassen habt, dass sie vergewaltigt wurde."
Er lässt seinen Satz ausklingen, sorgt dafür, dass Lucy die Luft anhält und Jayson sowie Jasper erschrocken die Augen aufreißen. Ich jedoch, kann nicht anders als zu lachen. Travis ist regt keine Gefühle in mir außer das tiefe Bedürfnis danach, ihm das Genick zu brechen weil seine Geisteskrankheit mich ankotzt. Wenn sie vergewaltigt worden wäre, hätte sie es ja wohl gesagt.
"Ich wiederhole mich nur," gebe ich von mir.
"Keiner von uns kann etwas dafür, dass Mia eine Schlampe war."
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What happend tonight
Mistério / Suspense"Hey Lucy, hör dir den Mist an. Jasper meint die Schulflure würden uns jetzt nicht mehr gehören," ruft sie hinter sich. Dann bleibt sie urplötzlich stehen, so dass ich beinahe in sie gelaufen wäre. Verschmitzt funkelt sie mich an. "Egal wo wir hin g...
