04:45
Jayson
Es fühlt sich an als würde ich ein heißes Gefäß in der Hand halten, an dem ich mich stetig verbrenne, aber ich kann es nicht ablegen. Ich habe aufgehört Alexa und Lucy neben mir wahrzunehmen. Die Dunkelheit in der wir uns befinden kehrt in mich selber ein so unwahr kommen mir Alexas Worte vor.
Vor wenigen Augenblicken habe ich noch seine Silhouette gesehen und mir nicht mal im Ansatz dabei gedacht, dass es das letzte Mal ist, dass ich seine Anwesenheit spüre.
Alles in mir fühlt sich gelähmt und ich möchte nichts anderes als aus diesem verfluchten Traum aufwachen, als ein Geräusch meine Aufmerksamkeit wieder ins hier und jetzt zieht.
Travis muss zurück zur Werkstatt gegangen sein und jetzt jeden Fleck dort auseinander nehmen. Alexa zieht lautstark die Nase hoch, bevor sich aufrichtet und uns mit ihrem Telefon Licht spendet. Wenn Travis merkt, dass der Schrank verrückt wurde wird er schneller wissen wo wir sind als es uns lieb ist.
Auch in ihrem Gesicht klebt überall Jaspers Blut, jedoch wird ihr Blick fest und entschlossen.
"Ihr beide geht zu den Autos, verschwindet von hier, ich gehe oben das alte Funkgerät von Jaspers Vater suchen," erklärt sie.
Lucy will Widerworte geben, aber Alexa schüttelt den Kopf.
"Ich lasse ihn nicht mit Travis alleine," ist alles was sie von sich gibt.
Lucy ist sich der Tatsache bewusst, dass nicht einmal sie Alexa davon abhalten kann hier zu bleiben. Sie kann Jasper nicht zurück lassen und vor allem nicht so. Betrübt nickt Lucy ihr zu und spricht sich innerlich selber zu, dass es in Ordnung so ist, das kann man ihrem Gesicht entnehmen.
Alexa krabbelt voraus und als ich Lucy helfe aus dem Schacht und unter den Tisch zu kommen, legt Alexa gerade ein Küchenhandtuch über Jaspers Gesicht.
Ich erstarre als ich den dunklen Fleck am Holz erkenne und male mir die schlimmsten Szenarien in meinem Kopf aus, wende den Blick dann aber ab. Ich will mir nicht vorstellen müssen was Alexa sich angesehen hat und noch weniger möchte ich gerade in diesem Moment wissen ob Jasper gelitten hat. Ich will verdrängen, dass es überhaupt passiert ist.
Lucy bückt sich zu Jasper herunter küsst ihre Handfläche und drückt diese dann auf seine Brust. Sie verweilt ein paar Sekunden in dieser Position und greift dann nach meiner Hand. Wir verflechten unsere Finger miteinander und ich bin froh, nicht alleine zu sein. Das Blut und der leblose Körper meines besten Freundes lassen eine Kälte in mir hervorkriechen die ich nicht spüren möchte, lediglich Lucys Hand in meiner hält mich davon ab komplett festzufrieren.
Als würde Alexa Gedankenlesen greift sie nach meiner anderen Hand und nach Lucys freier. Für einen Moment teilen wir alle Kraft die wir noch besitzen unter einander auf, dann nickt Alexa.
Wir schleichen uns ins Wohnzimmer, wo ich mir meine Autoschlüssel schnappe, bevor wir die Vordertür öffnen. Alexa geht vor und umrundet dann das Haus um sicher zu stellen, dass Travis nicht plötzlich auftaucht. Ich muss mein Auto nicht einmal erreichen, da wird mir bewusst, dass Travis alles dafür getan hat, dass wir nicht von hier verschwinden können.
"Scheiße," fluche ich und deute Alexa mit dem Kopf an, zurück ins Haus zu gehen. Erst als wir geduckt unter den Fenstern zur Veranda hocken und die Tür geschlossen ist wird mir endgültig klar, dass wir hier festsitzen.
"Meine Reifen sind alle zerstochen, damit kommen wir nie im Leben hier weg," erkläre ich ihr.
Alexa ballt ihre Hand zur Faust und beißt dann wütend darauf um nicht laut zu werden. Ich kann förmlich sehen, wie die Zahnräder in ihrem Kopf arbeiten als ihr plötzlich ein Licht aufgeht.
"Ich habe Timos Ersatzschlüssel in meinem Rucksack," erklärt sie.
Erst jetzt fällt mir wieder ein, dass noch zwei weitere Menschen heute Nacht ihr Leben für uns gegeben haben. Mit aller Kraft schiebe ich diese Gedanken auch so weit weg wie möglich, wenn wir hier weg sind habe ich genug Zeit darüber nachzudenken.
Ich kann lediglich unser gleichmäßiges atmen hören, während wir wie vorher durch das Haus schleichen. Die Treppe knarzt ein wenig und bei jedem Geräusch bleiben wir vorsichtshalber stehen. Die Angst steigt mit jeder ruhigen Sekunde mehr in meinen Körper und greift nach mir. Alexa geht voraus und als wir ins Jaspers Zimmer hocken, hält sie für einen Moment inne. Wie es das Schicksal so will, strahlt der Mond genau auf eines unserer Gruppenfotos das auf Jaspers Nachttisch steht. Er hat Alexa im Arm die Lucy einen Arm umgelegt hat, der auch ich einen Arm umgeworfen habe. An dem Tag sind wir zusammen ein Wochenende campen gefahren und ich erinnere mich genau daran, wie beleidigt Alexa war weil sie die Autofahrt hinten sitzen musste.
Ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht, es verschwindet, als ich an Jaspers Körper unten in der Küche denke und mir wird automatisch schlecht. Das darf einfach nicht wahr sein.
Während Alexa in ihrem Rucksack herum sucht und versucht dabei möglichst leise zu sein, sehe ich mich weiter in Jas Zimmer um.
Ich kenne es auswendig, so wie ich ihn auswendig kenne. Er hat genau drei Bücher, ansonsten nur Filme in einem Regal stehen, die Bücher sind mehr Alibi als alles andere, weil Alexa wollte, dass er sie ließt. Wir haben uns nur die Zusammenfassungen im Internet durchgelesen, damit er sie beeindrucken konnte. Sein Kleiderschrank in dem mehr Klamotten von Alexa als von ihm selber sind, der große Spiegel. Sein Schreibtisch auf dem zwei Monitore stehen, weil wir meist hier oben zu zweit gesessen haben und über alles gesprochen haben während wir am zocken waren. Die Krücken die immer noch in der Zimmerecke stehen, falls Alexa sie mal wieder benötigt. All die Momente und Erinnerungen die wir uns in diesem Zimmer geschaffen haben stürzen mit einer Wucht auf mich ein, der ich nicht ausweichen kann.
Es wird sie nie wieder geben.
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What happend tonight
Misteri / Thriller"Hey Lucy, hör dir den Mist an. Jasper meint die Schulflure würden uns jetzt nicht mehr gehören," ruft sie hinter sich. Dann bleibt sie urplötzlich stehen, so dass ich beinahe in sie gelaufen wäre. Verschmitzt funkelt sie mich an. "Egal wo wir hin g...
