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Jayson
Jasper ist für mich immer unser Fels in der Brandung gewesen, er redet zwar nie viel aber wenn, dann sind es schwerwiegende meist sinnvolle Worte die zur Lösung jedes Problems beisteuern. Ich habe Jasper immer darum beneidet, dass er sich so voll und ganz der Beziehung zu Alexa hingeben kann, größtenteils vor allem deshalb, weil sie die meiste Zeit über das größte Arschloch ist. Als ich frisch in die Stadt gezogen bin, war ich froh darüber einfach so in einer Gruppe einen Platz zu finden. Jasper ist auf anhieb mein bester Freund geworden, auch wenn er das Reden meist mir überlässt, gibt es niemanden der seine Stelle einfach so einnehmen könnte.
Alexa ist von Anfang an für mich unberechenbar gewesen. Sie handelt aus ihren Launen heraus meist ohne darauf Rücksicht zu nehmen wie es anderen Menschen dabei geht. Die halbe Schule hält sie für eine toxische Zicke die eigentlich nur halb so taff ist wie sie immer vorgibt zu sein, aber das ist eine glatte Lüge. Alexa ist so taff wie sie sich gibt, meistens sogar noch mehr als man glaubt. Mit ihrer Leck-Mich-Am-Arsch-Einstellung hat sie meinen größten Respekt weil wirklich fast alles ihr einfach egal ist. Auch wenn sie absolut aufbrausend und arschig ist, hat sie irgendwo eine nette und liebe Seite. Ganz nach dem Motto weicher Kern harte Schale nur, dass ihre Schale extrem dick ist. Aber irgendwo in ihrem kalten Dasein ist Platz für uns Anderen drei.
Lucy glich vom ersten Moment an einem Engel. Mit ihren blonden Haaren und dem engelsgleichen Lächeln ist sie der absolute Gegenpol zu Alexa. Wenn man die Zwei einzeln betrachtet kann man kaum glauben, dass sie beste Freunde sind. Aber Alexa hat die herzliche Art von Lucy nötig. Lucy ist zierlich und klein und immer zuvorkommend und nett. Sie kann auch anders sein, die Art von Alexa übernehmen aber das ist nicht sie. Wenn es um ihre Freunde geht kennt sie wie jeder von uns keine Grenzen. Lucy ist das Herz unserer Gruppe.
Travis hat es geschafft, dass ich an alledem zweifle. Wir harmonieren schon immer so perfekt zusammen und ergänzen uns, aber er bringt in den wenigen Stunden hier mein gesamtes Weltbild zum wanken. Travis hat mit diesem Geständnis von Lucy eine Bombe in unserer Mitte platzen lassen und ich bin mir nicht sicher wie ich wirklich reagieren soll. Wenn sie es mir verraten hätte wäre ich wahrscheinlich auch für eine Abtreibung gewesen, aber die Tatsache, dass sie es Noah gesagt hat aber nicht mir dem Vater des Kindes macht mich traurig und wütend zu gleich. Vielleicht bin ich auch nur enttäuscht, aber ich kann das alles nicht zuordnen, zu viele Gedanken schweben in meinem Kopf wirr durcheinander.
An Travis Gesichtsausdruck kann ich erkennen, dass es ihm nicht gefällt, dass wir uns nicht streiten aber dazu sind wir gerade nicht einmal in der Lage.
Wir sind ausgelaugt und fertig, nicht nur körperlich. Auf gewisse Art und Weise haben wir gerade unsere engsten Vertrauten verloren und das nur weil wir nicht ehrlich zueinander sein können.
Jasper hat seine Freundin betrogen und mich auf eine Art und Weise auch weil es meine Schwester gewesen ist.
Alexa verschwindet an den Arsch der Welt, hat Lucy beim lügen geholfen und ist noch immer abhängig von Tabletten.
Lucy und ich haben unsere Affäre verheimlicht, Lucy hat das mit Noah verheimlicht, Lucy hat das Kind verheimlicht und wir haben ein Bild von ihrer besten Freundin online gestellt.
Ich habe dafür gesorgt, dass Alexas Vater sie beinahe tot geprügelt hätte.
Ein kleiner Teil von mir fängt an Travis zu glauben, dass er recht hat und wir wirklich keine guten Freunde sind, aber zu all diesen schlechten Dingen gibt es den Gegenpol.
Jasper hat mich monatelang bei sich wohnen lassen als meine Eltern gerade dabei waren sich zu scheiden.
Lucy hat Alexa's Vater mal eine Vase über den Kopf gezogen als dieser nicht ganz bei Sinnen war.
Alexa hat Lucy's Stiefschwester ordentlich blamiert damit sie Lucy in Ruhe lässt.
Ich habe Alexa das Autofahren beigebracht wobei sei meinen Wagen mies gegen einen Pfahl gesetzt hat.
Lucy hat Jaspers Englischklausur geschrieben weil er sonst sitzen geblieben wäre und dafür selber eine fünf kassiert.
Wir haben viel schlechtes getan aber auch so unendlich viel zusammen erlebt und gutes für die Anderen gemacht, dass ich nicht gänzlich den Glauben an uns verlieren kann.
Wieder zuckt ein ekelhaftes Piepen durch den Raum, Travis schnappt sich entnervt sein Tablett und verdreht dann die Augen, "die schon wieder."
Es müssen Bene und Timo sein, egal was er ihnen gesagt hat es ist aufgeflogen. Wir vier können nicht einfach verschwinden ohne, dass es jemandem auffällt.
In mir macht sich Erleichterung breit, bis ich den Revolver sehe den Travis sich schnappt.
"Diesmal mit Ton?"
Wild grinsend verschwindet er aus dem Tor und wir hören seine Schritte im Gebüsch durch das wieder aufgestellte Tablett. Es sind Bene und Timo, wobei Letzter in mein Auto leuchtet.
Travis taucht auf dem Bildschirm auf, die Waffe zumindest nicht in seiner Hand.
"Sorry, wir wollen nicht nerven oder so, aber sie ist meine Cousine und keiner hat sie auf der Party gesehen plus Jay würde nie ohne seinen Wagen verschwinden," erklärt Timo sichtlich angefressen.
Ein unwohles Gefühl macht sich in meinem Magen breit, ich will nicht, dass Travis ihnen was tut. Alexa neben mir jault vor Schmerz auf. Über ihr Handgelenk fließt Blut, die Kabelbinder haben tief in ihr Fleisch geschnitten, aber sie hört nicht auf. Immer wieder gibt sie ein Würgen von sich, weil sie den Anblick nicht ertragen kann.
"Alexa hör auf!" Jasper klingt besorgt, ihre Handgelenke machen mir mehr sorgen als der Schnitt auf ihrem Bein.
Durch zusammengebissene Zähne schüttelt sie den Kopf und drückt ein weiteres Mal mit ihrem Handgelenk dagegen. Ihr entfährt ein Jauchzen, aber im nächsten Moment starren wir alle auf ihr wundes, nicht mehr angebundenes Handgelenk.
Ein Schuss knallt. Unsere Blicke fliegen zum Tablett und sehen wie Timo in sich zusammen sackt, Alexa neben mir wird wuschig. Sie beugt sich zu ihrem anderen Handgelenk und beißt auf dem Kabelbinder herum, ich höre das ungesund klingende Knirschen ihrer Zähne zusammen mit dem Plastik, bevor sich auch diese Hand löst. Sie steht auf, hebt den Stuhl an und lässt so die Kabelbinder an ihren Beinen alleine hängen. Einen kurzen Moment verfallen wir alle in ungläubiges Starren. Dann ertönt ein zweiter Schuss und Travis ist nicht mehr auf dem Bildschirm zu sehen.
Alexa will zu seinem Messer greifen, aber ich schüttle den Kopf und bevor sie es sich anders überlegen kann, verschwindet sie durch die Werkstatt und wir hören das Fenster knarzen.
Dann wird es still und plötzlich sind wir nur noch zu dritt.
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What happend tonight
Mistério / Suspense"Hey Lucy, hör dir den Mist an. Jasper meint die Schulflure würden uns jetzt nicht mehr gehören," ruft sie hinter sich. Dann bleibt sie urplötzlich stehen, so dass ich beinahe in sie gelaufen wäre. Verschmitzt funkelt sie mich an. "Egal wo wir hin g...
