02:41
Lucy
Ich traue mich nicht meine Freunde oder das was von ihnen Übrig ist anzusehen. Die ganze Zeit über konnte ich mit meinem Gewissen vereinbaren, was ich getan habe und ihnen enthalten habe aber jetzt wo Travis mich dazu zwingen wird es ihnen zu sagen wird mir mulmig. Alexa ist ein wenig abgelenkt von Jaspers Aussage und starrt ihn mit undefinierbarem Blick an, tatsächlich glaube ich sie kann Jas verzeihen, auch wenn sie immer so tut als wäre sie der härteste Brocken Stein dieser Erde, Jas macht sie weich.
Travis lässt neben mir sein Genick knacken und danach seine Hände, er genießt es uns so zu quälen.
"Scheinbar sind deine Informationen falsch, von uns ist keiner schwanger," erläutert Jay dann.
Travis Grinsen wird so groß, dass ich mich beinahe übergeben muss.
"Lucy, ich denke deine Freunde erwarten eine Erklärung," gibt Travis mir gespielt zu bedenken.
Ich schließe die Augen und lasse den Kopf sinken, mir bewusst, dass sie mich anstarren.
Am liebsten würde ich meine Augen geschlossen lassen bis das hier alles vorbei ist und sie erst wieder öffnen, wenn ich in Jaspers Wohnzimmer sitze und alles einfach in Ordnung ist.
"Ich bin schwanger gewesen," bringe ich zitternd uns leise über meine Lippen.
Wenn ich nicht all meine Tränen aufgebraucht hätte, würde ich jetzt in Strömen heulen, aber früher oder später hätte ich es sowieso sagen müssen.
"Du hast das Kind verloren?" Ich hör die Hoffnung in Alexas Stimme, bin aber nicht mutig genug sie anzusehen.
Ich wünschte mir ich könnte ihr sagen, dass es so gewesen ist, weil ich weiß, dass sie mich dann nicht hassen würde, aber ich darf nicht lügen.
"Nein," heiser kommt das Wort über meine Lippen und ich bringe es über mich ihr ins Gesicht zu sehen.
Verachtung.
Alexa verachtet was ich getan habe.
Ich rufe mir meine Gedanken ins Gedächtnis, die mich dazu gebracht hatten abzutreiben.
Ich bin erst 18 Jahre alt, ich habe gerade erst die Schule beendet und wenn ich ein Kind bekomme dann möchte ich es in einem festen Umfeld mit guten Lebensbedingungen bekommen. Das Kind hätte kein schönes Leben gehabt. Ich zweifle nicht daran, dass ich es irgendwie geschafft hätte, aber ich konnte es einfach nicht.
"Du bist eine Mörderin," ihre Worte bohren sich tief in mein Herz als ich mir den Schatten auf dem Bild in unserer Mitte ansehe.
Ich habe mit ihrer Reaktion gerechnet, ich bin mir der Tatsache bewusst gewesen, dass meine Freunde anders zu dem Thema stehen als ich.
Mir wird schlecht desto länger ich auf das Bild starre, als mir tatsächlich wieder Tränen über die Wange fließen.
"Von wem war das Arme kleine Würmchen, dass du getötet hast?"
Travis bringt mich an den Rand meiner Kräfte, ich will es nicht sagen, aber ich muss.
"Jayson," entflieht mir zwischen zwei Schluchzern.
Er lässt seine Schultern nach vorne sacken und fixiert das Bild. Als er mich wieder ansieht haben sich auch in seinen Augen Tränen gesammelt und er schüttelt leicht den Kopf.
"Dazu hattest du kein Recht," erklärt er.
Ich wusste, dass ich Jay damit verletze und ich wusste, dass ich Alexa damit dazu bringe mich zu hassen, aber jetzt ihre Gesichtsausdrücke zu sehen und zu wissen, dass es wirklich so ist macht das ganze viel schlimmer als es in meiner Vorstellung immer gewesen ist.
Als Travis sein Handy zückt bin ich mir sicher zu wissen, was er jetzt abspielt.
"Hey Lucy," begrüßt Noah mich.
"Ich brauche deine Hilfe," meine Stimme ist panisch.
"Was ist los?" Er klingt besorgt und fürsorglich, das ist er auch gewesen.
"Ich bin schwanger," meine Kehle schnürt sich zu während ich dem Telefonat lausche, was ich als zweites nach dem Test gemacht habe.
"Von mir?"
"Es ist von Jay."
"Wobei soll ich dir helfen?"
"Ich lasse es weg machen."
"Weiß er es?"
"Es weiß keiner."
"Egal was du tust, ich bin bei dir."
Das Telefonat endet.
Noah ist bei mir geblieben, er hat meine Hand davor, währenddessen und danach gehalten. Er hat mich nicht eine Sekunde lang verurteilt, er ist lediglich ein guter Freund gewesen. Noah hat auch nie nachgefragt warum ich es keinem sage oder versucht mich umzustimmen, er war einfach da.
Jayson atmet angestrengt aus und ein.
"Du hast ihm von meinem Kind erzählt aber mir nicht?!"
Ihm ist egal was Alexa gesagt hat, Jayson ist sauer und er hat sogar jegliches Recht dazu.
Ich will es ihm erklären, aber keine Erklärung ist gut genug, um als Entschuldigung durchzugehen. Ich schweige.
Jay fließen weitere Tränen die Wangen herunter während er mich so wie Alexa verachtend ansieht.
Als ich die Entscheidung getroffen habe, wusste ich was ich anstelle. Ich wusste, dass es ein Leben ist über dessen Ende ich entscheide. Ich bin mir auch der Tatsache bewusst gewesen, dass ich den Rest meines Lebens daran denken werde was ich getan habe.
"Du hattest kein Recht es mir nicht zu sagen," Jaysons Stimme bricht.
Ein Zweifel keimt in mir auf, den ich nicht unterdrücken kann. Das zwischen Jay und mir ist nie etwas ernstes gewesen, ein Kind hätte es dazu gemacht und ihn dazu gezwungen sich auf eine Art und Weise mehr an mich zu binden. Ja, ich bin Hals über Kopf und maßlos in Jay verliebt, aber ich hätte ihn niemals auf diese Art und Weise an mich binden wollen. Mal ganz abgesehen davon, was das für eine Welle an Gesprächsthemen mit sich gezogen hätte, genauso unwahrscheinlich ist der Gedanke an mich und Jay zusammen mit einem Baby.
"Ich wollte dich nicht verlieren oder dich zu irgendwas zwingen," erkläre ich aufgelöst.
Seine dunklen Augen mustern mich trüb bevor er benommen nickt.
"Genau das hast du jetzt getan, du hast mich dazu gezwungen, dass du mich verlierst."
Wäre die Situation nicht so ernst, hätte Alexa sich wahrscheinlich über die Melodramatik in Jaysons Worten lustig gemacht oder über seinen plötzlichen Gefühlsausbruch, aber die Situation ist ernst und nicht einmal Alexa ist nach Witzen zumute.
Irgendwie fühle ich mich so, als hätte ich ein Verbrechen begangen, dabei habe ich einfach nur eine Entscheidung getroffen und gehofft, dass sie sie irgendwann wenn ich es ihnen erzähle verstehen.
DU LIEST GERADE
What happend tonight
Mystery / Thriller"Hey Lucy, hör dir den Mist an. Jasper meint die Schulflure würden uns jetzt nicht mehr gehören," ruft sie hinter sich. Dann bleibt sie urplötzlich stehen, so dass ich beinahe in sie gelaufen wäre. Verschmitzt funkelt sie mich an. "Egal wo wir hin g...
