05:21
Alexa
Zwischen meinen Anziehsachen spüre ich zu meiner Erleichterung kühles Metall, welches in hartes Plastik über geht. Ich ziehe den Schlüssel aus der Tasche und begutachte kurz das Toyota Zeichen welches in das Plastik imprägniert ist.
Timo hat mir den Schlüssel gegeben, weil er mich meist nach der Schule nach Hause gefahren hat und ich so im Auto auf ihn warten konnte, weil ich manchmal auch eine Stunde gewartet habe. Und weil er ständig seinen eigenen im Auto vergessen hat. Das komische Gefühl des Verlustes zieht wieder durch meinen Körper, aber ich schüttle es ab.
Ich drehe mich zu Lucy und Jay und zeige ihnen den Schlüssel, bevor ich ihn an Jay weiter gebe. Erst jetzt sehe ich das ganze Blut, welches an jedem von uns klebt. Lucy's sonst hellblonde Haare haben an einigen Stellen einen dunklen Ton angenommen, weil das Blut sich an die Strähnen geklebt hat.
Jaspers Blut.
Kurz starren wir uns alle einen Moment lang an, dann öffne ich Jaspers Zimmertür und luge heraus. Der Flur in dem Jasper vor ein paar Stunden noch auf mich gewartet hat während ich mich übergeben und wie ein Arschloch verhalten habe ist leer. So leise wie möglich arbeiten wir uns bis zu Treppe hervor, dann stecke ich meinen Kopf in Richtung Wohnzimmer und Haustür durch das Geländer, leer.
Jayson nimmt mir die Aufgabe ab das selbe auf der Seite der Küche zu tun und Jasper sehen zu müssen, denn er steckt kurzerhand seinen Kopf dorthin aus. Ganz langsam steigen wir die Treppe herab und beeilen uns dann an der Wand, unter den Fenstern wieder in die Hocke zu gehen.
Als ich das zweite Mal vor der Haustür hocke bin ich mir sicher, dass wir es schaffen. Lucy und Jay werden Hilfe holen. Lucy läuft voraus nachdem Jay ihr den Schlüssel zugesteckt hat und geht dann im Schatten des orangen Pick Up's in Deckung. Es ist alles ruhig, ich meine erkennen zu können, dass der Himmel langsam heller wird und es nur eine Frage der Zeit ist, bis Jaspers Eltern hier auftauchen.
Die ihren Sohn tot auffinden.
Jayson folgt Lucy und macht an den zwei Stufen die von der Veranda aus auf den Kies des Parkplatzes führen kurz halt, als er gerade unten angekommen ist und ich seine Gestalt nur noch durch die Stäbe des Zauns sehe wirft er sich plötzlich auf den Boden und verschwindet dann aus meinem Blickfeld. Da ich die Tür nur einen kleinen Spalt geöffnet gelassen habe sehe ich gerade noch wie Lucy unter das Auto kriecht und in seiner Dunkelheit verschwindet.
Dann nehme ich Schritte auf dem Kies wahr. Scheiße.
Ich sehe Travis Schatten bevor ich seinen Körper sehe, der sich aus dem Wald heraus nähert.
"Ich habe euch gehört," trällert er fröhlich mit der Waffe spielerisch in der Hand.
Das Grinsen auf seinem Gesicht ist so krank, sogar für die Verhältnisse des heutigen Abends krank für ihn. Beinahe so, als hätte ihm das Töten Spaß gemacht, als hätte er gefallen daran gefunden. Ich schiebe die Tür weiter zu, so dass ich nur noch bedingt alles sehen kann und höre dann, wie seine Schritte sich auf dem Kies mir und Jayson nähern. Wenn er nah genug ist, wird er Jay ohne Probleme sehen können, da er zu groß ist um weit unter die Veranda zu kriechen. Mit einer Hand fasse ich mir auf mein schnell pochendes Herz und versuche mich zu beruhigen weil ich Angst habe, dass er mich sonst noch hört. Gerade als ich meine seine Schritte sind so nah, dass ich er Jay quasi sehen muss, Blinkt etwas auf und gibt ein einladendes Piepsen von sich.
Lucy hat auf den Schlüssel von Timos Auto gedrückt und es somit aufgeschlossen. Ich höre Travis Drehung im Kies und öffne die Tür wieder, nur um zu sehen wie mit einem Arm unter das Auto greift und in der nächsten Sekunde Lucy an den Haaren zu sich zieht. Sie greift nach seiner Hand, windet sich und quietscht.
Wie bei Jasper friere ich ein. Mein Verstand weiß, dass ich einfach loslaufen und mich auf Travis werfen soll, aber mein Körper bewegt sich keinen Millimeter. Als hätte Jayson meine Gedanken gehört kommt er aus seinem Versteck und sprintet los. Er tackelt Travis und sie landen zusammen auf dem Boden, wobei Travis damit definitiv nicht gerechnet hat. Er lässt den Revolver fallen und versucht Jayson abzuschütteln. Lucy wirft einen Blick zu mir, dann bückt sie sich und hebt die Pistole auf. Ungläubig starre ich sie an und kann nur die Szene vor mir beobachten. Travis der ausholt und Jayson mitten ins Gesicht schlägt, Lucy die mit zitternder Hand die Waffe auf Travis richtet und dann mit unglaublich fester Stimme spricht.
"Runter von ihm!"
Travis Blick schwenkt zu ihr und ich sehe wie sein Rücken sich anspannt, während er sich erhebt und die Hände neben seinen Kopf hält.
Jay spuckt neben sich auf den Kies und versucht sich dann aufzurappeln, als mir bewusst wird, dass Travis uns kennt, er weiß, dass Lucy nicht schießen kann. Sie wird nicht abdrücken egal in welcher Situation sie steckt.
Als würde das Leben zurück in meinen Körper kehren bewege ich mich, ich laufe die Treppe herunter, auf die Drei zu und will mich gerade gegen Travis werfen, da ertönt ein lauter Knall und ein höllischer Schmerz zuckt durch meinen rechten Oberkörper. Ich falle nach hinten über, taumle gegen Jayson und wir landen zusammen auf dem Boden. Ich bleibe regungslos liegen, starre in den Himmel über mir und höre das Blut in meinen Ohren rauschen. Warmes Blut fließt über meine Schulter, fast schon angenehm wenn ich es nicht besser wissen würde. Travis schiebt sich in mein Sichtfeld und zielt mit dem Revolver auf mich. Ich gebe ihm nicht die Genugtuung die Augen zu schließen. Er soll sehen, dass ich ihn dabei sehe während er abdrückt. Als ich sehe wie sein Finger zuckt, aber nichts passiert, denke ich fast ich träume. Die Blase in der ich festhänge platzt, als Jay sich neben und halb unter mir ruckartig bewegt und Travis dann auf dem Boden landet.
Er hat keine Patronen mehr.
Irgendwo her bekomme ich einen Adrenalinschub und werfe mich auf Travis, bevor ich wie er vorhin bei Jasper meinen Arm um seine Kehle lege und mit dem Anderen stabilisiere. Lucy steht regungslos auf dem Platz, während Jayson sich die rechte Schulter hält und auf dem Boden hin und her windet.
Jedes blinzeln wird länger und desto mehr Travis sich bewegt, desto schwächer werde ich.
"LAUF!"
Meine Stimme ist laut, lauter als ich erwartet hatte, als ich Lucy ansehe und meinen Griff noch einmal festige. Meine Gedanken und mein Kopf drehen sich, plötzlich ist der Himmel unten und Lucy steht über Kopf, ich zwinge mich dazu bei klarem Verstand zu bleiben. Drücke noch einmal zu.
"VERSCHWINDE!"
Ich erkenne Jay, wie er an Lucy zieht. Sie steigen im Auto ein. Plötzlich fehlt mir die Luft zum atmen, ich spüre wie meine Augen sich verdrehen. Das Gewicht von Travis auf meinem Körper lässt nach. Ich sehe ihn über mir stehen. Jemand hustet, oder bin ich das? Ich versuche wach zu bleiben, als ich die Lichter sehe, schaffe es aber nicht.
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What happend tonight
Mistero / Thriller"Hey Lucy, hör dir den Mist an. Jasper meint die Schulflure würden uns jetzt nicht mehr gehören," ruft sie hinter sich. Dann bleibt sie urplötzlich stehen, so dass ich beinahe in sie gelaufen wäre. Verschmitzt funkelt sie mich an. "Egal wo wir hin g...
