15. Der Tag, an dem die Welt explodierte

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Manons Zähne blitzen im hellen Licht der Sonne gefährlich auf, als sie Amren angrinste. Oder als sie die Zähne fletschte. So genau konnte ich das noch nicht unterscheiden.
Zuerst standen sie bloß da, fixierten sich, maßen sich mit Blicken. Um sie herum herrschte Stille, tiefe Stille. Jeder starrte sie an, niemand wagte zu atmen. Aber sie schienen aus Stein gehauen, unbeweglich. Das Grinsen erlosch aus ihren Gesichtern, wich hoher Konzentration.
Ich runzelte die Stirn, als sie sich noch immer nicht bewegten.
Gerade wollte ich mich zu Azriel drehen, als der Sturm losbrach. Ich konnte nicht sagen, wer sich zuerst bewegte, aber ich binnen einer halben Sekunde waren beide aufeinander losgestürmt.
Sie zerbrachen die Stille wie Glas, Aelin sprang auf und jubelte Manon lautstark zu, während Cassian sich ihr gegenüber aufbaute und Amren anfeuerte, die selbst in der Hitze des Kampfes ein Augenrollen für ihn übrig hatte.
Krallen blitzen auf, Amrens kurze Haare stoben in alle Richtungen, Manons langer Zopf wehte wie eine Fahne hinter ihr.
Sie kämpften mit allem, was sie hatten, Fingern, Zähnen, Füßen. Es war kein Tanz wie bei Fenrys und Azriel, das hier war brutal. Manon und Amren schienen nicht um den Sieg, sondern um ihr Überleben zu kämpfen. Mit gerunzelter Stirn sah Rhysand ihnen zu, Feyre warf einen besorgten Blick zur Stadt.
Die beiden Frauen prallten gegen das Seil, das das Ende des Rings beschloss. Kurz striff Manon das Seil mit einer ihrer Krallen und sie rollten auf den unbegrenzten Boden. Rowan wich zurück und stellte sich unauffällig neben Aelin, die ihn mit einer ungeduldigen Handbewegung zur Seite schob. Manon sprang auf die Füße, langsamer als Amren, die sie immer weiter zurück drängte. Geistesgegenwärtig nahm Mor Hasar zur Seite und machte Amren den Weg frei, um Manon in Richtung der Stadt zu drängen. Rhysand breitete seine Flügel aus und wollte sich ihnen in den Weg stellen, aber in diesem Moment fing sich Manon wieder und tauchte unter dem schnellen Arm der kleineren Frau hindurch, trat ihr in die Kniekehle und wollte sie zu Boden bringen, aber Amren ließ sich nach vorn abrollen und stand schneller auf den Füßen, als Manon reagieren konnte.
Sie gab der Hexe einen kräftigen Schlag in den Bauch und setzte einen Tritt, der auf ihre Nase zielte, hinterher, aber Manon stand Amren in nichts nach. Sie duckte sich unter ihrem Tritt weg und parierte den nächsten Hieb gekonnt. Wie ein Schemen sprang sie um Armen herum, legte die Arme um den Hals der High Fae und wollte sie bewegungsunfähig machen. Amren drehte sich mit Manon, riss ihr Knie nach oben und drückte es der Hexe in den Bauch, sprang mit dem anderen Bein ab und schlang es um Manons Hals, drückte sie durch ihr Gewicht nach unten. Kurz röchelte die Hexe, aber dann wurde Amrens Gewicht ihr doch zum Nachteil. Manon warf sie um und wollte sich auf ihren Rücken setzten, drückte ihre Hände nach unten und war dabei, ihr die Beine einzuklemmen. Aelin jubelte schon auf, Cassian schien auf ein Wunder zu hoffen und Rhysand breitete seine Flügel wieder ein.
Plötzlich sah Manon auf. Ich folgte ihrem Blick und sah, wie Dorian langsam zu uns lief, ein Buch unter dem Arm, die blauen Augen blickten neugierig zu Manon und Amren.
Amren nutze den kurzen Moment der Unaufmerksamkeit aus, schubste Manon von sich und legte ihr Knie auf den Hals der Hexe.
Leise zählte Azriel hinter mir bis drei. Als er bei der letzten Zahl angekommen war, stieß Cassian einen Jubelschrei aus.
Amren nahm ihr Knie von Manon und neigte den Kopf vor der Hexe, die sich fluchend den Sand von der Hose klopfte.
,,Zwei zu Null für den Inneren Kreis!", meinte Rysand genüsslich, aber Aelin schnaubte bloß.
Beruhigend strich Rowan ihr über den Rücken, ein leichtes Grinsen im Gesicht.
,,Weshalb bist du so gut gelaunt? Es ist auch dein Hof, der verliert.", schnappte sie nach ihm. Rowan lachte bloß.
,,Nach den Jahrhunderten, die ich schon lebe, weiß ich, dass so etwas vollkommen bedeutungslos ist, Feuerherz."
,,Hah, das sagt er nur, weil ihr verloren habt!", warf Mor lachend ein.
Herausfordernd sah Hasar sie an.
,,Wenn du möchtest, beweise ich dir hier und jetzt, dass ich Aelins Ehre verteidigen kann." Mor grinste und zog eine Augenbraue nach oben.
,,Das denkst du tatsächlich?"
Yrene stöhnte laut auf.
,,Schluss mit denn Kämpfen für heute, sonst muss ich garantiert jemanden verarzten! Außerdem hatte ich noch kein Frühstück." Wie zur Bestätigung begann ihr Magen laut zu knurren.
Schnell schüttelte sie den Kopf. ,,Das war nicht mein Magen."
,,Nein, es war meiner.", sagte Feyre und ignorierte den schnellen Blick, den Rhysand ihr zuwarf, besorgt um sie und das Kind. Rowan grinste bloß, als er den Blick sah, aber Aelin stieß ihm ihren Ellenbogen in die Seite.
,,Du bist genauso schlimm wie er."
Feyre nickte und verdrehte die Augen.
,,Hier sagen wir Illyrianische Babys."
,,Ja? Bei uns heißen sie besitzergreifende Fae Bastarde.", meinte Aelin lächelnd.
Rhysands Augen vergrößerten sich, als Feyre begann zu lachen. Cassian schüttelte bloß den Kopf, als Mor interessiert nickte.
,,Ich glaube, das werden wir hier auch einführen."

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