24. Dezember

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Ich wachte langsam auf und starte an eine weiße Decke. Ich schaute vorsichtig nach links und rechts und erkannte ein Krankenhauszimmer. Schmerzen hatte ich nicht mehr. Wahrscheinlich hatte man mich mit Schmerzmitteln vollgedröhnt. Plötzlich öffnete sich die Tür und eine Ärztin kam hinein. „Ah, du bist wach. Schön.", sagte sie freundlich und trat an mein Bett. „Hast du noch Schmerzen?" „Nein, mir geht es gut." „Na, das glaube ich nicht. Als du hier ankamst, hatten wir schon Angst, du könntest sterben. Was ist denn überhaupt passiert?" „Ich weiß es auch nicht wirklich.", antwortete ich mit matter Stimme. Die Ärztin sah mich besorgt an: „Okay. Ein Polizist ist da und möchte dich sprechen. Denkst du, ich kann ihn herein beten?" Ich nickte und sie verließ das Zimmer. Kurz darauf kam ein Polizist und setzte sich an mein Bett. „Hallo Kira! Wie geht es dir?" „Ganz okay", antwortete ich. „Was ist passiert? Wer hat dir das angetan?" Im Kopf ging ich das ganze Geschehen in der Vergangenheit noch einmal durch. Bei dem Gedanken an meine Eltern flossen mir Tränen übers Gesicht. Der Polizist schaute mich mitfühlend an: „Alles ist gut. Du bist hier in Sicherheit." In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen. Hailey stand im Türrahmen. „Kira!", rief sie und kam zu meinem Bett. „Hey, du brauchst nicht weinen. Alles ist gut! Ich bin da.", sagte sie tröstend und nahm mich in den Arm. „Entschuldigung, ich wollte sie eigentlich gerade befragen.", sagte der Polizist sachlich. Hailey sah ihn ungläubig an: „Aber doch nicht jetzt! Sehen sie sich das Mädchen doch einmal an! Sie steht unter Schock." „Ehm ja, da haben sie natürlich recht. Sind sie eine Betreuerin aus dem Heim?" „Ja, bin ich." „Nagut. Dann werde ich wann anders wieder kommen." Hailey nickte dankbar und der Polizist verließ das Zimmer. Hailey hielt mich immer noch im Arm. „Wo ist Feli? Geht es ihr gut?", fragte ich zwischen zwei Schluchzern. „Ihr geht es besser." „Wie spät ist es?" Hailey schaute auf ihre Armbanduhr: „fast sieben Uhr morgens. Gestern Abend gegen neun Uhr wurdest du im Krankenhaus eingeliefert und sofort Operiert. Du hast zu diesem Zeitpunkt schon viel Blut verloren. Du hast am Arm eine Schusswunde und dein Knöchel ist gebrochen. Am ganzen Körper hast du Schürfwunden und Hämatome. Was hast du angestellt?" Ich erzählte ihr die ganze Geschichte und Hailey sah mich ungläubig an. „Glaubst du mir?" „Natürlich! Warum solltest du mich denn anlügen?" „Wo ist Mrs. Malwin überhaupt?" „Sie ist im Heim geblieben, wollte aber heute noch einmal vorbeikommen. Ich muss gleich noch mal nach Felia schauen. Ich habe ihr versprochen bescheid zu sagen, wenn du wach bist. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie viele Sorgen sich gemacht hat!" „Kannst du nicht die Ärzte fragen, ob Felia zu mir kommen darf? Oder ich zu ihr!" Hailey sah mich belustigt an: „Du gehst ganz sicher nirgendwo hin! Du kannst eh nicht laufen und die Ärztin hat mir gesagt, dass du Bettruhe benötigst. Aber vielleicht darf Felia hier her kommen. Ich frag mal" Damit verließ sie das Zimmer und ich war allein. Ich freute mich bei dem Gedanken Felia wieder zu sehen. Nach ein paar Minuten kam Hailey wieder rein. Hinter ihr stand Felia! „Kira! Ich habe mir solche Sorgen gemacht! Mach so etwas nie wieder! Hörst du, nie wieder!"

Ich lächelte sie nur schwach an und Felia kam an mein Bett. Sie umarmte mich vorsichtig. Ihr Unterarm war noch in einen dicken Verband gewickelt. „Feli! Ich freue mich dich zu sehen! Wie geht es deinem Arm?" „Schon viel besser! Die Ärzte haben gesagt, dass ich zu Weihnachten wieder ins Heim darf. Ich muss dann nur hin und wieder zur Kontrolle kommen." Felia setzte sich im Schneidersitz ans Fußende meines Bettes. „Super! Ich muss wohl noch etwas länger hier bleiben." „Oh, stimmt. In sechs Tagen ist Weihnachten und ich glaube nicht, dass du bis dahin hier raus bist." Wir schauten uns traurig an. Dann durchbrach Hailey das Schweigen: „Vielleicht darfst du ja nur für die Bescherung ins Heim. Ansonsten feiern wir einfach im Krankenhaus." Ich lächelte sie müde an. Nach einer Stunde öffnete die Ärztin die Tür. „Kira, ich möchte mir noch einmal deinen Fuß ansehen. Felia, gehst du bitte zum Verband wechseln? Dr. Lange wartet schon auf dich." Felia sprang vom Bett und ging aus dem Zimmer. „So, ich möchte nur schauen, ob dein Fuß abgeschwollen ist. Dann machen wir noch einen neuen Gips."

Nachdem die Ärztin fertig war, musste Hailey gehen. Am Nachmittag kam noch Mrs. Malwin kurz vorbei um nach mir und Felia zu schauen. Den restlichen Tag saß Felia bei mir im Zimmer. Die Ärzte hatten mir strengstens verboten, aufzustehen. Um ehrlich zu sein war ich eh noch nicht in der Lage. Ich saß also den ganzen Tag auf ein Kissen gestützt im Bett. So ging es jeden Tag. Nach vielleicht vier Tagen bekam ich einen Rollstuhl. Krücken waren keine Option, wegen der Wunde an meinem Arm. Auch den Rollstuhl konnte ich nicht selber anschieben. Aber dafür konnte ich jetzt mit Haley und Felia, oder mit Felia allein, das Krankenhausgelände erkunden und war nicht mehr ans Bett gefesselt. Die Idee, das ich an Heiligabend ins Heim gehe, fanden die Ärzte nicht gut. So musste ich zusehen, wie Felia Morgens, am 24. Dezember, entlassen wurde. Den restlichen Tag war ich allein. Felia konnte nicht allein ins Krankenhaus kommen und alle Betreuer waren zu beschäftigt.

Es war 17 Uhr. Die Bescherung im Heim hatte begonnen. Ich lag allein in meinem Bett und malte Lustlos auf einem Stück Papier herum. Eine Krankenschwester kam herein und stellte mir ein Schokoweihnachtsmann hin. „Magst du nicht in die Eingangshalle kommen? Alle sind da und wir feiern ein wenig Weihnachten." Ich schüttelte den Kopf. Ich wollte mit Felia und Haley und allen anderen aus dem Heim Weihnachten feiern. Die Krankenschwester ging Schulterzuckend aus dem Zimmer und ich kritzelte weiter.

Ca. eine Stunde später klopfte es an der Tür. Es waren Mrs. Malwin, Haley und Felia. „Frohe Weihnachten!", sagte diese und die drei kamen auf mich zu. Haley und Mrs. Malwin setzten sich auf zwei Stühle. Felia nahm ihren gewohnten Platz an meinem Fußende ein. „Ich freue mich ja so, dass ihr gekommen seid!", sagte ich und strahlte alle an. „Hier, das haben wir dir mitgebracht.", lachte Haley und übergab mir ein Geschenk. Ich packte es aus. Darin war ein Rucksack, den ich mir schon lange gewünscht habe. „Danke!", sagte ich überglücklich.



Frohe Weihnachten euch allen! Ich hoffe ihr habt einen Wunderschönen Tag mit euren Liebsten! 

Das wars nun auch mit der Geschichte. Ich hoffe sie hat euch genauso viel Freude bereitet wie mir. Ich bin etwas erstaunt, dass ich wirklich jeden Tag hochgeladen habe und es nie vergaß. Es hat mir aber immer Spaß gemacht, an der Geschichte weiter zu arbeiten.    

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