Kapitel 3 - Schatten der Erinnerung

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Die haben echt Nerven. Gleich am ersten Tag das neue Mädchen anbaggern.

Aber ganz ehrlich? Nicht mein Problem.
Sollen sie doch machen, was sie wollen - ich hab keine Lust auf Stress wegen einem Mädchen, das ich nicht mal kenne.

Ich höre, wie sie ihr hinterherpfeifen.
„Hey Süße, wohin so eilig?"
„Sollen wir dir das Schulgelände zeigen, Prinzessin?"
Idioten. Wirklich.

Ich ignoriere das Gequatsche und gehe zur nächsten Stunde. Als ich den Raum betrete, gehe ich wie immer zum Platz ganz hinten - und bleibe abrupt stehen.

Da sitzt sie.
Sie.

Das darf doch nicht wahr sein! Wenn sie jetzt immer hier sitzt, kann ich mein Notebook vergessen - zumindest, wenn ich nicht will, dass sie sieht, was ich mache. Hinten sitzt sonst niemand. Nie. Nur ich.

Genervt lasse ich mich neben ihr auf den Stuhl fallen, richte den Blick stur nach vorn. Im Augenwinkel sehe ich, dass sie mich wieder anstarrt. Oh Mann.

„Was ist?" frage ich, ohne sie anzusehen. Genervt.
Sie wird rot, schüttelt nur den Kopf. Kein Wort. Was ist bloß los mit ihr?

Ich lehne mich zurück und versuche, dem Lehrer zu folgen. Gar nicht so leicht, wenn man spürt, wie man angestarrt wird, als wäre man ein seltenes Insekt. Irgendwann halte ich es nicht mehr aus. Ich richte mich wieder auf, reibe mir frustriert übers Gesicht und drehe mich direkt zu ihr.

„Was ist?? Weißt du nicht, dass es unhöflich ist, jemanden so anzustarren?!"

„Es tut mir leid ... das wollte ich nicht", sagt sie leise. Schüchtern.
„Was willst du?" frage ich, immer noch genervt.
Sie schaut auf den Tisch, dann wieder kurz zu mir, während ihre Finger nervös an der Tischkante spielen.

Ich hasse es, wenn Leute nicht auf den Punkt kommen. Aber bei ihr ... sieht das irgendwie süß aus.
Verdammt.

Ich stütze den Ellbogen auf dem Tisch ab, lege den Kopf zur Seite und warte. Ungeduldig.

„Ich heiße Alisa ... und ... wollte fragen, ob wir uns vielleicht kennen? Ich meine ... du kommst mir so bekannt vor."

Ich runzle die Stirn. Schau sie an.
„Ich bin Jake. Und ... nicht dass ich wüsste. Woher sollten wir uns denn kennen?"

Sie sieht mich mit großen Augen an, zuckt dann mit den Schultern und wendet sich wieder dem Lehrer zu. Kein Wort mehr.

Mein Kopf arbeitet. Irgendwoher soll sie mich kennen? Wie soll das bitte sein? Ich wüsste es. Oder ...?

Den Rest der Stunde sagen wir kein Wort. Sie schreibt mit, meldet sich hin und wieder. Ich sitze da, starre vor mich hin - und bin froh, als die Stunde endlich vorbei ist.

Die Tage vergehen. Wir sehen uns jeden Unterricht. Und sie? Sie setzt sich jedes Mal wieder neben mich. In die letzte Reihe. In meine Ecke. Und es nervt mich. Und gleichzeitig ... auch nicht. Keine Ahnung, was mich mehr ärgert: Dass sie sich neben mich setzt - oder dass ich es nicht mehr ganz so schlimm finde.

Ich gehe ihr sonst aus dem Weg. Bis heute.

Ich gehe noch kurz auf die Toilette und mache mich dann auf den Weg zum Parkplatz. Niemand mehr da. Gut so. Ich hasse es, noch Smalltalk führen zu müssen. Ich will nur noch nach Hause.

Als ich um die Ecke biege, höre ich Stimmen. Erst denke ich mir nichts dabei, aber als ich die Szene vor mir sehe, bleibe ich abrupt stehen.

Ein Typ drängt ein Mädchen gegen die Wand.
Alisa.

Sie versucht, ihn wegzuschieben, aber er hält ihr Handgelenk fest.
„Lass mich in Ruhe! Was willst du von mir?" - Tränen stehen ihr in den Augen.
„Stell dich nicht so an, Prinzessin ... du weißt genau, was ich will", knurrt er und drückt sein Bein zwischen ihre, damit sie nicht wegkann.

Mein Blick verfinstert sich. Ich balle die Fäuste.
So ein verdammter Wichser ...

Sie sieht mich. Ihre Augen treffen meine. Flehend.
Ich gehe auf ihn zu, packe seinen Arm - fest genug, dass er sie loslässt.

„Lass sie in Ruhe, du hormongesteuertes Arschloch!"

Er fährt zu mir herum. „Was willst du denn, Freak?! Kümmere dich um deinen eigenen Kram!"

Ich drücke seinen Arm noch fester. Meine Stimme ist ruhig, aber messerscharf.
„Ich schwör dir, wenn du sie noch einmal anfasst, brech ich dir den Arm."

Er reißt sich los und haut ab. Beim Weglaufen höre ich ihn murmeln:
„Mit so einem Psycho wie dir leg ich mich nicht an ..."

Ich grinse kalt.

Doch plötzlich spüre ich etwas an meinem Rücken.
Alisa. Sie hat ihr Gesicht an mich gedrückt.
Sie weint.

„Bist du okay?" frage ich leise.
Sie nickt. Keine Worte. Nur stumme Tränen.
Ich schaue wieder nach vorn, spüre die Hitze in meinem Gesicht.
Warum werd ich auf einmal rot?

„Kommst du allein zurecht?" frage ich.
Sie wischt sich die Tränen weg, nickt leicht und flüstert:
„Ja. Danke, Jake ..."

Ich merke, dass sie noch etwas sagen will. Bevor ich fragen kann, spricht sie weiter:
„Ich weiß, woher ich dich kenne."

Ich drehe mich zu ihr. Skeptisch.
„Was?!"

„Ich weiß, woher ich dich kenne, Jake ... und wer du bist."

Danger and Love (Überarbeitet)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt