Kapitel 10 - Schatten der Vergangenheit, Funken der Nähe

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Ich gehe zur Tür und schaue durch den Spion.
Da steht er.

Jakob.

Wie ein Geist aus alten Zeiten – nur größer, breiter, irgendwie… reifer.
Aber die Frisur, der Hoodie, der schelmische Blick: alles beim Alten.

Ich zögere kurz, atme tief durch, dann öffne ich.

„Hey Kumpel.“
Sein Grinsen ist wie früher – breit, selbstsicher, herzlich.

Doch bevor ich etwas erwidern kann, ertönt plötzlich ein Kreischen hinter mir:
„JAKOB!!!“

Alisa prescht an mir vorbei wie ein Wirbelwind, rammt mich fast in den Türrahmen und springt ihm förmlich in die Arme.
Er taumelt leicht, lässt seine Tasche fallen, lacht und umarmt sie kräftig.
„Hey, kleines. Stürmisch wie eh und je.“

Ich bleibe verdattert im Türrahmen stehen und kratze mich am Hinterkopf.
So also fühlt es sich an, wenn man zur Nebenrolle im eigenen Leben wird.

Ich hebe seine Tasche auf, trage sie ins Wohnzimmer, setze mich in meinen Stuhl.
„Wollt ihr euch jetzt die nächsten zwei Stunden weiter umarmen, oder...?“
Ich verdrehe die Augen.

Jakob grinst. „Sei nicht so mürrisch, Jake. So begrüßt man also seinen besten Freund nach all den Jahren?“
Ich seufze.
„Oh entschuldige, edler Herr. Darf ich dir einen Tee reichen? Ein paar Kekse vielleicht?“

Er bricht in schallendes Lachen aus. „Ja bitte.“
Ich kann nicht anders – ich muss ebenfalls grinsen.

Alisa sieht verwirrt zwischen uns hin und her, setzt sich dann neben Jakob aufs Sofa.
Ich beobachte die beiden.
Wie sie reden. Lächeln. Wie Alisa ihn anhimmelt, als hätte sie ihren großen Bruder nach Jahren wiedergefunden.

Ich sollte mich freuen.
Aber da ist etwas in mir.
Etwas, das sticht.
Eifersucht?

Ich wende mich meinen Bildschirmen zu, tue so, als wäre das alles ganz egal.
Als Jakob plötzlich neben mir steht, die Arme verschränkt, sein Blick auf meinen Laptop gerichtet:
„Na, wurdest du immer noch nicht entdeckt?“

Ich zucke zusammen. „Du weißt doch, ich bin gut.“

„Erklärst du mir jetzt endlich, was hier eigentlich los ist?“
Alisa dreht sich zu uns, ihr Blick fragend, besorgt.

Na toll.
Jetzt darf ich erzählen.

„Also … es fing an, als sie zum ersten Mal zur Schule kam. Drei Typen haben sie sofort angebaggert. Hinterhergepfiffen.
Nach Schulschluss hat einer sie abgepasst, bedrängt, wollte sie… anfassen.“
Jakobs Gesicht wird schlagartig finster.
Ich rede schnell weiter:
„Ich kam gerade noch rechtzeitig. Hab ihm fast den Arm gebrochen. Dann ist er abgehauen. Aber… ich hab sie danach einfach stehen lassen.“

Alisas Blick senkt sich.
Jakob zischt: „Du hast was?!“
„Ich weiß, ich weiß… Ich bereue es. Wirklich.“

Ich erzähle vom nächsten Tag. Von der Konfrontation im Schulgebäude. Vom Kampf. Vom Würgen. Von meiner… Eskalation.
Jakob läuft im Wohnzimmer auf und ab wie ein Löwe im Käfig. Dann bleibt er stehen.

„Und keiner von euch konnte mich informieren?!“
Sein Ton ist streng.
Ich fühle mich wie ein Teenie, der gerade Ärger vom großen Bruder bekommt.

Alisa springt auf, Tränen in den Augen.
„Meinst du, das hätte etwas gebracht? Ich war froh, dass Jake da war! Er hätte auch einfach wegsehen können… aber er hat mich gerettet.“

Jakob seufzt, schließt sie in die Arme.
Ich sage nichts.

Die Stimmung wird ruhiger.
Nachdenklich.

Jakob wendet sich mir wieder zu.
„Und wie geht’s dir, Jake? Nach deiner Attacke?“
Ich zucke mit den Schultern.
„Besser.“
Alisa schaut mich prüfend an.

„Alisa, soll ich dich nach Hause bringen?“, frage ich, einfach um dem Moment zu entfliehen.

Doch ihre Antwort überrascht mich.
„Darf ich… bei euch bleiben?“

Jakob beginnt zu lachen.
Lehnt sich zurück.
„Ja, Jake – darf sie?“
Sein Grinsen ist frech, fast provokant.

Ich sehe erst ihn an, dann sie.
Zögerlich.
Verwirrt.
Und dann nicke ich.

„Ja… klar.“

Danger and Love (Überarbeitet)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt