Kapitel 7 - Schatten der Vergangenheit

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Mitten in der Nacht schrecke ich schweißgebadet auf.
Ich brauche einen Moment, um zu realisieren, dass ich zu Hause bin. Nicht im Heim. Nicht bei Nicolai. Kein Schrei. Kein Schlag. Nur Stille.

Diese verdammten Albträume.

Ich richte mich auf und versuche, mich zu erinnern – die Bilder verschwimmen. Nur eins bleibt klar: Der Tod meiner Mutter, mein Adoptivvater, seine Fäuste, seine Kälte. Ich kann sie wieder spüren. Jede verdammte Berührung.

Ich lasse mich rücklings aufs Bett fallen, schließe die Augen, lege den Arm über mein Gesicht. Atme tief ein … aus … versuche, die Gedanken zu verbannen.

Wie immer klappt es irgendwann – und ich schlafe wieder ein.

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Als der Wecker klingelt, bin ich längst wach.

Ich greife zum Handy, checke Mails. Nichts Spannendes.
Dann stehe ich auf, ziehe mich an, packe meine Tasche und gehe in die Küche.

Während der Kaffee läuft, klicke ich mich durch mein System. Alles ruhig – keine Auffälligkeiten über Nacht. Ich öffne nochmal die Datei über Alisa. Jakob hatte recht. Alles passt.

Ich erinnere mich an sie.
Damals im Heim.
Ich hab zwar jeden weggestoßen – aber sie … sie war anders.
Zart. Leise. Aber sie hat es trotzdem immer wieder versucht.

Ich schüttele den Kopf. Vergangenheit. Nichts als verdammte Vergangenheit.

Tasche. Schlüssel. Jacke. Auto.

Wie jeden Tag parke ich weiter weg. Ich brauche den Weg zur Schule. Brauche den Wind, der mich wachrüttelt.

Am Schulgebäude sehe ich sie – von Weitem.
Und den Idioten von gestern, der mir einen Blick zuwirft, als wollte er mich lebendig häuten.

Ich ignoriere ihn, gehe in den Klassenraum. Alisa sitzt schon da.

„Guten Morgen, Jake“, sagt sie leise.

„Morgen“, antworte ich und sehe sie nicht an.

„Du, sag mal ...“

Ich drehe mich zu ihr und falle ihr ins Wort.
„Lass es. Nicht jetzt. Ich will darüber nicht reden.“

Sie nickt nur und kramt in ihrer Tasche.
Ich frage mich, wie es ihr wirklich geht. Ob sie das nur überspielt.

„Wie geht’s dir nach gestern?“, frage ich und werfe dem Typen vor mir einen finsteren Blick zu.

„Ähm … halb so wild. Du kamst ja rechtzeitig. Danke nochmal.“

Ich sehe sie an – sage nichts – und drehe mich wieder nach vorn, als der Lehrer hereinkommt.

Den Rest der Stunde hänge ich in meinem Stuhl, beobachte sie heimlich.
Sie versucht, sich zu konzentrieren. Krampfig.
Ab und zu schaut sie zu mir rüber – wird rot – dreht sich wieder weg.

Verdammt, sie ist süß.
Viel zu süß.

Reiß dich zusammen, Jake. Du sollst sie nur beschützen – nicht anhimmeln wie ein Teenie.

Plötzlich klingelt die Schulglocke.
Sie packt ihre Sachen und will aufstehen.

Ohne nachzudenken, greife ich nach ihrem Arm.
Sie zuckt erschrocken zusammen, schaut mich mit großen Augen an – Wangen rot wie Feuer. Ich nicke in Richtung der Typen – und sage nichts.

Sie setzt sich wieder. Wartet, bis sie weg sind.

Ich lasse ihren Arm los, stehe auf, will gerade gehen – da läuft sie mir hinterher.

Ich sehe sie verwirrt an. Sie lächelt nur.

Der restliche Tag verläuft ruhig. Keine Zwischenfälle. Keine Provokationen. Fast schon verdächtig ruhig.

Dann, zur letzten Stunde – stehen zwei der Idioten plötzlich vor uns.

„Na, ihr zwei Turteltauben – wohin so eilig?“, grinst einer.

Ich trete einen Schritt vor Alisa.
„Verzieht euch“, knurre ich.

Er packt mich am Kragen, rammt mich gegen die Wand.
Alisa schreckt zurück – will zu mir – da hält der andere sie fest.

„Du gehörst mir, Prinzessin. Mach den Freak fertig!“

Ich richte mich auf, spucke Blut.
Grinse.

„Lass sie in Ruhe. So behandelt man also ’ne Prinzessin, was?“

Er schlägt zu.
Ich fange seine Faust ab, greife ihn am Gesicht und drücke ihn mit dem Hinterkopf gegen die Wand.

„Was jetzt? Fühlst dich nicht mehr so stark, was?!“

Mit dem Knie verpasse ich ihm einen Treffer in den Bauch – er geht zu Boden.

„Ich hab dir gestern schon gesagt, du sollst sie in Ruhe lassen.“

Ich gehe auf ihn zu, mein Blick so kalt wie früher … bei Nicolai.

„Okay, okay! Hier, nimm deine Freundin!“, stammelt er, schubst Alisa zu mir und haut ab.

Ich will mich dem anderen zuwenden, ihm auch noch eine verpassen –
Doch Alisa hält mich zurück. Ihre Hand an meinem Arm. Zitternd.
Ihre Augen suchen meine.

Und ich … ich sehe sie an –
und weiß: Das hier ist kein Spiel mehr.

Danger and Love (Überarbeitet)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt