Meine Eltern waren Alkoholiker.
Nicht die Art von Menschen, die dich anschreien oder schlagen. Sie haben mich nie schlecht behandelt, im Gegenteil – ich habe sie geliebt. Doch weil sie getrunken haben, schaltete sich das Jugendamt ein. Eine Nachbarin hatte etwas gemeldet, und von da an veränderte sich alles.
Ich wurde von ihnen getrennt. Einfach so.
Man brachte mich ins Heim. Für eine Weile.
Und ich vermisste sie schrecklich.
Ich wartete. Tage, Wochen, Monate. Doch sie kamen nicht.
Vielleicht … wollten sie nicht kämpfen. Vielleicht konnten sie nicht. Vielleicht war ich nicht genug. Ich weiß es bis heute nicht.
Aber das Gefühl, verlassen worden zu sein, blieb.
Das Heim war furchtbar.
Zu viele fremde Kinder, zu viele unbekannte Gesichter. Die Erwachsenen waren nett – meistens. Aber unter den Kindern gab es ein paar, die mich ärgerten, stichelten, ausschlossen.
Ich zog mich zurück. Wurde still. Schüchtern. Unsichtbar.
Und dann … kam er.
Ein neuer Junge.
Sein Blick war kalt. Leer.
Er sprach kaum ein Wort. Antwortete nur, wenn es sein musste. Die anderen Kinder hatten Angst vor ihm – oder mieden ihn.
Aber ich … ich fand ihn faszinierend.
Er war verschlossen, dunkel, unnahbar – und doch strahlte er etwas aus, das ich nicht erklären konnte.
Ich war zu feige, ihn anzusprechen. Ich beobachtete ihn nur – von weitem. Still.
Und dann … war er plötzlich weg.
Ein paar Tage später fragte ich einen der Erzieher:
„Wo ist der Junge mit dem kalten Blick? Schwarze Haare, still …“
Der Erzieher runzelte die Stirn, dann sagte er:
„Ach, du meinst Jake? Ein Mann hat ihn adoptiert. Schon vor drei Tagen. Er ist weg.“
Mein Herz rutschte in den Keller.
Ich sagte nichts mehr.
Ich ging zurück zu den anderen Kindern – aber ich fühlte mich leerer als je zuvor.
Jake ließ mich nicht los.
Seine Augen, sein Schweigen, sein Schmerz.
Ich konnte ihn nicht vergessen.
Ich schwor mir, ihn wiederzufinden – irgendwann.
Ein paar Jahre später, nach meiner Adoption, fing alles an.
Ein nettes Paar nahm mich bei sich auf. Sie waren gut zu mir. Liebevoll. Geduldig. Ich war ihnen dankbar, wirklich – zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein.
Und trotzdem … war da immer noch Jake.
Immer noch dieser Junge mit dem kalten Blick.
Als ich 18 wurde, traf ich meinen alten Freund wieder – er wohnte damals mit seinen Eltern in unserer alten Nachbarschaft. Ich fragte ihn nach seinem Bruder, der sich mit Computern auskannte.
Er grinste nur:
„Wozu brauchst du meinen Bruder? Der hat mir alles beigebracht. Ich kann dir auch helfen. Was brauchst du?“
„Ich will einen Jungen finden … Jake. Er war damals im Heim. Schwarze Haare. Mehr weiß ich nicht.“
Er sah mich verblüfft an.
Dann:
„Warte mal … ich glaube, ich kenne den. Ich geb dir seine Kontaktdaten – aber sag bloß nicht, dass du sie von mir hast! Der bringt mich sonst um.“ Und er lachte. Locker, wie er immer war.
„Oh mein Gott … danke, Jakob.“
„Soweit ich weiß, wollte er auf irgendeine Hochschule für Technik oder so. Vielleicht hast du da Glück.“
Und so begann meine Suche.
Eine lange, schwere Suche. Denn fast alles, was Jakob mir gab – außer seiner Nummer – stimmte nicht mehr.
Kein Name, keine Adresse. Nichts war aktuell.
Aber ich gab nicht auf.
Ich schrieb mich sogar an der Schule ein, von der Jakob meinte, dass Jake dort hinwollte – obwohl mich dieser ganze Technik-Kram nicht mal interessierte.
Aber ich wollte ihn finden. Ich musste.
Und dann … stand er plötzlich da.
Jake.
DU LIEST GERADE
Danger and Love (Überarbeitet)
AcakJake vertraut niemandem. Nicht der Welt. Nicht sich selbst. Schon gar nicht seinem Herzen. Als Hacker lebt er im Untergrund - unsichtbar, unnahbar, und bereit, jeden auszuschalten, der zu nah kommt. Doch dann trifft er sie. Ein Mädchen aus dem Heim...
