Ich kann kaum atmen. Meine Stimme bebt, ich koche innerlich. Ich muss mich beherrschen, sonst raste ich komplett aus.
Am anderen Ende der Leitung höre ich nur ein leises, schluchzendes „Jake…“
Ihr Weinen schneidet mir durch Mark und Bein.
Ich bin so ein verdammter Vollidiot.
Ich hätte sie niemals allein lassen dürfen. Nicht nach dem, was sie mir damals gesagt hat. Nicht nach dem Kuss. Nicht, nachdem sie mich angefleht hat, zu bleiben.
Das ist alles meine Schuld.
„Alisa… bitte, hör auf zu weinen. Sag mir, was passiert ist.“
Ich schalte auf Lautsprecher, lege das Handy auf den Tisch und setze mich. Mein Bein wippt nervös.
Sie atmet schwer. Ihre Stimme ist brüchig.
„Seit du weg bist… hatte ich Angst, allein in die Schule zu gehen. Aber es war ruhig. Ich dachte, es sei vorbei. Die Typen ließen mich in Ruhe… und ich hab gedacht, ich bilde mir alles nur ein. Aber… vor ein paar Tagen hatte ich wieder dieses komische Gefühl auf dem Parkplatz. Ich hab’s ignoriert. Und heute… da war er da.“
Sie stockt.
Ich spüre, wie mir der Magen sich zusammenzieht.
„Er hat mich am Arm gepackt… gegen die Wand gedrückt. Er hat… sein Bein zwischen meine gestellt, damit ich nicht weglaufen kann… Jake… ich hatte solche Angst.“
Ihre Stimme zittert. Ich balle die Fäuste, die Finger knacken.
„Er hat mich angestarrt. Von oben bis unten. Dieser Blick… und dann fing er an, meinen Hals zu küssen… Er hat sogar meine Hose aufge—“
„Hör auf. Es reicht.“
Ich springe vom Stuhl auf.
Ich laufe im Raum hin und her, die Wut in mir wie ein brennender Sturm.
Ich will etwas zerschlagen.
Ich muss etwas zerschlagen.
„Ich bring ihn um...“ murmele ich durch zusammengebissene Zähne, während mein Herz wie verrückt pocht. Ich streiche mir durchs Haar, versuche, meine Atmung zu kontrollieren.
Nicht jetzt durchdrehen, Jake. Nicht. Jetzt.
„Hat er noch etwas gesagt?“
„Ja…“ flüstert sie. „Er meinte, er ist froh, dass du weg bist. Jetzt kann er sich endlich mit mir amüsieren.“
Ich bleibe abrupt stehen. Mein Blick wird kalt.
„Ist das so?!“
Du verdammter Bastard… du hast keine Ahnung, was du angerichtet hast.
Ich setze mich, reiße meinen Laptop zu mir, übertrage alle Dateien auf mein Gerät, installiere ein Virus auf dem Computer, der alles zerstören soll. Ich kann es nicht riskieren, dass man mir folgt.
Keine Gnade. Keine Spuren.
Ich tippe, während sie schweigt.
„Jake? Ich hör dich tippen… ist alles okay?“ fragt sie vorsichtig.
„Alles gut. Mach dir keine Sorgen“, antworte ich ruhig.
Zu ruhig.
Kalt.
„Tu mir einen Gefallen… geh morgen zur Schule.“
„Was?! Wieso?“
„Vertrau mir. Ich erklär’s dir morgen.“
Plötzlich klopft es.
Ich sehe aus dem Fenster.
Schon wieder sie.
„Alisa… ich muss auflegen. Ich meld mich.“
„Okay… bis später…“ flüstert sie leise.
Ich lege auf.
Ich reiße die Tür auf, genervt.
„Was willst du?!“
Sie lächelt schief. Hat eindeutig einen im Tee.
„Hallo, schöner Mann“, säuselt sie.
Ich verdrehe die Augen. Sie torkelt ins Zimmer, als gehöre es ihr.
„Ich hab dich vermisst.“
Ich. Kotze. Gleich.
„Ich hab dir doch gesagt, du sollst verschwinden.“
Sie setzt sich aufs Bett, lehnt sich lasziv zurück.
„Komm schon. Willst du nicht ein bisschen Spaß mit mir haben?“
Ich gehe zu ihr, meine Augen glühen vor Zorn.
Ich packe sie am Arm, sie lächelt – denkt, sie hätte gewonnen.
Fehlanzeige.
Ich ziehe sie unsanft hoch.
„Ich hab dir deutlich gesagt, dass ich kein Interesse habe. Und Spaß? Mit dir?!
Mit der Motel-Matratze, die hier jeden Kerl vernascht hat?“
Sie wird blass. Ich stoße sie zur Tür, öffne sie und schubse sie raus.
„Verzieh dich!“
Bam. Tür zu.
Draußen höre ich sie toben.
„WAS ZUM TEUFEL DENKST DU DIR?!“
Ich atme tief durch.
„Dass du mich in Ruhe lässt, verdammte Irre.“
Ich packe meine Sachen, ziehe mir meine Lederjacke über, werfe die Tasche über die Schulter.
Runter zur Rezeption, Schlüssel abgeben.
Zurück zum Auto.
Im Augenwinkel sehe ich, wie sie sich schon den nächsten schnappt.
Ich lache trocken.
„Du armer Trottel.“
Ich steige ein.
Morgen bin ich zurück.
Morgen bin ich sein Albtraum.
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Danger and Love (Überarbeitet)
De TodoJake vertraut niemandem. Nicht der Welt. Nicht sich selbst. Schon gar nicht seinem Herzen. Als Hacker lebt er im Untergrund - unsichtbar, unnahbar, und bereit, jeden auszuschalten, der zu nah kommt. Doch dann trifft er sie. Ein Mädchen aus dem Heim...
