Kapitel 33 - Schatten der Vergangenheit

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Ich stehe vor dem riesigen Haus und starre es an.
Das Waisenhaus.
Es hat sich kein bisschen verändert seit meiner Kindheit – nur dass es jetzt leer steht.

Mit leerem Blick gehe ich die Fassade ab. Der Haupteingang, die Fenster, überwuchert vom Efeu, der kleine verrostete Spielplatz. Alles wirkt wie eingefroren in der Zeit.
Ich habe es gehasst. Aber nicht nur das Haus, sondern alles, was es für mich bedeutet: Allein gelassen zu werden, von klein auf. Verraten. Verstoßen.

Meine Gedanken schweifen zurück.
Damals… meine Mutter.

Sie hatte es selbst nie leicht. Von klein auf wurde sie von ihren Eltern geschlagen, von ihrem Vater misshandelt. Trotzdem hielt sie fest an dieser Familie, die sie kaputtgemacht hat.
Als sie mit mir schwanger war, ließ mein Vater sie im Stich.
Und ihre eigene Familie stieß sie weg, als wäre sie eine Schande, nur weil sie ein Kind ohne Ehemann bekam.

Aber sie gab nie auf.
Sie war zärtlich, liebevoll, hat mir alles gegeben, was sie konnte. Auch wenn wir kaum Geld hatten und oft nicht wussten, wie wir den nächsten Tag überstehen sollten.
Nie habe ich sie murren hören. Nur an diesem einen Tag.

Ein paar Tage vor ihrem Tod bat sie ihre Schwester um Hilfe. Nur ein wenig Geld, nur etwas zu essen. Ihre Schwester spuckte ihr ins Gesicht und schlug ihr die Tür zu.
An diesem Tag sah ich meine Mutter zum ersten Mal weinen.

„Jake, lass niemals zu, dass dich der Hass von innen zerfrisst. Zeige niemandem, wie schlecht es dir wirklich geht“, sagte sie mir.
Doch kurz darauf starb sie – und mit ihr zerbrach alles in mir.

Ich war noch ein Kind.
Das Jugendamt holte meine Tante, um zu entscheiden, ob ich zu ihr oder ins Heim komme. Ihre Worte waren wie Messer:
„Stecken Sie das Balg ins Heim! Er ist schuld am Tod meiner Schwester. Wäre er nicht gewesen, würde sie noch leben!“

Sie sah mich an, mit purer Verachtung.
Und ging.

So landete ich hier, hinter diesen Mauern.
Und meine Kindheit verlief wie ein Spiegelbild der meiner Mutter – voller Schläge, voller Kälte, voller Nächte, die besser vergessen blieben.
In dem Moment wischte ich ihre Worte weg. Stattdessen fing ich an, alle zu hassen.

Wütend balle ich die Fäuste, Tränen laufen mir über die Wangen. Ich wische sie hastig weg, reiße den Blick vom Gebäude los und gehe zurück zum Auto.

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Das Motel ist unscheinbar.
Die Frau an der Rezeption ist jung, freundlich – zu freundlich. Sie mustert mich, lächelt, als ich den Schlüssel nehme. Ich sehe sie skeptisch an und verdrehe die Augen. Nicht schon wieder so eine Irre.

Das Zimmer ist nichts Besonderes. Müde werfe ich mich aufs Bett und tippe eine Nachricht an Alisa.

Dann lege ich das Handy beiseite, schließe die Augen.

Schweißgebadet schrecke ich irgendwann hoch.
Mitten in der Nacht. Mein Herz hämmert. Ein Schatten huscht am Fenster vorbei.
Ich setze mich auf, gehe langsam zur Tür, spähe durch den Spion.
Die Frau von der Rezeption.

„Was will die hier?!“ murmele ich.
Ich gehe zurück, versuche zu ignorieren, dass sie draußen lauert. Schlaf ist jetzt sowieso vorbei.

Also schnappe ich mir meinen Laptop, vergrabe mich in meinen Programmen, hacke, sichere, lösche Spuren. Stunden vergehen. Meine Augen brennen, mein Kopf hämmert. Ich strecke mich, ziehe die Jacke an und gehe hinaus.

Kaum draußen, spüre ich Blicke im Nacken.
Ich drehe mich um.
Da steht sie. Schon wieder. Und starrt mich an.

Langsam gehe ich auf sie zu.
„Wieso beobachten Sie mich?!“ frage ich kalt.

Danger and Love (Überarbeitet)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt