„Was ist los mit dir?"
Jakobs Stimme bricht die Stille, die sich über uns gelegt hat.
Ohne ihn anzusehen, antworte ich trocken:
„Was soll mit mir los sein?"
Ich höre, wie er leise seufzt.
Ein Geräusch, das so viel mehr sagt als tausend Worte.
Doch ich starre weiter die Decke an, als könnte sie mir eine Antwort geben.
„Jake, seit wann bist du eigentlich so nett? Das kenne ich nicht von dir."
Ich verziehe das Gesicht. „Was meinst du?"
Aber ich weiß genau, worauf er hinaus will.
Natürlich weiß ich das.
„Man, Jake, du weißt ganz genau, was ich meine! Erst verschwindest du von der Bildfläche, dann meldest du dich plötzlich wegen Alisa. Und jetzt? Jetzt lässt du jemanden bei dir übernachten? Bist du krank oder was?!"
Ich schließe die Augen.
Zähle in Gedanken bis zehn.
Atme tief ein. Und seufze.
„Lass es einfach, Jakob. Okay?"
Doch Jakob wäre nicht Jakob, wenn er nicht weitermachen würde.
„Empfindest du was für sie?"
Ich schweige.
Er schnappt hörbar nach Luft.
„Also stimmt's."
Er hat kein Nachfragen gebraucht. Keine Geständnisse. Nur Schweigen.
Ich drehe mich zur Seite, den Rücken zu ihm gewandt.
Was soll ich dazu sagen? Ich bin selbst überfordert mit all dem.
Schließlich murmele ich:
„Ich weiß es nicht. Bist du jetzt zufrieden?"
Er starrt mich einen Moment lang schweigend an.
Dann grinst er:
„Ey, ganz ehrlich - ich hab nichts dagegen, wenn du was für sie empfindest. Ich hab das gesehen. Wie sie dich anschaut. Und dieses Knistern zwischen euch im Auto war nicht zu übersehen."
Ich ziehe mir die Decke über den Kopf.
„Gute Nacht, Jakob."
Trotzdem muss ich grinsen.
---
Mitten in der Nacht.
Ich schrecke hoch, schweißgebadet.
Mein Herz rast. Die Luft fühlt sich zu dick an.
Ich wische mir übers Gesicht und sehe zu Jakob rüber -
Er schläft wie ein Stein. Schnarcht leise vor sich hin.
Aber irgendetwas stimmt nicht.
Die Tür zum Schlafzimmer... steht offen.
Ich stehe auf, schleiche leise Richtung Flur.
Dann sehe ich: Das Licht im Bad ist an.
Ich atme auf - also doch kein Einbrecher oder Schatten aus der Vergangenheit.
In der Küche angekommen, will ich mir nur ein Glas Wasser holen -
Als sie plötzlich um die Ecke kommt.
Alisa.
Sie trägt...
Naja.
Nicht viel.
Meine Augen huschen kurz über sie. Ich versuche, nicht zu starren. Vergeblich.
Sie zuckt zusammen.
„Jake! Erschreck mich doch nicht so!"
Ich sehe sie an.
„Konnte nicht schlafen... du?"
„Ich auch nicht."
Sie sieht Richtung Wohnzimmer und grinst.
„Immerhin einer von uns, der gut schläft."
Ich nicke nur. Stelle das Glas ab.
Lehne mich gegen den Kühlschrank.
Sie kommt näher.
Ich runzle die Stirn.
„Was wird das?" flüstere ich.
Sie bleibt direkt vor mir stehen.
Schenkt mir einen Blick, der mein Innerstes erschüttert.
Dann küsst sie mich. Auf die Wange.
„Schlaf gut, Jake."
Ich sehe sie nur an. Große Augen. Hämmerndes Herz.
Sie lächelt - und geht.
Dann höre ich etwas.
Ein leises Piepen.
Ich schrecke hoch. Dreh mich zum Wohnzimmer -
Jakob reißt die Augen auf und richtet sich auf.
„Scheiße...", murmele ich.
Ich renne zum Laptop.
Alisa folgt mir. Setzt sich aufs Sofa.
Jakob steht Sekunden später neben mir, stützt sich mit beiden Händen auf den Tisch.
Seine Augen huschen über die Bildschirme.
Er ist blass. Zu blass.
Ich tippe wie besessen.
Was zur Hölle war das gerade?
Ein Warnsignal.
Ein Angriff.
Ein zu tiefer Zugriff auf etwas, das nie entdeckt werden sollte.
Red Alert.
Einer der Monitore leuchtet rot auf.
„NEIN, nein, nein...", flüstere ich und hämmere auf die Tasten.
Ich stoppe den Zugriff.
Gerade noch rechtzeitig.
Ich atme schwer. Drehe mich zu Jakob um.
Mein Blick ist messerscharf.
„Was. Ist. Hier. Los."
„Was meinst du?" fragt er.
Doch er schaut mich nicht an.
„Du verdammter..."
Ich springe auf.
Packe ihn am Kragen.
Alisa ist sofort da.
„Jake?! Was ist los?!"
Ich sehe nur Jakob an.
„Das will ich von IHM wissen! Was hast du getan, Jakob?! Was hast du diesmal angestellt?!"
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Danger and Love (Überarbeitet)
SonstigesJake vertraut niemandem. Nicht der Welt. Nicht sich selbst. Schon gar nicht seinem Herzen. Als Hacker lebt er im Untergrund - unsichtbar, unnahbar, und bereit, jeden auszuschalten, der zu nah kommt. Doch dann trifft er sie. Ein Mädchen aus dem Heim...
