Kapitel 35 - Zerreißprobe

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Während das Geld stückweise auf mein Konto tropft, lehne ich mich zurück.
Die Summen laufen durch wie Wasser, aber in meinem Kopf herrscht Sturm.
Seit meiner letzten Antwort herrscht Funkstille bei Alisa. Kein „Hi", kein „Bist du da?" – nichts.
Vielleicht ist es besser so.
Sie muss kapieren, dass mein Leben kein Picknick ist. Kein Spiel. Kein Chat, wo man immer sofort antwortet.
Ich muss darauf achten, nicht erwischt zu werden. Immer. Überall.

Ich seufze, starre auf mein Handy und schließe die Augen. Ruhe. Für einen Moment.
Dann piept ein Programm.
Augen auf, Hände auf der Tastatur. Jemand versucht, mich zu hacken.
Kinderspiel. Ein Tastendruck und er prallt ab wie ein Vogel an einer Glasscheibe.

Die Stunden ziehen vorbei. Meine Programme laufen wieder perfekt. Alles aktualisiert. Alles dicht.
Ich strecke mich, gähne, fühle mich ausgelaugt, aber sicher.
Sicher? Ha. Lächerlich.

Ich greife nach meinem Handy – immer noch keine Antwort.
Frustriert werfe ich es aufs Bett, ziehe die Kapuze tief ins Gesicht und verlasse das Zimmer.
Etwas zu essen, sonst kippe ich noch um.

Die Tankstelle nebenan reicht. Kaltes Neonlicht, Regale voller Zucker und Dosenfutter.
Ich nehme irgendwas mit, gehe zurück. Als ich an der Rezeption vorbeikomme, sehe ich: Nadine ist nicht da.
Zum Glück. Ich habe keinen Nerv für ihre Blicke.
Im Zimmer knalle ich die Sachen aufs Bett, sinke auf die Matratze.

Ein Blinken.
Mein Handy.

Ich öffne es. Eine Nachricht von Alisa.

~Jake, es tut mir leid. Ich habe nicht nachgedacht, als ich nachgehakt habe. Ich weiß, dass du dich verstecken musst und nicht ständig antworten kannst, aber ich möchte einfach alles über dich erfahren, weil ich dich sehr gern habe. Ich hoffe, du bist nicht wütend auf mich...~

Ich starre auf die Worte.
Wütend? Nein.
Genervt? Ja.
Drama kann ich gerade nicht brauchen. Sie wusste, worauf sie sich einlässt. Jetzt muss sie damit klarkommen.

Ich schiebe das Handy beiseite, greife nach dem Essen – da huscht wieder ein Schatten am Fenster vorbei.
„Verdammt." Ich stehe auf, gehe zur Tür, spähe durch den Spion.
Seufzend reiße ich die Tür auf.

Nadine.

„Was?!" frage ich genervt.
„Kann ich mit dir reden?"
Ich hebe die Braue, sehe sie nur an.
„Bitte. Du bist doch Jake, oder?" Ihre Stimme ist vorsichtig, fast flehend.

Ich spüre, wie mir die Kehle trocken wird. Doch ich antworte kalt:
„Nein bin ich nicht. Und jetzt hören Sie auf, ständig vor meiner Tür rumzuschleichen."
Die Tür knallt ins Schloss.

Ich lehne mich dagegen, atme schwer.
„Scheiße. Sie kennt mich." flüstere ich. „Ich muss hier weg."

Blick zur Seite: Nadine geht den Flur hinunter.
Schnell packe ich die Taschen, Laptop, alles. Schlüssel auf den Tresen, raus, bevor sie zurückkommt.

Das Auto verschluckt mich. Der Motor brummt.
Dann klingelt mein Handy. Alisa.

Ich zögere, nehme ab. „Alisa?"
„Hast du Zeit?"

Stille. Nur mein Atem.
Ich schweige.

„Ok, ich hab verstanden... Dann lass ich dich in Ruhe." Ihre Stimme bricht. „Bis dann, Jake."
Mein Herz verkrampft.
„Warte. Leg nicht auf. Wir können reden."

Ihre Stimme kippt sofort ins Helle, Fröhliche. „Super! Wie geht es dir? Was machst du?"
Ich seufze. „So lala."
Ihre zweite Frage übergehe ich. Stattdessen: „Sag mal... was denkst du, was zwischen uns ist?"

Stille.

„Wie meinst du das?" fragt sie vorsichtig.
„Du weißt schon, wie ich das meine. Ich will eine ehrliche Antwort."

Sie stammelt. „J... Jake, habe ich was Falsches gesagt?"
„Beantworte einfach meine Frage." Meine Stimme klingt härter.

„Ähm... ich weiß nicht genau... Ich hab dich gern. Du hast mich gern. Wir haben miteinander geschlafen und... verstehen uns. Also dachte ich... wir wären mehr als nur Freunde. Wenn ich dir zu nahe trete, sag es mir."

Ich halte am Straßenrand an. Massiere meine Schläfen. Mein Kopf hämmert.
„Nur weil wir miteinander gefickt haben, heißt das, wir sind zusammen? Willst du das sagen?"

Schweigen. Ich beiße die Zähne zusammen.

„Nein... natürlich nicht."
„Was dann, Alisa? Was ist das alles für dich?"
Meine Stimme ist jetzt kalt, fast schneidend.

„Was ist los mit dir? Wieso so kalt?"
„VERDAMMT, ANTWORTE MIR!" Ich schreie fast, halte mir sofort die Hand vors Gesicht.

Stille. Nur ihr Atem.

„Das wollte ich nicht." Meine Stimme bricht. „Mir dröhnt nur der Schädel. Bitte... beantworte einfach die Frage. Es ist mir wichtig."

Sie zögert, dann: „Ja. Ich dachte, wir wären zusammen. Geht es dir jetzt besser?"

Ich atme aus. Erleichtert.
Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. „Gut. Das freut mich."

Sie schweigt. Ich starte den Motor, fahre weiter.

Doch in meinem Kopf hallen die Worte nach wie eine Drohung.

Danger and Love (Überarbeitet)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt