Kapitel 45 - Zerbrechliche Liebe

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Jake verlässt das Wohnzimmer und lässt mich verwirrt und leer zurück.

Was meinte er nur mit dem, was er gerade gesagt hat? Gibt er sich etwa selbst die Schuld für das, was passiert ist?

Ich bin wütend. Richtig wütend. Nicht nur über das, was mir angetan wurde – sondern auch, weil Jake sich immer wieder von mir zurückzieht, ohne mit mir zu reden. Frustriert lasse ich mich aufs Sofa fallen, starre an die Decke, bis ein dumpfes Geräusch mich aufschrecken lässt.

Ich setze mich auf, horche angestrengt – doch es bleibt still.

Leise schleiche ich zur Tür seines Zimmers. Kein Mucks. Ich klopfe. Nichts. Also öffne ich langsam die Tür und trete ein. Und was ich sehe, lässt mein Herz stocken: Blut an der Wand. Jake kauert am Boden. Als ich mich zu ihm knie, sehe ich seine Hand – blutig, wieder aufgerissen. Die Wunden, die gerade erst am Heilen waren.

Er reagiert kaum, selbst als ich vorsichtig seine Hand nehme.

Schweigend hole ich Verbandszeug. Zurück bei ihm knie ich mich erneut hin, beginne sanft, seine Hand zu verbinden. Er sieht mich nicht an, aber verfolgt jede meiner Bewegungen. Diese Hand… rau, vernarbt… und nun wieder verletzt. Als ich fertig bin, stehe ich auf – doch er hält meine Hand fest und zieht mich wortlos neben sich. Ich falle neben ihm auf den Boden, überrascht, wie fest seine Umarmung ist.

„Jake, was ist los mit dir?“ frage ich leise, löse mich leicht aus seiner Umarmung.

Er blickt auf seine Hand, dann antwortet er mit belegter Stimme:
„Ich weiß es nicht, Alisa. Mein Kopf ist ein einziges Chaos. Ich kann mich nicht konzentrieren.“

Ich sehe ihn fragend an, da redet er weiter:
„Ich seh dich an... und dann seh ich diese Bilder. Was bei dir zu Hause passiert ist. Die verfolgen mich Tag und Nacht. Ich will diesen Bastarden weh tun. So sehr.“

Ich lehne meinen Kopf an seine Schulter. „Du kannst es nicht rückgängig machen, Jake. Es ist passiert.“

Er schweigt.

„Wie kannst du nach all dem… überhaupt noch so mit mir sein wollen?“, fragt er plötzlich.

Ich lehne den Kopf an die Wand. „Ich hab Angst. Ja. Ich hab Alpträume, Panik, wenn du mich zu grob küsst. Aber dann seh ich dich an – und ich weiß, dass du mir nie wehtun würdest. Ich vertraue dir, Jake. Und ich will, dass du aufhörst, dir die Schuld zu geben!“

Er sieht mich lange an. Sagt nichts. Also wiederhole ich ruhig:
„Ich meine es ernst. Gib dir nicht mehr die Schuld.“

Ich stehe auf und bringe den Verbandskasten zurück. Doch als ich mich am Esstisch abstütze, zittert mein ganzer Körper. Ich atme schneller. Schon die Erinnerung an das, was passiert ist, schnürt mir die Kehle zu. Panik flutet durch mich, ich kämpfe dagegen an. Tief durchatmen, verdrängen, wie so oft in den letzten Stunden.

Müde schleiche ich ins Schlafzimmer. Als ich an seinem Arbeitszimmer vorbeigehe, höre ich nur das Tippen. Ich klopfe leise, öffne die Tür. Er sitzt konzentriert vor dem Computer, reagiert nicht. Ich sage nichts, lege mich einfach aufs Bett und beobachte ihn. Irgendwann fallen mir die Augen zu – und die Albträume kehren zurück.

Ich schreie.

In meinem Traum halten sie mich fest, lachen, berühren mich, reißen mich auseinander. Ich schreie noch lauter – da spüre ich plötzlich Arme, die mich umschließen, eine vertraute Stimme.

„Alisa! Wach auf, Kleines. Ich bin hier.“

Ich reiße die Augen auf – Jake. Tränen überströmen mein Gesicht. Ich presse meinen Kopf an seine Brust, zittere, atme stoßweise. Seine Stimme beruhigt mich. Seine Hände streicheln mir über den Kopf. Nach einer Weile werde ich ruhiger und schlafe in seinen Armen wieder ein.

---

Am Morgen wache ich auf. Seine Arme liegen fest um meine Brust geschlungen. Ich versuche mich zu bewegen, aber sein Griff ist so fest – und ich will ehrlich gesagt auch gar nicht aufstehen. Er hat die ganze Nacht gesessen, nur um mich zu halten. Dieser Mann…

Leise drehe ich mich um, setze mich langsam auf seinen Schoß. Er schläft tief. Ich betrachte ihn – diese sanften Züge, die im Schlaf so friedlich wirken. Mit den Fingern streichle ich seine Wange, fahre durch seine Haare. Er bewegt sich kaum.

„Du hast aber einen tiefen Schlaf...“, flüstere ich.

Ich beuge mich vor, küsse ihn sanft. Plötzlich wird sein Griff um meine Taille stärker – und er erwidert meinen Kuss.

„Guten Morgen, Schlafmütze.“

Er öffnet langsam die Augen, gähnt und grinst.
„Guten Morgen, Kleines.“

Ich will gerade etwas sagen, da spüre ich… ihn.

„Ich glaub, du solltest von mir runter...“, sagt er grinsend.

Ich werde knallrot und will zur Seite rutschen, aber er hält mich fest.

„Jake, du müsstest mich loslassen...“

„Ach, muss ich das?“, fragt er schelmisch und dreht mich plötzlich auf den Rücken. Er stützt sich auf dem Bett ab, sieht mir tief in die Augen – sein Blick ist so klar, so ehrlich... und voller Verlangen.

Er küsst mich. Erst sanft, dann fordernder. Ich greife in seine Haare, er streicht mit der Hand über meinen Körper, verweilt zwischen meinen Beinen. Ich schnappe nach Luft, sehe ihn an – und er zieht mich noch fester an sich.

„Warum verdrehst du mir nur so den Kopf...“, murmelt er.

Ich lächle. Küsse ihn.
Und dann sage ich es. Ohne Angst. Ohne Zweifel.

„Ich liebe dich, Jake.“

Danger and Love (Überarbeitet)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt