Nach zwei Stunden Schlaf wache ich mit starken Kopfschmerzen auf. Alisa schläft tief und fest, ihr Gesicht entspannt, als wäre sie in einer Welt fernab all der Hölle, die passiert ist.
Leise streichle ich ihre Wange, küsse ihre Stirn und schiebe mich vorsichtig aus dem Bett.
Im Badezimmer lasse ich mir heißes Wasser über den Körper laufen. Als es meine aufgeschürften Hände trifft, brennt es höllisch. Das Wasser färbt sich rötlich, meine Knöchel pochen. Bilder flackern vor meinen Augen auf – Fäuste, Blut, Schrei. Zähneknirschend balle ich meine Fäuste, zucke zusammen und zwinge mich, das Wasser über mein Gesicht laufen zu lassen, bis der Druck nachlässt.
Nach dem Duschen ziehe ich mich an, werfe noch einen Blick ins Schlafzimmer – sie schläft immer noch.
In der Küche finde ich Tabletten und etwas Verband, aber ich nehme nur die Schmerzmittel. Mit Kaffee und Laptop setze ich mich aufs Sofa. Während ich Programme durchsehe, versuche ich parallel Infos über diese Bastarde zusammenzutragen. Mein Handy habe ich seit gestern ignoriert. Als ich es wieder anschalte, blinken sofort Nachrichten auf.
~Ich weiß, dass du kein Bock auf mich hast, aber ich will das Kriegsbeil begraben. Was mit Alisa passiert ist, hat mich wachgerüttelt. Jake, bitte... ich mache mir riesige Vorwürfe...~
Kalt scrolle ich durch, schließe den Messenger. „Als ob ich dir das je verzeihen könnte..." murmele ich.
Ein paar Stunden später vibriert das Handy wieder.
~Ich weiß, dass du meine Nachrichten gelesen hast. Ignorier mich meinetwegen, aber sag mir bitte, dass es ihr gut geht.~
Ich sehe zur Schlafzimmertür, antworte nicht. Dann ruft er an – immer wieder. Genervt gehe ich ran.
„Gott, wie kann man so nerven! Was willst du?!"
„Ich verstehe, dass du wütend bist..."
„Nein, das tust du nicht. Bye, Jakob."
„Warte!" Seine Stimme überschlägt sich. „Bitte... hör mir wenigstens zu. Es war nicht geplant, dass das passiert. Ja, ich hatte eine Abmachung, aber sie sollten ihr nur Angst machen. Mehr nicht. Glaub mir, Jake."
Sein Tonfall kotzt mich an. „Du wusstest, dass er sie schon belästigt hat – und trotzdem schickst du ihn?! Woher kennst du ihn überhaupt?"
„Seit der Grundschule. Er hatte dich schon lange im Visier. Er meinte, er kennt dich aus dem Heim. Als ich ihm von meinem Plan erzählte... war er sofort dabei. Für eine kleine Anzahlung. Ich schätze, er bekam Schiss, nachdem du ihn fast erwürgt hattest."
Ich halte inne, starre ins Leere. „Ich bin eine Sache. Aber was zum Teufel hat sie damit zu tun?"
In diesem Moment geht die Schlafzimmertür auf. Alisa kommt ins Wohnzimmer, setzt sich neben mich, legt den Kopf an meine Schulter. Ich deute ihr, leise zu sein.
Jakobs Stimme knackt durchs Handy: „Du hast sie mir weggenommen, Mann! Als sie aus dem Heim zurückkam, habe ich mich so gefreut. Ich wollte mehr... Ich wollte der Einzige für sie sein. Und dann kamst du. Wusstest du, dass sie noch Jungfrau war, als du sie gefickt hast? Ich wollte der Erste sein, aber ihr... ihr beide..."
Ich presse die Zähne zusammen, sehe Alisa kurz an, dann wieder auf das Handy.
„Du bist krank. Nicht ich habe ein Problem – sondern du. Hör dir selbst mal zu! Du redest, als wäre sie ein Besitzstück. Du solltest dich fragen, was mit dir nicht stimmt."
Alisa atmet ruhig gegen meine Schulter, meine Hand liegt schützend auf ihrem Knie.
„Lass den Scheiß, Jake! Tu nicht so, als wärst du der große Prediger. Wir zwei... wir waren Kumpel!"
Mein Blick wird kalt. „Nenn mich nie wieder so. Wir sind nichts mehr. Was willst du eigentlich von mir?"
Schweigen. Dann: „Dass du dich von Alisa fernhältst. Ich will, dass du sie in Ruhe lässt – und wir die Sache unter uns klären."
Ich sehe sie an. In den kurzen Klamotten neben mir, zerbrechlich und zugleich stark. Dann antworte ich mit einem bitteren Grinsen: „Vergiss es. Zu spät, Jakob. Das klären wir untereinander – keine Sorge."
„Ich warne dich, Jake—"
„Halt die Fresse. Droh mir nie wieder. Ich finde dich. Und wenn ich dich habe..." Meine Stimme senkt sich, wird gefährlich ruhig. „Dann gnade dir Gott."
Bevor er antworten kann, lege ich auf.
Alisa erhebt sich, holt sich eine Tasse Kaffee. Ich sehe ihr hinterher, wie sie sich bewegt – und mein Herz rast. Mein Verlangen brennt in mir, doch ich zwinge mich, mich wieder dem Laptop zuzuwenden.
Ich hacke mich in die Systeme der Typen, richte Chaos an, installiere Viren. Ein Spiel für den Anfang. Ein Vorgeschmack.
Alisa setzt sich wieder neben mich, legt den Kopf auf meine Schulter. „Kannst du mir das auch beibringen?" fragt sie mit einem Grinsen.
Ich sehe sie irritiert an. Sie lacht. „War nur ein Scherz. Für so was habe ich ja dich." Dann küsst sie mir sanft die Wange.
Mein Kopf wird heiß, meine Hände zittern, doch ich zwinge mich, den Blick wieder auf den Bildschirm zu richten.
Wie sollen wir nur eine Zeit lang zusammen in diesem Haus leben...
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Danger and Love (Überarbeitet)
De TodoJake vertraut niemandem. Nicht der Welt. Nicht sich selbst. Schon gar nicht seinem Herzen. Als Hacker lebt er im Untergrund - unsichtbar, unnahbar, und bereit, jeden auszuschalten, der zu nah kommt. Doch dann trifft er sie. Ein Mädchen aus dem Heim...
