Sie starrt mich erschrocken an und bringt kein Wort heraus. "Wieso waren Sie heute vor meiner Tür? Was wollen Sie?" frage ich kalt und unbeweglich. Sie stottert, will gerade etwas sagen - da kommt eine Familie an die Rezeption. Sofort wendet sie sich ihnen zu, als wäre nichts gewesen. Ich gehe ein paar Schritte zur Seite, bleibe angelehnt an der Wand, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Meine Augen fixieren sie. Dieses Gesicht... es kommt mir bekannt vor. Aber woher?
Mein Handy vibriert. Ich sehe kurz aufs Display, dann wieder zu ihr. Ignoriere die Nachricht. Mein Blick bleibt bei ihr. Je länger ich sie beobachte, desto stärker nagt das Gefühl: Ich kenne sie. Irgendwoher. Nach Minuten voller Unruhe öffne ich doch die Nachricht. Alisa.
~Hey. Ich freue mich, das du gut angekommen bist, wo auch immer das ist. :)~
Ein schwaches Grinsen huscht über mein Gesicht. Ich tippe.
~Entschuldige, ich kann dir leider nicht sagen, wo ich bin. Geht es dir gut?~
Dann stecke ich das Handy weg und gehe wortlos zurück ins Zimmer.
Seufzend setze ich mich aufs Sofa, Laptop auf den Knien. Aber meine Finger bleiben auf den Tasten liegen. "Wem sieht sie ähnlich, verdammt..." murmele ich. Plötzlich zieht sich mein Magen zusammen. Ich starre den Bildschirm an. Ein Schock, der mir den Atem raubt. "Das kann nicht sein... Sie kann unmöglich..." und dann dämmert es mir. "Scheiße..."
Meine Finger rasen über die Tastatur, wie von selbst. Eine Suchmaschine, Filter, Namen, Daten, Orte. Ich tippe, lösche, tippe weiter, schließe Möglichkeiten aus. Immer enger wird das Netz. Bis am Ende nur noch eine Person bleibt. Mein Blick verfinstert sich. Ich lehne mich zurück. "Nicht ausgerechnet er..."
Mein Kopf hämmert, aber ich höre nicht auf. Ich wühle mich tiefer hinein. Familienmitglieder, Adressen, Geburtsurkunden, Bankdaten. Alles liegt vor mir, jede Information, jedes kleine Detail. Und da ist er: mein leiblicher Vater. Ein heißer Stich fährt durch meine Brust. Wut schießt in mir hoch. Er - der ein "glückliches" Leben führt. Ehefrau, vier Kinder, riesiges Haus, eine eigene Firma. Und ich? Ich wurde zurückgelassen. Verraten!
"Verdammt nochmal!" brülle ich und haue mit der Faust auf den Tisch. Schmerz pocht durch meine Knöchel, aber kümmert mich nicht. Dann entdecke ich sie in den Daten. Nadine. Eine von seinen Töchtern. Meine Halbschwester. Ein bitteres Lachen entweicht mir. Ich reibe mir die Schläfen, während die Kopfschmerzen immer stärker werden. Halbgeschwister... und ich wusste noch nicht mal, wie viele. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr hasse ich ihn. Mein Handy blinkt. Drei Nachrichten von Alisa.
~Mir geht es und bei dir alles okay?~
~Jake?~
~Jake, ist alles okay bei dir?~
Ein leises Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht. Sie und ihre Art, sich sorgen zu machen.
~Mir geht es gut. Keine Sorge, Kleines. Ich war nur beschäftigt.~
Kaum habe ich gesendet, vibriert es schon wieder.
~Man! Erschreck mich doch nicht so. Ich dachte schon, du wurdest erwischt! Erzählst du mir, was so wichtig war?~
Ich tippe. Lösche. Tippe. Lösche wieder. Schließlich schreibe ich:
~Ich musste etwas überprüfen. Erzähl ich dir ein anderes Mal. Mach dir keine Sorgen. ;)~
Die Antwort kommt sofort.
~Das sagst du jedes Mal, aber erzählst es dann doch nicht. Vertraust du mir nicht?~
Ich atme tief durch, die Wut brennt wieder auf.
~Alisa, das hat nichts mit Vertrauen zu tun. Je mehr du über mich weißt, desto größer ist die Gefahr für dich. Und da will ich nicht!~
Stille. Dann eine letzte Nachricht.
~Aber ich will auch etwas über dich wissen... Du weißt doch alles über mich. Wieso darf ich von dir nichts wissen?~
Mein Blick versteinert. Die Finger tippen wie von selbst:
~Weil es gefährlich ist!!!~
Ich lege das Handy weg. Zu viel. Ich kann nicht mehr. Mein Laptop piept. Ich ziehe ihn zu mir, starte mein Programm. Tippe Dimitris Daten ein. Mein Vater. Schritt für Schritt hacke ich mich durch. Es dauert. Doch schließlich öffnet sich der Zugang zu seinen Konten. Mit einem eiskalten Grinsen übertrage ich Summen auf mein Konto und verwische jede Spur.
"Er schuldet es mir." flüstere ich kalt und schließe den Laptop.
Ich lehne mich zurück. Meine Fäuste zittern, mein Kopf hämmert. Und doch fühle ich dieses brennende, ekelhafte Hochgefühl. Ein Sieg, der sich trotzdem wie eine Niederlage anfühlt. Ich reiße den Blick vom Bildschirm los und atme tief durch. Doch die Gedanken drehen sich im Kreis. Vater. Halbgeschwister. Familie. Alles, was ich nie hatte - und jetzt vor mir liegt wie eine offene Wunde.
Ich spüre, wie der Hass in mir pocht, als würde er meine Brust zerreißen. Doch bevor er mich vollends auffrisst, zwinge ich mich, nach vorne zu sehen. Auf den nächsten Schritt. Auf das, was kommen muss.
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Danger and Love (Überarbeitet)
De TodoJake vertraut niemandem. Nicht der Welt. Nicht sich selbst. Schon gar nicht seinem Herzen. Als Hacker lebt er im Untergrund - unsichtbar, unnahbar, und bereit, jeden auszuschalten, der zu nah kommt. Doch dann trifft er sie. Ein Mädchen aus dem Heim...
