Kapitel 8 - Der Punkt ohne Rückkehr

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Sie zerrt mich aus dem Schulgebäude und um das Gebäude herum. Ich gehe einfach mit – bis ich abrupt stehen bleibe.
Sie stolpert fast nach hinten.

„LASS MICH LOS, VERDAMMT!“, brülle ich und reiße meinen Arm aus ihrem Griff.

Sie zuckt zusammen, schaut mich erschrocken an – ihre Hände fangen an zu zittern.
Ich sehe sie kalt an, mein Blick voller Zorn.

„Dieser verdammte Mistkerl kommt nicht so einfach davon … Das ist das letzte Mal, dass der mir eine verpasst hat!“

Ich drehe mich um und stapfe los.
Alisa ruft irgendwas hinter mir, aber ich höre nur das Blut in meinen Ohren rauschen.

Da ist er.
Noch auf dem Parkplatz.

Ich renne los.

Meine Schritte schlagen hart auf dem Asphalt, und ohne zu zögern schubse ich ihn zu Boden.
„Wohin so eilig?!“, knurre ich.

Er liegt vor mir. Schwach.
Und in meinem Kopf taucht Nicolai auf.

Dieser Blick. Diese Stimme. Diese Schläge.

Der Zorn übernimmt.

Ich knie mich auf ihn, schlage zu. Immer wieder.
Packe ihn am Hals, drücke zu. Härter. Fester.
„Lass … mich … los …“, keucht er. Er strampelt. Verzweifelt.

Mir egal.

Alisa schreit hinter mir.

„JAKE, HÖR AUF! DU BRINGST IHN UM!!!“

Dann – ein Zucken in mir.
Ich reiße mich los.
Meine Hände zittern.

Ich lasse ihn los.
Stütze mich mit den Armen ab, keuche schwer.

Er kriegt Luft. Schnappt nach ihr.
Ich sehe ihn an.

„Verschwinde.“, sage ich.
Er sieht mich an – voller Angst – und rennt.

Ich … sitze immer noch da.
Der Asphalt ist kalt unter mir.
Meine Hände vergraben sich in meinem Gesicht.
Ich atme flach. Zitternd.
Der ganze Zorn, den ich jahrelang eingesperrt habe … ist ausgebrochen.

Alisa kniet sich vor mich.
Ihre Hand legt sich sanft auf meinen Arm – ich zucke zurück.
Nein. Nicht jetzt. Nicht berühren.

„Jake, bitte … sieh mich an.“

Ich antworte nicht.

Dann greift sie nach meiner Hand – instinktiv schlage ich sie weg.
Blicke sie hasserfüllt an.
„Fass mich nicht an!“

Sie steht auf, zieht ihr Handy aus der Tasche und geht ein paar Schritte weg.
Ich höre sie telefonieren – verstehe aber nichts.

Kurze Zeit später kommt sie zurück. Legt ihr Handy vor mich auf den Boden.
Lautsprecher ist an.
Sie setzt sich wieder.

Stille.

Dann: Seine Stimme.

„Jake? Was ist los bei euch? Alisa hat mich angerufen und nur gesagt, ich soll helfen.“

„Jakob …?“
„Ja, Kumpel. Ich bin’s. Was ist passiert?“
„Mir kommt wieder alles hoch … Nicolai … Ich hab das Gefühl, zu ersticken … Ich hätte fast jemanden erwürgt …“

„Scheiße … okay. Atme. Du hast wieder eine Panikattacke. Hör auf meine Stimme, so wie damals. Tief ein … und aus. Nicolai ist nicht mehr da, hörst du? Er kann dir nichts mehr antun. Konzentrier dich. Nur auf mich. Nur auf meine Stimme.“

Im Hintergrund höre ich Geräusche – er packt wohl seine Sachen.

Ich atme. Tief.
Aber die Bilder bleiben.
Nicolai. Seine Faust. Seine Kälte.

„Ich schaff das nicht … Jakob, ich schaff das nicht allein …“

Seine Stimme wird ruhiger.
Sanfter.

„Doch. Du musst. Denk an unsere Freundschaft. Daran, wie wir durchgedreht sind, wie du mich aufgezogen hast, wie viel Mist wir gebaut haben. Denk an das. Hol dich da raus, Jake. Ich mach mich auf den Weg. Lass Alisa dich nach Hause bringen und warte da auf mich. Hast du verstanden?“

Seine Stimme duldet keinen Widerspruch.

„Ja … hab ich.“

„Alisa, lass ihn auf keinen Fall alleine, egal wie stur er ist.“

Ich schaue sie an. Sie nickt.

„Beeil dich … und fahr vorsichtig“, sagt sie leise.

„Klar. Bis gleich.“

Er legt auf.

Ich starre auf das Handy.
Traue mich nicht, sie anzusehen.

Aber innerlich spüre ich etwas –
Dankbarkeit.
Jakob war für mich da. Genau wie damals.

Und ich … bin doch nicht ganz allein.

Danger and Love (Überarbeitet)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt