Kapitel 5: Noch nicht

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Emma
Als ich am Freitag Zuhause war, ging es mir um einiges besser. Zwar musste ich permanent an meinen Suizidversuch denken und den damit verbundenen Gründen. Es schnürte mir die Luft ab und ließ mich nicht atmen, dennoch fühlte ich mich schon viel befreiter. Frau Clarke hatte mir geholfen und dafür war ich ihr dankbar gewesen.
Das Wochenende verbrachte ich dennoch in meinem Zimmer, kam nicht raus und wollte weder mit jemanden reden, noch jemanden sehen. Meine Mutter kam lediglich ab und zu in mein Zimmer, um nach mir zu schauen. Sie machte sich ernsthaft Sorgen und das tat mir leid. Doch so sehr ich auch mit ihr reden wollte, ich konnte nicht. Niemand wusste, was überhaupt passiert war. Mein Wunsch war es, mit jemanden darüber zu sprechen, aber es kam nicht dazu. Wochenlang, oder eher monatelang wollten meine Eltern von mir erfahren, was los war und wieso es dazu kam. Ich wollte sie keinesfalls enttäuschen. Deswegen hielt ich den Mund. Am nächsten Dienstag war ich wieder etwas glücklicher, als noch am Wochenende und am Montag. Und ich wusste, dass es an Frau Clarke lag. Doch ich habe mich gefragt, wieso. Mir fehlte die Definition für diese Bindung, oder wie man das nennen sollte.

"Emma, bleibst du bitte noch kurz hier?" bat mich Frau Clarke, nachdem wir die Stunde hinter uns gelassen hatten. Ich schaute verwirrt zu Leyla, diese mit den Schultern zuckte. "Klar." sagte ich also etwas unsicher und blieb vor ihr stehen. Einen Moment lang war es ruhig gewesen. "Was wollten Sie denn?" Frau Clarke schaute mich verwirrt an. "Sie wollten mit mir sprechen?" Was war denn das gewesen?  Sie hatte mich gebeten zu bleiben und dann anscheinend vergessen zu haben, was sie von mir wollte. "Natürlich. Tut mir leid. Wie geht es dir?" fragte sie dann schließlich. Wieder diese Frage. Ich wusste nicht, was sie sich dachte. "Ich weiß, dass es dir nicht gut geht. Emma, du warst so ruhig und abwesend. Möchtest du vielleicht, dass wir in mein Büro..." Ich unterbrach sie: "Nein. Nein, danke. Ich werde jetzt gehen." sagte ich und ging dann. Ich wusste, dass sie es nur gut meinte und ich war ihr weiterhin sehr dankbar, aber sie setzte mich unter Druck. Irgendwann würde ich mit ihr sprechen. Aber in diesem Augenblick konnte und wollte ich es nicht. Sie wollte für mich da sein, wenn es mir schlecht ging, aber es sollte von mir kommen. Damit war meine Stimmung für diesen Tag am Boden. Der weitere Unterricht verlief ähnlich, wie alle anderen zuvor. Doch in der letzten Stunde, verlor ich die Kontrolle. Ich bekam eine Schwindelattacke und mir wurde schwarz vor Augen, woraufhin ich nach Hause ging.

"Es ist okay, dass du nicht darüber reden möchtest, aber ich möchte, dass du die weitere Woche zu Hause bleibst." sagte meine Mutter bestimmt, als wir Abends beim Abendessen saßen. Da ich wusste, dass eine Diskussion kein Sinn machte, versuchte ich es erst garnicht. Ich aß also zu Ende, um anschließend in mein Bett zu gehen. Doch hoffte ich diesmal, dass nicht ständig meine Mutter in mein Zimmer kam. Der Arzt hatte mir schließlich empfohlen, im Bett zu ruhen. Das wollte ich nun tun. Überraschenderweise verging die Woche jedoch schneller, als es mir lieb gewesen wäre. In der Nacht plagten mich Albträume und tagsüber musste ich dauernd an Frau Clarke denken. Ich hatte mir viele Gedanken über sie gemacht und wurde stutzig. Wieso dachte ich ständig an sie? Da musste mehr hinterstecken und es wurde mir klar als ich am Dienstag zum Englischunterricht ging.

"Kann ich mit Ihnen reden? In ihrem Büro." Frau Clarke schaute von ihren Unterlagen auf und lächelte mich an. "Klar. Ich muss nur kurz meine Sachen einpacken, danach können wir gehen." Während sie ihre Sachen zusammen packte, versank ich in Gedanken. Als ich heute Morgen zur Schule fuhr, war ich nervös gewesen und hatte Herzklopfen. Ich hatte mir eingeredet, dass es daran lag, dass ich wieder einmal nicht da gewesen bin. Doch als ich zu Englisch ging, beschleunigte sich mein Herzschlag um mehrere Sequenzen. Es lag an ihr. An Frau Clarke. "Können wir?" holte diese mich aus meinen Gedanken. Ich nickte und wir gingen zusammen zu ihrem Büro.
"Geht es dir besser? Ich frage, weil du die letzte Woche nicht mehr da gewesen warst." fragte sie, als wir in ihrem Büro waren. "Ein wenig. Danke der Nachfrage. Ich wollte Ihnen nochmal danken und mich dafür entschuldigen, dass ich letzte Woche so plötzlich gegangen bin." Sie schüttelte entschieden den Kopf. "Du brauchst mir weder danken, noch Dich entschuldigen!" Wieder erhöhte sich mein Herzschlag. Und obwohl ich einigermaßen glücklich gewesen war, liefen die Tränen über meine Wange. "Emma." flüsterte sie und stand auf. Sie kniete sich vor mich, nahm mich in den Arm und wusste nicht einmal, was sie damit in mir auslöste. "Danke." schluchzte ich. Ich mochte diese Frau. Mehr als ich eigentlich sollte und durfte. Relativ schnell hatte ich mich wieder beruhigt, woraufhin sie sich von mir löste. "Lächeln Emma. Lächeln." Sie hatte recht, aber wie sollte das gehen? Keiner wusste wie es mir wirklich ging und ich konnte einfach nicht darüber sprechen. Nicht jetzt. Ich war noch nicht bereit gewesen und das war schlecht, denn ich wusste schließlich nicht, was auf mich zukommen würde. Ursprünglich war ich der Meinung gewesen, dass es bergauf ging, aber schnell wurde diese Hoffnung erloschen. "Möchtest du.. Möchtest du darüber reden?" fragte sie mich unsicher. Ich wusste was sie meinte und schätzte sie dafür. Aber ich konnte es immernoch nicht tun. "Noch nicht."

Nun möchte ich mal zu Wort kommen und euch fragen, wie ihr die Geschichte bisher findet? Diese 'Einblicke' in das, was noch kommen soll, habe ich von Maxi_Kasten . Ich habe mich generell ein wenig inspirieren lassen. Und hiermit wollte ich dir nochmal sagen, wie toll ich deine Art zu Schreiben mag. Vielleicht komme ich deinem Schreibtalent ja nach und kann es schon bald, auch als Talent sehen. Und auch wenn wir nicht viele Leser sind, bin ich jeden Tag sehr motiviert.

Can it be wrong? | Jane Clarke & Emma Krämer {1}Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt