Kapitel 9

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Seine Augen verfinstern sich als er das Wort Verlobung ausspricht. Allgemein wirkt er etwas schlecht gelaunt. Er versucht seine miese Laune zwar zu überschatten mit seinen leichten Worten, aber so ganz funktioniert es nicht.

Ich schaue ihn nur fragend an, deshalb beginnt er zu erzählen.
"Du hast dich mit Jasper verlobt. Offensichtlich kommt das Ganze nicht von dir aus, wie du Malachite anvertraut hast. Ich sehe eure Verlobung so: Ihr wollt mich und mein Königreich ausschließen. Vielleicht wollt ihr mich sogar stürzen." Seine Augen verengen sich. Jason hatte recht mit seiner Vermutung. Cayden denkt, dass wir etwas gegen ihn planen und uns deshalb mit den Feldricks noch enger verbünden wollen.

Ich will gerade zu einer Antwort ansetzen, als die Angestellte mit zwei Getränken an unseren Tisch kommt. Lieblos stellt sie mir das Bier auf den Tisch. Dabei schwappt die Hälfte über den Becherrand. Ich weiß nicht was sie hat, aber es nervt mich gerade, dass sie so mit mir umgeht. Wenn sie wüsste wer ich bin."Was soll das?", konfrontiere ich sie. Überrascht sieht sie mich an. Dann sagt sie:"Ich mag dich nur nicht. So einfach ist das." Empört schlucke ich bevor ich etwas dummes sage. "Wenn du wüsstest wer hier vor dir steht", rutscht mir dann doch raus.
"Wer steht denn vor mir?" Meine Zündschnur reißt. Aufeinmal stehe ich auf meinen Beinen und schaue mich im Raum um. Die Aufmerksamkeit der Männer liegt auf mir. Selbst die Piraten haben sich umgedreht. Als ich mir einen der Männer genauer anschaue, entdecke ich einen Säbel an seiner Hüfte stecken. Einen Säbel habe ich noch nie in der Hand gehalten. Dann wird es jetzt höchste Zeit das zu ändern. Ich renne auf den Piraten zu. Dabei werfe ich mehrere Stühle um. Als ich vor ihm zum stehen komme sage ich:"Den leihe ich mir mal fünf Minuten aus." Kurz darauf nehme ich mir den Säbel und renne wieder zurück zu der Angestellten.

Schneller als ich es realisieren kann, liegt der Säbel an ihrer Kehle. "Eine falsche Bewegung und du befindest dich unter der Erde. Falls irgendwer sich überhaupt die Mühe macht dich zu verbuddeln", sage ich und versuche dabei möglichst gefährlich zu klingen. Ich habe noch nie jemanden bedroht und bin mir unsicher warum ich es ausgerechnet jetzt tue.
"Du würdest mich sowieso nicht verletzen. Das wagst du nicht", antwortet sie mir bissig.
"Stell dich an die Wand." Ich zeige zu der Wand und schupse sie ein wenig in die Richtung. Der Säbel liegt immer noch an ihrer Kehle. Ich drücke sie an die Wand, sodass ihr Hinterkopf schmerzvoll an dieser aufprallt. Sie zischt und wirft mir alle möglichen Beleidigungen an den Kopf.

Bis jetzt hat noch keiner eingegriffen. Besser so. "Kann mir jemand drei Messer geben?", frage ich laut durch den Raum. Ein kleiner Mann mit vielen Tattoos erhebt sich, kommt auf mich zu und reicht mir stumm drei kleine Wurfmesser. Auf meinen Lippen bildet sich ein Lächeln. "Bleibe genau dort stehen. Mal gucken ob ich immer noch gut werfen kann", sage ich. Die Angestellte reißt ihre Augen weit auf. Bevor sie etwas antworten kann, werfe ich auch schon das erste Messer. Es landet neben ihrem rechten Arm in der Holzwand.

"Ich denke das reicht." Cayden ist aufgestanden und steht jetzt direkt neben mir.
"Hör besser auf deinen Begleiter", gibt die Frau von sich. Dann fügt sie noch hinzu:"Ich bin übrigens Jennah. Falls du in Zukunft mal Ablenkung brauchst, komm in die Lanest-" Weiter kommt sie nicht, da ich ein weiteres Messer werfe. Diesmal hat es ihre Schulter gestreift. Blut tropft an dem Messer herunter. Ihr Blut. Wieder formen meine Lippen sich zu einem Lächeln. Jennah ist nicht erfreut über die Zufriedenheit, die mein Gesicht kennzeichnet. Sie zieht die beiden Messer aus dem Holz, holt aus und wirft sie direkt auf mich. Ich ducke mich und kann gerade noch so ausweichen. Mit den Augen verfolge ich die Messer. Ein Mann musste ihnen genau wie ich auch ausweichen. Dann landen sie gleichzeitig auf einer Tischplatte.

"Komm wir setzen uns wieder an den Tisch", flüstert Cayden mir mit einem Grinsen zu. Ich folge ihm einfach und würdige der Angestellten keines Blickes mehr. Bevor ich mich setze, überreiche ich die Wurfmesser dem kleinen Mann und den Säbel dem Piraten.

Ich kann nicht begreifen, wie schnell ich die Kontrolle über meine Emotionen verloren habe. Das darf nicht mehr passieren. Von klein auf wurde mir beigebracht meine Emotionen zu kontrollieren. Das ist wichtig. Ich darf mich nicht so schnell aus der Bahn werfen lassen. Als ich mich setze, nehme ich einen großen Schluck meines Biers. Cayden grinst immer noch. Genervt verdrehe ich meine Augen.

"Entschuldigung. Aber ich habe noch nie so etwas gesehen." Verwirrt schaue ich Cayden an. "Was hast du noch nie gesehen?",frage ich.
"Ich habe noch nie gesehen, dass eine Prinzessin eifersüchtig auf eine einfache Kellnerin war und daraufhin ein Messer auf diese geworfen hat." Er lacht mich teuflisch an.
"Ich wette du hast auch noch nie gesehen, wie eine Prinzessin einen König erdolcht hat. Aber das kann ich gerne hier und jetzt ändern."

Nun lacht Cayden nur noch mehr und fällt dabei fast vom Stuhl. Nach einigen Minuten des Lachens wird er wieder ernst.
"Möchtest du eine Heirat mit Prinz Jasper verhindern?", fragt er. Als Antwort nicke ich.
"Dann haben wir jetzt das selbe Ziel." Freudig klatscht er in die Hände. Ich hingegen schaue ihn, wie so oft, verwirrt an.
"Wir werden dich ins Reich der Keldor schmuggeln, Liebes", klärt er mich auf.

Freude macht sich in mir breit. Er will mir helfen. Aber kann ich ihm vertrauen? Ich sollte nicht in zu große Euphorie verfallen. Was hat er überhaupt davon?

"Warum solltest du das für mich tun? Was nützt es dir?", frage ich ihn. Cayden schmunzelt. Ein Schatten legt sich über seine Augen. Er sieht mich gleichgültig an und sagt: "Ich mache das nicht für dich. Ich mache es nur für mich." Diese ehrliche Antwort hatte ich nicht erwartet. Entschlossenheit macht sich in seinem Gesicht breit. Er ist zielbewusst und hat seinen Plan schon genauestens vor Augen. Nur noch der letzte Teil seines Vorhabens fehlt.
Ich.

"Warum sollte ich dir vertrauen?", hake ich nach. Die Frage ist berechtigt. Nachdem was ich weiß, ist er sogar seinem eigenen Bruder kaltblütig in den Rücken gefallen. "Du musst mir nicht vertrauen und solltest es vielleicht auch nicht", ist das einzige was er noch sagt. Dann steht er auf, öffnet die Tür der Kneipe und ist verschwunden. Die Tür schließt sich mit einem Quieken.

Cayden hat nur wenig von seinem Plan offengelegt. Ich weiß nicht was auf mich zu kommt und viele Fragen meinerseits sind noch nicht geklärt. Nach kurzer Zeit entscheide ich mich die Kneipe zu verlassen. Auf den Tisch lege ich noch drei Calidosser als Bezahlung. Mit schnellen Schritten steuere ich auf die Tür zu. Draußen ist die Luft angenehm kühl. Der Himmel ist klar und ich habe einen perfekten Blick auf die Sterne. Besonders gut ist heute die gläserne Rose zu erkennen. Mit dem Wort Rose hat das Sternbild aber nichts zu tun. Es erinnert eher an einen Zwerg mit zwei Hörnern.

Ich will gerade den Rückweg antreten, als zwei Gestalten auf mich zu kommen. Als sie nur noch zwei Meter von mir entfernt sind, erkenne ich Malachite und Mady. Sie berichten mir, dass wir uns beeilen müssen ins Schloss zu kommen, da meine Abwesenheit jeden Moment enttarnt werden könnte. Also eilen wir durch die Straßen, steigen hinab in die Kanalisation und laufen den gleichen Weg wieder durch die Geheimgänge des Schlosses zurück zu meinen Gemächern. Mady hat sich schon verabschiedet und ist gegangen. Ich hätte ihr gerne noch von Caydens Plan erzählt, aber vielleicht ist es besser wenn sie nichts davon weiß.

Malachite steht angelehnt an der Wand. "Hat Cayden dir von seinem Vorhaben erzählt?", durchbricht er die Stille. Ich nicke stumm. Er fährt fort: "Du solltest es wirklich in Betracht ziehen. Eine bessere Gelegenheit wirst du nicht bekommen." Ich nicke wieder. Am liebsten würde ich jetzt einfach ins Bett fallen. Das Alles muss ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen. "Ich werd dann mal." Malachite zeigt auf die Tür des Geheimgangs. "Gute Nacht Malachite." Jetzt ist er derjenige, der nickt.

Als er verschwunden ist, schmeiße ich mich auf mein Bett. Kurz darauf schlafe ich auch schon ein.

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Kampf um CalidossWo Geschichten leben. Entdecke jetzt