7. nae sarang

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Neo hatte sich darum gekümmert, dass ich tatsächlich zurück zum Camp gefahren wurde und ich war ehrlich gesagt ziemlich dankbar über diese Entscheidung. Erst wollte ich noch einmal protestieren, aber meine Schüler hatten entgegen meiner Erwartung Mitleid mit mir und waren Neos Meinung, dass ich lieber ins Warme und in trockene Klamotten schlüpfen sollte. Sie würden die Wanderung nach Hause antreten, sobald alle genug gestärkt waren.

Zurück im Camp nahm ich dankbar die heiße Suppe, die mir angeboten wurde, und ließ mich im Gemeinschaftsraum nieder, wo ich in Ruhe ein wenig Papierkram erledigte und Tests kontrollierte, die ich mir mitgenommen hatte. Das war die einzige Möglichkeit, mich von Neos wunderbaren Gesicht abzulenken, das immer wieder zusammen mit seiner Stimme in meinem Kopf herumschwirrte.

Irgendwann hörte ich Millie durch das geöffnete Fenster schreien, dass sich jetzt alle für fünf Minuten zusammnenreißen sollen und danach machen können, was sie wollen. Schmunzelnd stopfte ich die Arbeiten wieder in die Tasche und erhob mich, um die Gruppe zu begrüßen. Außerdem hoffte ich auf Neo, der mich vielleicht wieder in den Arm nahm, wenn ich ihn sehnsüchtig genug ansah.

Ich stellte mich an die Tür, als die ersten Schüler auch schon an mir vorbei flitzten, dann entdeckte ich Millie in der Gruppe, die mehr als fertig aussah. Als ihr Blick meinen fand, rollte sie mit den Augen und kam eilig auf mich zugelaufen.

»Du hast ja keine Ahnung, wie sehr ich dich und deine Durchsetzungskraft vermisst habe«, jammerte sie und fiel mir um den Hals. »Die Kinder waren so schrecklich anstrengend, ich glaube, ich war noch nie so fertig wie jetzt.«

»Jetzt kannst du duschen gehen und danach erzählst du mir alles, okay?«

»Stinke ich so sehr?« Millie löste sich von mir und roch an sich, aber ich schüttelte leise lachend den Kopf.

»Nein, du riechst völlig in Ordnung«, beruhigte ich sie. Ich tätschelte ihre Schulter und half ihr dann aus ihren Rucksack. »Aber ich dachte, das würde dich jetzt erst einmal aufheitern.«

»Und wie mich das aufheitern wird«, grinste sie triumphierend, dann hüpfte sie auch schon los in Richtung ihres Zimmers, ohne sich um den Rucksack zu kümmern, den ich noch in meinen Händen hielt. Seufzend sah ich ihr nach, dann ließ ich meinen Blick wieder über alle anderen schweifen, aber von Neo gab es keine Spur. War er vielleicht gar nicht bis hierher zurück gelaufen?

»Suchen Sie Neo?«, fragte mich eine Schüler in mit einem Funkeln in den Augen, das mir seltsam unheimlich vorkam.

»Nein, ich habe nur nachgezählt, um zu prüfen, ob Millie euch alle heil hierher gebracht hat«, erwiderte ich und ich konnte die Enttäuschung beinahe greifen. Sie hatte definitiv eine andere Antwort erwartet und ich war mir nicht sicher, ob mir gefiel, in welche Richtung das ging.

»Aber falls Sie ihn suchen, er hat gesagt, er schaut am Nachmittag wieder nach uns, wir können auf den Hof und uns da austoben.« Sie lächelte unschuldig, dann hüpfte sie wieder zurück zu ihrer Freundin, die schon kichernd wartete.

Wunderbar, meine Schüler hatten meine seltsame Beziehung zu Neo mitbekommen und es würde wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis die Gerüchteküche zu brodeln begann.

Seufzend ging ich mit Millies Rucksack zum Zimmer meiner Freundin, wo ich darauf wartete, dass sie vom duschen zurück kam, um ihn ihr zu geben. Das dauerte Gott sei Dank nicht so lang und sie nahm ihn dankbar an sich.

»Sehen wir uns gleich auf der Terrasse?«, fragte sie und zupfte ihren Bademantel, den sie trug, zurecht. Ich nickte zur Bestätigung, dann schlüpfte sie durch ihre Tür ins Zimmer, um sich umzuziehen. Ich ging derweil schon einmal auf die Terrasse, um es mir auf einen der Korbstühle bequem zu machen. Glücklicherweise waren sie überdacht gewesen und somit nicht durch den Regen durchnässt.

Four Nights (ManxMan)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt