4. amore mio

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Nachdem Neo gegangen war, hatte mich der Schlafgott noch einmal in die Traumwelt geholt und mich bis  zu meinem Weckerklingeln wurde ich von allen Umwelteinflüssen in Ruhe gelassen. Verschlafen richtete ich mich auf und sah mich in meinem Zimmer um, aber von Neo war keine Spur mehr.

Brummend ließ ich mich wieder in mein Kissen fallen und mit einem Mal stieg mir sein Geruch in der Nase, welcher noch an meiner Bettdecke klebte. Ich zog die Decke über meinen Kopf und schloss genießend die Augen. Mir war gestern gar nicht aufgefallen, wie gut er roch, obwohl meine Nase förmlich an ihm geklebt hatte.

Dann wurde mir bewusst, was ich hier eigentlich tat und schlug mit einem Ruck die Bettdecke weg, bevor ich aus dem Bett sprang und tief durchatmen musste. Gestern hatte ich mich noch gefragt, was mit Neo los war, aber langsam beschlich mich das Gefühl, dass ich mich eher zusammenreißen sollte.

Ich schnappte mir meine Klamotten für den Tag und ging eilig duschen, da ich keine Lust hatte, das Frühstück und meine Chance auf heißen Kaffee zu verpassen. Und vor allem wollte ich vor Millie im Speiseraum sein, damit sie nicht irgendwelche Schlüsse ziehen konnte, weshalb ich zu spät kam.

Nach der Dusche huschte ich schon einmal zum Speiseraum, wo tatsächlich noch niemand zu finden war. Zum Glück, denn so hatte ich noch etwas Ruhe, bevor mich das Geplapper meiner Schüler wieder nervte.

Kaum hatte ich mir einen Kaffee aus dem Automaten gezogen, kam auch schon eine wirklich übermüdete Millie zu mir geschlichen. Ihre Augen waren halb geschlossen, ihre blonden Haare hingen in einen lockeren Dutt zusammen und allein ihre Haltung ließ darauf deuten, dass sie nicht wirklich in der Lage war, um diese Uhrzeit schon über etwas anderes nachzudenken als Kaffee. Ich war so nett und reichte ihr gleich meine Tasse, die sie mit einem dankbaren Nicken an sich nahm.

»Was hast du die ganze Nacht gemacht? Geschlafen jedenfalls nicht«, fragte ich schmunzelnd und sie rollte mit den Augen, bevor sie zu unserem Tisch, an dem wir gestern Abend saßen, tapste und sich auf einen Stuhl warf.

»Pete hat heute frei und wir haben die ganze Nacht irgendwelche Filme gestreamt und zusammen geschaut, bis es schon vier Uhr morgens war«, brummte sie und legte den Kopf auf den Tisch. »Ich hätte Neo nicht nach dem WLAN Passwort fragen sollen.«

»Ihr seid verrückt«, sagte ich kopfschüttelnd und ging mit meinem Kaffee zu ihr an den Tisch, um mich ihr gegenüber auf die Bank zu setzen.

»Ich weiß, heute Abend gehe ich auch früher ins Bett.« Sie gähnte herzhaft und nippte dann an ihrem Kaffee. Noch nie hatte ich sie so glücklich gesehen wie jetzt. Was Kaffee alles bewirken konnte.

Nun trudelten auch die ersten Schüler ein und versammelten sich mit ihren Portionen Frühstück an den Tischen. Der Raum füllte sich mit Stimmen und bald war unser Tisch der leiseste von Allen, zumal Millie immer noch wach werden musste.

Ich holte ihr einen Teller mit Brötchen und Belag, war sogar so nett und schmierte ihr die Brötchen, weil sie sich nicht dazu in der Lage fühlte. Manchmal war ich ein netter Mensch. Dann fing sie auf einmal an zu grinsen und sah mich durchdringend an und ich bereute augenblicklich, dass ich schon so früh etwas für sie getan hatte.

»Was?«, fragte ich scharf und sie gluckste nur noch mehr.

»Du bist ja heute wirklich freundlich unterwegs. Und siehst echt erholt aus.« Da ich erst keine Ahnung hatte, worauf sie hinauswollte, verzog ich das Gesicht und starrte sie durchdringend an, bis sich in meinem Kopf die richtigen Schrauben in Bewegung setzten.

»Wieso hast du Neo zu mir geschickt?«

»Habt ihr gevögelt?«

»Nein.« Millie schien meine Antwort nicht zu überzeugen, denn jetzt wurde ihr Grinsen fast schon anstrengend breit und ich rollte mit den Augen.

Four Nights (ManxMan)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt