»Und dann hast du auch nicht angerufen, und ich habe mich so einsam gefühlt«, murmelte ich und zupfte am Saum meines Pullovers, um meine Unsicherheit zu überspielen. Es war mir äußerst schwer gefallen, mich zu öffnen, aber Carters warme Hand, die meine umschlossen hielt, vermittelte mir etwas Sicherheit. Wir waren mittlerweile am Restaurant angekommen, aber saßen noch immer im Wagen, damit ich Carter alles in Ruhe erzählen konnte. Ich war mir sicher, dass ihm der Appetit vergehen würde, wenn ich meine Berichterstattung abgeschlossen hatte.
»Das tut mir wirklich leid, ich war nur so erledigt, und danach bist du nicht mehr ans Telefon gegangen. Also, absolut gar nicht mehr ans Handy gegangen, da hatte ich mir dann irgendwann wirklich Sorgen gemacht und entschieden, dass ich herfahre.«
»Ich habe vergessen, es an den Strom anzuschließen«, bemerkte ich und seufzte tief. Ich war wirklich ein Dummkopf. »Da wir es hier nicht brauchen, habe ich es auch irgendwie vergessen.«
»Naja, halb so wild. Willst du reingehen und dort weiter erzählen oder lieber hierbleiben?« Carter sah mich fragend an, um meine Antwort abzuwarten, ohne mich stressen zu wollen. Dann knurrte sein Magen und er musste ertappt lächeln.
»Wir gehen rein, ist schon okay«, beschloss ich und löste meine Hand von seiner, um aussteigen zu können. Mein Mann tat es mir gleich, dann ging er um das Auto und zog mich zu einer kurzen Umarmung in seine Arme.
»Wir können auch über etwas anderes reden, wenn du dafür lieber allein sein willst«, sagte er leise und küsste meine Stirn. Mir wurde wieder ganz schwummerig und mein Herz schmerzte, wenn ich daran dachte, wie liebevoll er doch war.
»Nein, ist schon okay«, erwiderte ich und ließ meinen Kopf seufzend gegen seine Schulter sinken. Ich war noch lange nicht am Ende meiner Erzählung angekommen, aber ich fühlte mich, als würde ich schon den ganzen Tag nichts anderes tun, als Carter ein Ohr abzukauen.
»Dann lass uns reingehen, ich habe wirklich Hunger«, sagte Carter und ergriff meine Hand, um gemeinsam mit mir ins Restaurant zu gehen. Ich entdeckte seinen Ring, der in der Sonne glänzte, als wollte das Metall es mir unter die Nase reiben, dass Millie das Gegenstück beherbergte.
Mein Mann betrat als erstes das kleine Lokal und meldete uns als zwei Personen beim Kellner an, der uns auf die Terrasse führte und auf einen Tisch deutete, der direkt am Geländer stand, von wo man über das Meer blicken konnte. Carter bedankte sich bei dem Kellner, bevor er mir mit einer Handbewegung zu verstehen gab, dass ich mir einen Platz aussuchen sollte. Ich setzte mich so, dass er mir gegenüber Platz nehmen konnte. Sobald sich der Ältere sich ebenfalls hingesetzt hatte, schlug er die Beine übereinander, nahm die Sonnenbrille von seiner Nase und sah mich auffordernd an. Seine blauen Augen glänzten leicht, und da wurde mir bewusst, dass er wahrscheinlich wusste, worauf das hinaus lief.
Ich fiel wie ein Häufchen Elend in mich zusammen und faltete die Hände in meinem Schoß, bevor ich tief durchatmete und angestrengt seinem Blick auswich. Das Meer war heute etwas ruhiger, trotzdem schlugen die Wellen unter der Terrasse gegen die Steine, was für jeden anderen sicherlich sehr entspannend gewesen wäre. Mich erinnerte es an Neo und der Gedanke an Neo bereitete mir Bauchschmerzen.
»Du weißt es, oder?« Meine Stimme klang fast schon weinerlich. Wenn er es wusste, dann brauchte ich ihm den ganzen Rest nicht mehr erzählen und konnte mich innerlich schon auf den anstehenden Nervenzusammenbruch vorbereiten.
»Ich habe eine Ahnung«, gab er nur zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. »Aber vielleicht täusche ich mich auch und es kam alles ganz anders bei euch beiden.«
»Wo-Woher-«
»Das Bett hat nach ihm gerochen.« Ich hob den Kopf, um meinen Mann anzusehen, aber nun war er es, der den Blick abwandte. Er tat so, als würde er den Kellner suchen, aber ich wusste, dass er mich gerade nicht ansehen konnte. Mein Herz stolperte, stand für eine Sekunde still, dann rutschte es mir in die Hose, und mit meinem Herzen auch gleich mein Wille, in diesem Stuhl sitzen zu bleiben.
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Four Nights (ManxMan)
Romance❅❅❅❅❅ Ich hatte aufgegeben, auf Carters Rückruf zu warten. Er war sicherlich wieder beschäftigt mit wer weiß was und langsam war ich es leid, der Einzige zu sein, der sich für den anderen interessierte. Frustriert zog ich mir die Decke über meinen K...