12. sötnos

221 20 14
                                    

Ich richtete mich langsam auf und zog den Ring unter dem Kopfkissen hervor, bevor ich ihn mit aufsteigenden Tränen in den Augen langsam zwischen meinen Fingern drehte. Im Inneren waren unsere Namen eingraviert, Carter und Finley. Sonst ließen mich die filigranen Buchstaben lächeln, aber jetzt fühlte ich mich so elendig wie noch nie und mein Herz wurde schmerzhaft in meiner Brust zusammengeschnürt.

Ich war dabei, Carter zu betrügen. Nein, falsch, ich hatte es schon getan, mit meinem ersten Kuss mit Neo, und mit den darauffolgenden auch. Mit meinen Gedanken, die sich um Neo kreisten, die sich wünschten, von ihm berührt zu werden und mit meinen Händen, die über Neos Haut strichen. Ich war der furchtbarste Ehemann auf der ganzen Welt.

Vorsichtig steckte ich den Ring zurück an meinen Finger. Das musste ein Ende haben, ich wollte nicht nach Hause kommen und Carter beichten müssen, dass ich ihn betrogen hatte, das verdiente er nicht. Ich hatte ihm zu unserer Hochzeit und etliche Male davor und danach versprochen, ihm nur das Beste auf der Welt zu geben, und dazu gehörte, einzig und allein ihm mein Herz zu schenken.

Aber es sah nicht richtig aus. Meine Augen brannten, während ich den silbernen Ring an meinem Finger beobachtete, und ich hatte das Gefühl, meine Haut darunter würde sich langsam selbst entzünden. Mein Magen fuhr Achterbahn und ich glaubte, mich gleich übergeben zu müssen. Ich wollte Carter nicht enttäuschen, aber gleichzeitig fühlte es sich einfach furchtbar an, diesen Ring zu tragen.

Schniefend löste ich meinen Blick von meiner Hand und kletterte schwerfällig aus dem Bett, um mich unter die Dusche zu stellen. Ich hatte die Hoffnung, dass mich eiskaltes Wasser beruhigen würde, aber danach fühlte ich mir nur noch schlechter. Ich hatte keine Lust, in meinem Zimmer zu bleiben, in meinem Bett, das nach Neo roch. Deshalb zog ich mich nach der Dusche an und schlurfte träge in den Speiseraum, wo natürlich wieder heißer Kaffee bereitstehen sollte.

Zu meiner Überraschung saß  Millie schon an unserem Platz und hob den Kopf, als sie mich entdeckte. Ihr freudiger Blick wich sofort einem besorgten, als sie meine geröteten Wangen und meine verheulten Augen sah.

»Du siehst echt scheiße aus«, kommentierte sie nicht nur mein Aussehen, sondern beschrieb damit auch perfekt meine Stimmung.

»Ich weiß«, erwiderte ich resigniert und einzig und allein der Kaffee, der gerade in meine Tasse floss, hielt mich davon ab, mich auf den Boden zusammen zu rollen und zu hoffen, dass mich meine Schüler zertrampeln würden.

»War Neo nicht die Nacht wieder bei dir?«, fragte sie neugierig, aber weniger aus Interesse an Neo, mehr wollte sie den Grund für mein Trübsal herausfinden. Ich nickte zur Bestätigung und nun kräuselte sich ihre Stirn von der Verwirrung, die ich damit in ihrem Kopf stiftete. »Und was macht dich daran jetzt traurig?«

Ich nahm meine Tasse und schlurfte damit zu ihr, setzte mich auf meinen Platz auf der Bank und legte zur Antwort meine Hand auf den Tisch, an der mein Ehering steckte. Erst schien sie es nicht zu verstehen, dann bemerkte sie den silbernen Schmuck und stöhnte leise auf.

»Du machst dir gerade einen Kopf wegen Carter?«, fragte sie etwas genervter als sie wahrscheinlich wollte, aber das ließ mich zusammenzucken und auf den Tisch starren. Natürlich machte ich mir Gedanken wegen Carter, schließlich wollte ich ihn nicht so kaltherzig hintergehen.

»Finley, ich meine das nicht böse, aber-« Millie unterbrach sich und seufzte noch einmal, bevor sie vorsichtig meine Hand ergriff und über den Ring strich. »Eure Ehe ist im Arsch. Carter interessiert sich nur noch für seine Arbeit, ihr schlaft nicht einmal mehr in einem Bett, und wenn, dann nur, weil wir Carter immer wieder daran erinnern müssen, dass es dich gibt.«

Die Worte versetzten mir einen Stich und ich zog meine Hand weg, um sie unter den Tisch auf meinen Oberschenkel abzulegen. Mein Magen rumorte wieder und erneut kämpften sich Tränen ihren Weg in meine Augenwinkel.

Four Nights (ManxMan)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt