Kuroo x Kenma

298 7 0
                                        

Tick, Tack.
Tick, Tack.

Die beiden Zeiger an der alten, hölzernen Uhr klangen wie eine Bedrohung in Kuroo's Ohren.
Seine Augen blieben wie festgeklebt an ihr stecken. Die Uhr stand ganz dicht neben dem Tisch, auf dem er gerade saß.
Das ständige hin und her pendeln der Zeiger und das Ticken der Uhr machte ihn langsam ganz schön nervös.
Wie eine Warnung, dass jetzt gerade die letzten Stunden seines Lebens läuten würden, kroch das bedrohliche Ticken tief in seine Ohren, direkt in seinen Kopf.
Schwer nahmen sie ihren Lauf.
Er konnte seine Augen nicht mehr von ihr abwenden. So tief gesunken war er in das Pendeln gewesen.

Tick, Tack.
Tick, Tack.

Natürlich könnte Kuroo jetzt einfach aufstehen, den Raum verlassen und die Tür hinter sich abschließen. Er muss sich das Ticken der Zeiger nicht anhören. Er muss nicht in diesem kalten und leeren Zimmer sitzen und sich diese ganzen, sinnlosen Gedanken machen. Er muss gar nichts von dem hier tuen. Aber er tat es. Er tat es, weil es endlich stoppen musste. Er konnte nicht mehr so weiter machen.
Und es musste schnell enden, sonst würde er noch am Ende dieses Tages noch das letzte Stück seines Verstandes verlieren. Das wusste er.

Tick, Tack.
Tick, Tack.

Perlen aus Schweiß bannte sich langsam auf seiner Stirn auf. Glitzernd leuchteten sie im Mondschein, der nur schwach durch die seidigen Gardinen hervor schien. Ihm war nicht warm oder ähnliches... es war eher das Gegenteil. Sein Schweiß fiel so schnell, dass Kuroo nicht mehr mitzählen konnte. So schnell, wie sie von seiner Stirn fielen, standen sofort neue Tropfen an der Reihe. Er wischte sich kurz über die Stirn. In ihm kamen unzählige Fragen hoch.

Wieso war ihm so heiß ? Und doch so kalt ? Wieso schwitzte seine Stirn so stark, während es ihm zugleich so frostig unter der Haut war ? Was ging hier bloß vor ?

Kuroo hörte für einen Moment auf ,mit seinem Fuß auf und ab zu wippen. Zur selben Zeit stoppte sein Finger, mit dem er gerade noch mit seinen Nägeln gegen das Holz des Tisches geklopft hatte. Nun herrschte im Raum Todesstille. Kuroo wendete seinen Blick nicht nach hinten, stattdessen blickte er aus dem Fenster.

Schau nicht nach hinten. Auf gar keinen Fall nach hinten. Tu's nicht.

Er musste sich ablenken. Der Winter fing gerade an, dass bemerkte Kuroo. Einige Schneeflocken flogen durch die Gegend. Einige blieben an der Scheibe kleben und fingen sofort an ,in Sekunden ,zu schmelzen. Das Fenster stand nicht auf der Kippe, weder war es geöffnet gewesen. Es war abgeschlossen... und doch konnte Kuroo nicht anders, und fühlte schon wieder die Kälte in das frostige Zimmer schleichen. Wie es direkt in seinen Körper eindrang. Wie es sich unter seine Haut krallte. Die kalten, frostigen Krallen der Kälte griffen verzweifelt nach seiner Haut und suchten einen Eingang, direkt in das Innere seines Körpers. Sein Herz schlug schneller. Er fühlte, wie sein Herz versuchte ,aus seiner Kehle herauszuspringen. Angespannt fing er wieder an und klopfte mit seiner rechten Hand wieder auf dem hölzernen Tisch vor ihm.

Es muss aufhören. Es muss einfach aufhören.

Und da fing er an ,zu beten. Verzweifelt wiederholte er schnelle Sätze zwischen seinem eisigen Atem und seinem starren Gesichtsausdruck. Mit verzweifelten Gebeten, dass Gott ihn zum letzten Mal erhören soll. Er war hilflos und brauchte unbedingt jede Hilfe, die er nur bekommen konnte.

Tick, Tack.
Tick, Tack.

Die beiden Zeiger liefen weiter und weiter, ohne ein Anzeichen, von einem Stopp.
Kuroo blickte zu seiner rechten Seite, dann zu seiner linken. Dann fing er an, sich zu wundern.

,,Irgendwo.... irgendwo, hab ich das doch hingelegt."

Er beugte sich runter und tastete den Boden ab. Auf der Suche nach dieser einen Sache. Der Stuhl quietsche leise unter seinem Gewicht. Kuroo tastete den Teppich und dann den kalten Boden... aber nirgendwo schien diese eine Sache zu sein, die er gerade so sehnsüchtig suchte. Er tastete weiter, bis dann plötzlich etwas... kaltes seine Finger streifte.
Mit einem Satz sprang sein Herz nach oben. Und es fühlte sich so an, als ob sein Herz für einen kurzen Moment aus seinen Rippen herausgesprungen war.

OneshotsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt