Ein ungutes Gefühl machte sich in meinem Magen breit. Will und ich standen am Rand des Sees. Weiter vor uns der riesige Wasserfall. Das Rauschen klang in meinen Ohren zu laut und zu friedlich, sodass ich die Anführerin nicht hören konnte.
Meine Nackenhaare stellten sich auf. Irgendwas stimmte einfach nicht, doch ich konnte nicht sagen was es war. Außer das uns eine Irre vielleicht in eine Falle gelockt hatte.
Will und ich kommunizierten nur noch per Telepathie miteinander, um nicht die Aufmerksamkeit auf uns zu locken. Dennoch fühlte ich mich beobachtet.
Plötzlich sauste eine Holzkugel an mir vorbei direkt auf Will zu. Mit einer übernatürlichen Bewegung schmiss er sich aus der Ziellinie und ich atmete erleichtert aus. Zu spät erkannte ich, dass das keine gute Idee war, denn die nächste Kugel folgte.
Will warf sich gegen mich und wir drückten uns hinter einen Felsen in Deckung.
‚Pass bitte besser auf.', schickte Will mir per Gedanken und ich nickte wie betäubt. Das war wirklich sehr knapp gewesen. ‚Annatonia ist sehr gut im Schießen. Wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir uns irgendwie an ihr anschleichen und sie im Nahkampf besiegen oder sie austricksen. Das heißt aber nicht, dass das nicht auch schwer wird.', erklärte Will.
‚Verstanden. Weißt du woher die Kugeln geschossen wurden?'
‚Ich glaube sie steht hinter dem Wasserfall.'
‚Wie wäre es wenn wir bis zum Wasserfall tauchen? Die Kugeln würden durch das Wasser abgebremst werden und es wäre schwerer uns zu treffen.', überlegte ich.
‚Dann müssten wir aber sehr schnell sein. Die Wahrscheinlichkeit das sie uns beim Auftauchen trifft ist dafür sehr hoch. Außerdem könnte sie schon zu einer anderen Stelle gewechselt sein.', erwiderte Will und mir kam plötzlich eine Idee.
‚Warte kurz', sagte ich ihm per Gedanken und konzentrierte mich, um dann einen Fisch zu hypnotisieren. „Schwimm zum Wasserfall und zeig mir dann was du siehst."
Der Fisch machte sich tatsächlich auf den Weg und Will sah mich erstaunt an. Ich war aber genauso überrascht, dass es wirklich funktioniert hatte.
‚Du überrascht mich immer wieder.'
‚Gleichfalls', entgegnete ich und Will schaute nachdenklich zur Seite. Er musste bestimmt an sein Verrat denken. Ups. So meinte ich das nicht ganz. ‚Hey. Denk nicht soviel darüber nach. Du bist ein Vampir und ich vertraue dir.', versuchte ich ihn aufzumuntern.
Wir sahen uns eine Weile an bis der Fisch wieder auftauchte und ich ihm seine Gedankenbilder entzog. Bei den Bildern die sich mir zeigten weiteten sich meine Augen.
„Luft holen!", schrie ich Will zu und packte ihn auch schon am Arm, um mit ihm dann ins tiefe Wasser zu springen.
Keinen Moment später explodierte es an der Stelle, wo wir zuvor standen. Ich zog Will weiter runter und wir schwammen bis wir hinter dem Wasserfall wieder auftauchten.
‚Sie hat sich an uns angeschlichen bevor wir es tun konnten', sagte Will zwischen meinen Gedanken.
Meine Kleidung lag schwer an mir und ich strich mir die Haarsträhnen aus dem Gesicht. Als ich mich wieder umdrehte, blieb mir die Luft weg.
Die Anführerin drückte Will grinsend ihre Knarre an sein Herz.
Will und ich wechselten einen Blick.
„Endlich habe ich euch.", zischte Annatonia. „Jetzt schicke ich euch dort zurück, wo ihr hingehört."
Und bei dem Satz ertönte ein Schuss.
Blut quoll aus der Wunde ihres Herzens.
Denn Tyler der hinter mir stand, hat ihr direkt ins Herz geschossen. Will und ich haben ihn beide zuvor bemerkt, trotzdem schlug mein Herz zu schnell. Will entwand der Anführerin ihre Waffe und sie fiel zu Boden. Blut lief seitlich ihren Mund entlang und das Licht in ihren Augen erlosch.
„Zum Glück habe ich es mal wieder pünktlich geschafft.", meinte Tyler belustigt, aber als ich ihn ansah, blickte er ernst auf die tote Anführerin herab.
Andere Schüler tauchten auf und entfernten die Leiche, während ich auf Will zu lief und ihm in die Arme fiel. Sein Parfum und seine Wärme umschlossen mich. Er strich mit seiner Hand über mein Haar und küsste meine Stirn.
„Weißt du eigentlich wie sehr ich dich liebe?", fragte Will und ich musste lachen.
„Du hast die schlechtesten Timings."
-
Will und ich traten durch die Tür. Die Party lief schon im vollen Gange. Es waren nun einige Wochen vergangen und die Schüler schienen wieder viel entspannter zu sein. Die Vampirjäger wurden weggeschafft, darum hat sich der neue Vampschulleiter gekümmert. Sowie die Schule etwas restauriert und gereinigt wurde. Heute wurde der Tag zum Ende des Halbjahres und somit zum Anfang der Ferien gefeiert. Das war üblich an der School of Darkness. Eine Art Tradition, die immer wiederholt wird. Ich schaute durch die Gegend.
Kate stand mit einem Weinglas in der Hand an der Wand gelehnt und bemerkte mich vom anderen Ende des Raumes. Sie prostete mir in der Luft zu und ich nickte überrascht lächelnd.
Will's Hand an meinem Rücken schob mich weiter vorwärts und wir begrüßten ein paar Mitschüler. Als ich zu Tyler gehen wollte, wurde ich von Will gestoppt, da Tyler mit seiner Begleitung ‚beschäftigt' war. Kopfschüttelnd führte mich Will weiter.
Wir gingen zum Garten und setzten uns an den Poolrand. Es war dunkel und man konnte die unzähligen Sterne im Himmel besonders gut beobachten. Meine Beine tauchten ins lauwarme Wasser und bewegten sich von selbst vor und zurück. Ich lehnte meinen Kopf an Will's Schulter und er spielte mit meinem Armband.
Meine Augen schlossen sich und ich genoss seine Anwesenheit, das Gefühl, das er mir gab und seinen Blick, den ich auf mir spürte.
„Wenn du mich jetzt nicht gleich küsst dann mach ich es.", grinste ich und Will lachte. Seine Hand legte sich an meinem Nacken und er zog mich zu sich, als er mich innig küsste. Meine Lippen kribbelten und verzogen sich wieder zu einem Lächeln. „Ich liebe dich auch."
Ende
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School Of Darkness
VampireEr keuchte auf. Ich war so hungrig. Es fühlte sich nicht real an. Ich erkannte sein Gesicht vor mir. Dunkelblonde Haare, schwarze kantige Augenbrauen, schöne Lippen, wobei die untere Lippe größer war, sowie dichte lange Wimpern, hazel Augen in denen...
