DREIUNDDREIßIG

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Ich hatte mein Zeitgefühl verloren und wusste nicht mehr wieviel Uhr es war. Die ganze Zeit über starrte ich die Wand an und versuchte mich mit irgendwelchen Szenarien, die ich mir im Kopf ausdachte, abzulenken bis die Tür einen Laut von sich gab und sich öffnete. Will trat ein und ich blinzelte verwirrt auf. Er war allein.

"Dachtest du ernsthaft ich glaube dir nicht?", grinste er und kam um den Tisch herum, um mich sofort von den Fesseln loszubinden. Anscheinend waren wir in Eile.

"Hat auch ziemlich gedauert.", sagte ich und massierte vorsichtig meine Handgelenke.

"Wir sollten los.", meinte Will und nahm meine Hand, um mit mir möglichst leise den Keller zu verlassen.

"Ich muss zu Kate.", sagte ich fest. Will sah mich etwas zu lange an, doch dann nickte er. Wir sahen um die Ecke und ich lauschte gespannt. Zwei Personen.

"Was sollen wir-"

"Ihr beiden da! Kommt schnell! Das Mädchen ist entkommen!", rufte Will, als er hektisch um die Ecke rannte.

"Das ist eine schlechte Idee!", zischte ich und mein Adrenalinpegel stieg schnell in die Höhe.

Die Wächter kamen um die Ecke und ich trat einem direkt in sein Gesicht, sodass er nach hinten flog. Neben Will landete der andere Mann auch bewusstlos zu Boden. Wir tauschten uns einen Blick aus und gingen dann zügig weiter.

Ich schloß hinter mir die Kellertür und stand nun mit Will im Flur des Vampgebäudes. Es ist düster in den Räumen und durch die Glastür kann ich erkennen, das es nachts war. Mir wird etwas unwohl, da alles so ruhig scheint.

"Kate ist in der Hütte 23.", flüsterte er mir zu und sah sich kurz um.

"Kommst du nicht mit?", fragte ich ihn verwirrt. Will schüttelte den Kopf.

"Wir sehen uns später wieder.", erwiderte er bloß und schon war er verschwunden. Später, dass klang verlockend.

Ich verließ das Gebäude und ging an der Mensa und den vielen weiteren Hütten vorbei. Wieso musste ihr Haus so weit entfernt sein?

Als ich endlich die Hütte betrat, stellte ich fest, dass ich nicht wusste welches Zimmer ihres war, doch dank meiner speziellen Hörkraft fand ich dies schnell heraus. Auf ein ruhiges Gespräch hatte ich keine Lust, deswegen öffnete ich direkt die Tür. Kate saß an ihrem Handy und zuckte zusammen als sie mich sah.

"Was?!", fing sie an doch zu weiterem kam sie nicht.

Meine Faust landete auf direktem Weg in ihr Gesicht. Kate holte erschrocken nach Luft, doch ich drückte ihre Kehle zu.

"Wie konntest du sie nur umbringen!", schrie ich und sie versuchte mich von ihr wegzudrücken, doch das verstärkte nur meinen Griff.

"Ich hasse dich!", schrie ich wütend.

Eine Träne rollte meine Wange hinunter. Wieso musste ich weinen, wenn ich wütend war?! Kate japste wieder nach Luft und ich ließ los, was keine so gute Idee war, denn Kate schubste mich von ihr runter und schlug mir in den Bauch.

"Du hast Mr. Henningston umgebracht und machst dir Sorgen, das jemand anderes deine beste Freundin umgebracht hat?", zischte Kate, die sich für den nächsten Schlag bereithielt.

"Ich hab ihn nicht umgebracht!"

"Ich habe sie auch nicht umgebracht!", schrie sie zurück.

Angewidert sah ich sie an.

"Wieso soll ich dir das glauben?! Alles weißt auf dich hin!"

"Dann hypnotisier mich doch einfach und finde es selbst heraus!", zischte Kate, die ihren Hals rieb.

Fast hätte ich es mir andersüberlegt, doch mir wollte auch niemand glauben, als mir der Mord von Mr.Henningston angeschrieben wurde.

Mit meinen Augen nahm ich zögernd ihren Blick gefangen und fokussierte mich dann darauf sie zu hypnotisieren. Der Ausdruck in ihrem Gesicht veränderte sich leblos und starr, wie jedes Mal, wenn wir im Unterricht unsere Fähigkeiten trainierten.

"Sag mir die Wahrheit. Hast du Thea umgebracht?", fragte ich mit versucht klarer und ruhiger Stimme.

"Nein."

Ich fragte sie nochmal. Dieselbe Antwort.

"Fuck.", fluchte ich, als ich von Kate losließ und sie mich misstrauisch ansah. "Du warst es wirklich nicht."

"Hab ich dir doch gesagt!"

"Ja, aber wer war es dann?"

Der Gedanke, das ich nicht mehr Gewissheit über die ganze Situation hatte, machte mir Angst.

Die Tür ging auf und Tyler stand plötzlich vor uns.

"Mila? Was machst du hier? Ist auch egal. In der Schule ist ein Alarm losgegangen, da unbefugte Leute unser Schulgrundstück betreten haben.", redete er darauf los und sah uns nacheinander bedeutend an. Durch die Ernsthaftigkeit indem er diese Worte aussprach, verstärkten sich meine Sinne und meine Kräfte somit auch. "Barth sagte wir sollen die Hütten nicht verlassen."

"Psst.", flüsterte ich achtsam und die anderen beiden folgten meinem Blick in Richtung Treppe, die man durch den Spalt der offenen Tür sehen konnte.

Meine Stirn legte sich in Falten, als ich etwas metallisches Glitzern sehen konnte. Ehe mir bewusst wurde, schoss etwas durch die Luft. Ich schrie erschrocken auf und Kate fiel zu Boden. In ihrer Brust eine klaffende Wunde. Der Geruch von Blut stieg mir in die Nase und meine Fangzähne traten unkontrolliert zum Vorschein. Als ich ein Blick auf Tyler warf, konnte ich das Gleiche sehen, was in ihm vorging. Das alles passierte gefühlt in einer Sekunde und wir beide überlegten nicht lange und machten uns in Deckung.

Wir wagten es nicht hinter dem Schrank hervorzuschauen. Ich hörte, wie jemand in den Raum hineinkam und dann wieder hinausging.

"Ich bin hier fertig."

"Hast du den Jungen gesehen?", fragte eine Frauenstimme.

"Nein. Er muss wohl in eine andere Hütte gegangen sein.", informierte der Mann und die Stimmen wurden immer leiser, als sie die Treppen runtergingen.

Tyler und ich atmeten erleichtert aus, als ich im ein Zeichen gab, das sie aus dem Haus waren.

"Das war ein Holzpfeil.", bemerkte er, während er Kates Wunde genauer betrachtete.

"Soll das heißen, das..?"

Betroffen sah ich Tyler an, ohne den Satz auszusprechen, doch das brauchte ich auch gar nicht denn Tyler verstand.

"Ja."

"Ich muss Will finden. Er könnte in Schwierigkeiten stecken."

Ich machte mich schon auf dem Weg loszugehen, doch Tyler hielt mich am Arm zurück.

"Mach dir nicht so voreilige Gedanken! Du hast doch gesehen, was mit Kate passiert ist. Die Vampirjäger könnten noch in der Nähe sein. Willst du etwa das dir das Gleiche passiert?"

"Du hast Recht.", stellte ich fest und blickte auf die Leiche nieder. Ich hörte etwas Klicken und sah wieder zu Tyler hoch, der eine Knarre in seiner Hand hielt, die er mit Kugeln beladete.

"Dafür habe ich die hier.", grinste er.

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