Blake

3.4K 75 5
                                        

Der Winter kommt und langsam wurde es echt kalt draußen. Ich stand an der letzten Ampel und rieb mir die Hände. So langsam könnte es grün werden. Ich warf einen Blick auf die Uhr und ich hatte noch mehr als genug Zeit. Ausnahmsweise Mal. Ich schaute wieder zurück zur Ampel, als ich sie aus dem Augenwinkel sah. Tara, wie ich von Adam korrigiert wurde, kam grade aus der Tür zur Subway raus. Auch sie schien von der Kälte ergriffen worden zu sein, denn sie zog sich ihre Kapuze über den Kopf und steckte die Hände in die Taschen. Anscheinend weiß sie noch nicht, dass wir eine unterirdische Verbindung von der Haltestelle zur Schule haben. Sie ging vor mir über die Ampel, aber scheint mich nicht zu bemerken. Wahrscheinlich erkennt sie mich nicht mal. Ich schaue ihr weiterhin hinterher, als mich ein Hupen wieder in die Realität holte. Die Ampel ist umgesprungen. Schnell legte ich den Gang ein und fuhr los, fuhr an ihr vorbei. Ein Blick in den Rückspiegel verriet mir, dass auch sie mir hinterher schaute. Ich bog auf den Parkplatz der Schule und beeilte mich, damit ich schnell ins Warme komme. Gerade als ich um die Ecke kam, sah ich wie Tara durch die Tür verschwand. Auch ich ging die Treppen hoch. Kurz vor der Ecke zum Gang mit meinem Spint, hörte ich Lucies schrille Stimme. Na die hat mir gerade noch gefehlt. "Na Aschenbrödel, deine Sachen mal wieder aus dem Müll gesammelt?" Ich sah, wie Tara verletzt das Gesicht verzog, während Lucie und Clair hysterisch lachten. Lucie erblickte mich und winkte mir hektisch zu. "Schatz hier bin ich!" rief sie. Ahja fast hätte ich sie Übersehen. Auch Tara schaute jetzt zu mir und unsere Blicke kreuzten sich. Das war aber nicht von langer Dauer, denn im nächsten Moment hing Lucie an meinem Arm. Sie drückte ihr Lippen auf meine Wange und hinterließ einen feuchten Film. Tara packte schnell ihre Sachen zusammen, schloss ihr Spinttür und ging auf uns zu. Sie schaute Lucie an. "Nur damit du es weißt, am Ende bekommt sie den Prinzen." Dann setzte sie ihren Weg fort. Ich blickte ihr nach und sah, dass Adam, welcher nur ein paar Schritte hinter uns war, ihr ein beeindrucktes Lächeln schenkte. Ich bin auch überrascht von Taras Schlagfertigkeit, aber auch von der Ruhe und Eleganz fasziniert, die sie jedes Mal ausstrahlt. "Hä, wie hat die das denn gemeint?" hörte ich Clair fragen. "Weiß ich doch nicht in welcher Märchenwelt sie lebt. Aber das kann uns ja egal sein, stimmts Schatz." Amüsiert über die hohlen Köpfe der Beiden schüttelte ich den Kopf und öffnete meinen Spint um den Helm abzulegen und die Bücher rauszuholen. Wenn Tara  das noch miterlebt hätte, wie die beiden es nicht gerafft haben. Aber vielleicht kann sie sich das auch denken. 

"... Hey! Blake! Hörst du mir überhaupt zu?" Adam wedelte mit der Hand vor meinem Gesicht. Ich schüttelte mit dem Kopf. "Ich habe gesagt, dass ich heute eine halbe Stunde früher vom Training los muss. Amy muss zum Arzt und ich soll sie fahren." "Achso, in Ordnung. Ist aber das letzte Training vorm Spiel am Wochenende." "Als ob ich das nicht weiß. Amy lässt mich deshalb früher rauf, damit ich noch ein paar Grundübungen machen kann. Ich wollte fragen, ob du mitkommst?" "Ja geht klar. Also gleich nach der Schule?" fragte ich ihn. Er nickte. Im Hintergrund hörte ich die beiden Mädels tuscheln. 

Ich nahm meine Tasche und warf sie über die Schulter. Gerade als Adam und ich los gingen, hielt Lucie uns auf. "Wartet mal ihr Beiden!" fing sie an. "In drei Wochen ist ja der Winterball und weil Blake da mit mir hingeht und Clair noch keine Begleitung hat, Adam, gehst du mit ihr hin. Wir tragen beide hellblau. Nur damit ihr das wisst." "Urgh, nein Danke." sagte Adam. Verwirrt schaute Lucie zu Adam. "Ich weiß aber, dass du auch noch keine Begleitung hast. Du willst doch nicht etwa alleine gehen?" "Ich würde sogar lieber im Tutu kommen." mit diesen Worten drehte Adam sich um und ging. Lachend lief ich ihm hinterher. "Ich hole dich denn ab. Dann will ich aber auch das Tutu sehen." rief ich zu ihm. Auch er lachte. "Für dich würde ich alles tun, mein Schatz." Während er das sagte klimperte er so übertrieben mit seinen Augen, wie Lucie es immer bei mir tut. Das brachte mich nur noch mehr zum Lachen. 

***

Der Schultag ist geschafft. Ich packte meine restlichen Sachen in den Spint und lief dann zu meinem Motorrad um zur Eissporthalle zu fahren. Adam ist schon los. Der hatte eine halbe Stunde früher Schluss. Ich parkte mein Motorrad und ging dann rein. Amy stand hinterm Tresen. "Hallo Amy." grüßte ich sie. "Er ist schon auf dem Eis." Ich ging zur Umkleide und zog mich um.

Als ich die Halle betrat sah ich, dass Adam gerade seine Runden zum Warm werden fuhr und dabei mit einem Mädchen redete, ich kann aber noch nicht erkennen wer das ist. Beide scheinen sich aber gut zu verstehen. Interessant, dachte ich. Adam und ein Mädchen, das ist ja spannend. Ich wollte gerade das Eis betreten, als das Mädchen anfing zu lachen. Im selben Moment machte sie eine elegante Drehung und fing an über das Eis zu tanzen. Da erkannte ich Tara und mir stockte der Atem. Ich beobachtete sie und bin überwältigt von ihrer Eleganz. Sie schwebte regelrecht über das Eis. Jede Bewegung scheint genaustens durchdacht zu sein, bis in ihre Fingerspitzen. Es sieht so harmonisch aus und in ihrem Gesicht ist nicht ein Hauch von Anstrengung zu sehen. Sie sieht so zufrieden aus, genießt den kühlen Fahrtwind, der ihren Rock und ihre Haare fliegen ließ. Sie sieht aus wie eine Prinzessin. Eine Eisprinzessin

Ich bemerkte wie sie langsamer wurde und in der Mitte stehen blieb. "Schön nicht wahr?" erschrocken schaute ich zur Seite, wo Amy aufgetaucht ist. "Ich stand genauso da, wie du jetzt. Ich glaube was Schöneres habe ich noch nie gesehen." sagte sie. Ich schaute wieder zu den beiden. Adam hat mittlerweile angefangen für das Training aufzubauen, während die beiden sich Unterhalten. Diesmal ging ich wirklich auf das Eis und bekam sogleich die Aufmerksamkeit von Tara. Ihr Lächeln, was sie bis dahin auf den Lippen trug, erstarb und sie hörte auf zu reden. Adam bemerkte das und schaute zu ihr und da erblickte er auch mich. "Hey, da bist du ja. Du hast leider Taras unglaubliche Show verpasst. Hätte sie mehr Muskeln, könnte sie glatt bei uns im Team mitspielen und ich sag dir, wir würden nur noch Gewinnen. Die Frau versteht was vom Eislaufen." er zwinkerte ihr zu. "Danke, dass ist nett von dir, aber ich glaube mit Muskeln ist das nicht getan." sagte sie leicht lachend zu Adam. Irgendwie passt mir das gar nicht, dass die sich so gut verstehen. Ich schaute Tara an. "Wir haben keine Zeit für Albernheiten. Am Wochenende haben wir ein wichtiges Spiel und müssen jetzt trainieren. Also räum das Eis." sagte ich forsch zu ihr. Bedrückt nickte sie, drehte sich um und glitt zum Ausgang. Ich schaute ihr dabei hinterher. Als ich zurück zu Adam blickte, schaute der mich mit hochgezogener Augenbraue an. "Los jetzt, zehn schnelle zum warm werden!" sagte ich mit Nachdruck zu ihm und sprintete los. 

*** 

"Fuck!" brüllte ich meinen Frust raus. "Fuck, fuck, FUCK!" ich warf meinen Schläger zu Boden und stützte mich an der Wand ab. Ich bin der Letzte auf dem Eis. Mein Training lief nicht gut und ich wollte deshalb noch ein paar Grundübungen machen. Ich verpasste der Wand einen Tritt und hob meinen Schläger wieder auf. Ich legte den Puck wieder in Position, setzte an und fing an ihn an den Hütchen vorbei zu spielen Richtung Tor. Doch meine Gedanken drifteten immer wieder ab. Immer wieder sah ich Tara über das Eis gleiten. Immer wieder musste ich daran denken, was sie zu Lucie gesagt hat. Dass das Aschenbrödel den Prinzen bekommt. Ich stolperte über meine eigenen Füße, verlor das Gleichgewicht und flog hin. Frustriert blieb ich liegen. 

Das Aschenbrödel bekommt den Prinzen und ich wäre gerne der Prinz, der das Aschenbrödel bekommt. 

"Ey, bist du bald fertig? Ich will Feierabend machen und das geht erst, wenn ich das Eis gemacht habe!" rief jemand vom Rand der Bahn. Ich stand auf und fing an die Hütchen zusammen zu Sammeln und schob die provisorischen Tore von der Bahn. Fertig umgezogen begab ich mich zu meiner Maschine. Mit Vollspeed fuhr ich nach Hause!

Die EisprinzessinWo Geschichten leben. Entdecke jetzt