Allerdings schmeichelte es mir ziemlich, wie er mich beschrieben hatte. Wunderschön und stark. Das ging runter wie Öl.
„Teilen andere Frauen Ihre Auffassung?", fragte er.
„Warum sollten sie nicht? Es gibt immer Menschen, die einfach doof sind. Aber es gibt auch die, die in Ordnung sind. Warum sollten Sie keine treffen, die in Ordnung ist?"
„Meine Frau möchte immer von mir genommen werden. Sie würde mich auslachen, wenn ich mich ihr fügen wollen würde. Früher, in der Schule ..."
Ich wartete.
Eine Vermutung, was jetzt kommen würde, hatte ich schon. Vermutlich hatte es dort ein Mädchen gegeben, das ihn süß gefunden hatte oder nur so getan hatte, als ob, ihn ausgenutzt und für ihren Spaß benutzt hatte – und er hatte es gut gefunden. Woraufhin er das Gespött sowohl unter den Jungs als auch den Mädchen geworden war. Weil er ja so fügsam gewesen war und es toll gefunden hatte.
Mal schauen, ob ich Recht behielt.
„Es gab da dieses Mädchen, in das ich total verliebt war. Sie war wunderhübsch und jeder Junge wollte mit ihr ausgehen. Sie hat mich ausgesucht. Weil sie ihre Jungfräulichkeit verlieren wollte und ich ihr irgendwie harmlos erschien.
Ich habe es einfach mit mir machen lassen und fand es irgendwie ... schön. Verstehen Sie? Mich einfach fallen zu lassen und um nichts zu kümmern. Auch, wenn das irgendwie doof klingt. Ganz in dem Moment aufgehen, nicht denken müssen ..."
Er sprach nicht weiter, aber das musste er auch nicht.
„Jeder Mensch ist richtig so, wie er ist", sagte ich. „Es erkennen nur nicht alle. Und gerade festgefahrene Muster ändern sich nur schwer. Wir sind alle irgendwo Opfer unserer Erziehung und der gesellschaftlichen Werte und Normen. Das heißt nicht, dass alles schlecht ist. Nur, dass wir manchmal Dinge überwinden müssen. Und nicht jeder zu jeder Zeit dazu in der Lage ist. Wollen Sie wissen, was ich denke?"
Fast wäre mir ein „Du" herausgerutscht. Ich musste wirklich mal eine Pause machen. Morgen hatte ich wenigstens frei.
„Gerne. Ich weiß zwar nicht, wer Sie sind, aber ... Sie sind da."
„Ich denke, dieser Traum möchte Ihnen sagen, dass es nicht schlimm ist, sich hingeben zu wollen und das gutzufinden. Jeder mag unterschiedliche Dinge. Und Sie sind nicht weniger ein Mann, nur, weil sie etwas anderes mögen."
Ich seufzte. Vermutlich würde ich die nächsten Stunden hier verbringen.
„Wollen Sie hier schlafen? Wenn Sie möchten, bleibe ich auch da, falls Sie wieder einen Alptraum haben."
„Das wäre schön", murmelte Jonathan, legte einen Arm um mich und seinen Kopf auf seine Brust. Es dauerte keine Minute, bis er eingeschlafen war.
Der Raum wurde morgen wenigstens nicht gebraucht, ich musste also keinen Wecker stellen, sondern konnte mich auch ausruhen.
Jonathan tat mir leid.
Er war so ein lieber Mann und seine Frau benutzte das einfach gegen ihn, um ihn kleinzuhalten. Das war nicht fair, egal, wie gut es für meinen Geldbeutel war. Immerhin wusste er, dass ich nicht über ihn urteilte und er bei mir so sein konnte, wie er wollte. Auch, wenn das nur mein Job war.
„Schlaf gut", murmelte ich. „Und träum schön, Jonathan."
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Little Ireland
CintaTrinity betreibt als FemDom einen Bauernhof mit angeschlossenem BDSM-Domizil. Ihr Leben gerät komplett aus den Fugen, als sie sich in einen ihrer Kunden verliebt, der ein düsteres Geheimnis in sich trägt ...
