Er war weg. Ich konnte es immer noch nicht fassen. Als ich am Samstagmorgen ins Hotel kam, erzählte man mir, dass Matheo bereits am Vortag ausgecheckt hatte. Alle waren richtig bestürzt gewesen und es wurde befürchtet, dass er es hier nicht mehr ausgehalten hatte. Dass er nicht bis zum Ende der angedachten Zeit geblieben war, sorgte für schlechte Stimmung im ganzen Hotel. Und erst recht bei mir. Allerdings konnte ich den anderen nicht sagen, dass es aus meiner Sicht noch andere Gründe gab, sauer auf ihn zu sein. Ich verstand nicht, wie er einfach abhauen konnte. Ohne nochmal mit mir zu reden. Ohne sich zu verabschieden. Wer tat so etwas? Für so feige hätte ich ihn nun wirklich nicht gehalten.
Nachdem ich erfahren hatte, dass er weg war, war ich völlig am Boden zerstört gewesen. Ich stand vollkommen neben mir und konnte mich auf kaum etwas konzentrieren. Keine Ahnung, wie ich den Arbeitstag hinter mich hatte bringen können. Und ich konnte noch weniger verstehen, wie den anderen gar nicht aufgefallen war, wie schlecht es mir ging.
Tine hatte zwischendurch gefragt, wie es gelaufen war. Auf ihre Nachricht hatte ich ihr kurz und knapp geantwortet, dass er nicht mehr da war. Daraufhin wäre sie am liebsten sofort zum Hotel gekommen, allerdings riet ich ihr, erst am Abend dort aufzutauchen. Schließlich hatte ich noch arbeiten müssen. Aber als ich Feierabend hatte, war Tine da gewesen. Vermutlich hatte sie vor dem Hotel schon auf mich gewartet. Als ich rauskam, lief sie auf mich zu, so sehr beeilte sie sich, um mich in die Arme zu schließen. Ich fand ihre Reaktion zwar total übertrieben, aber ehrlich gesagt fühlte es sich trotzdem gut an, etwas Trost zu erhalten.
„Wollen wir auf den Adventsmarkt gehen, oder willst du hier lieber weg?", fragte sie vorsichtig. Vermutlich dachte sie, mich würde hier alles zu sehr an ihn erinnern.
„Der Adventsmarkt klingt gut", sagte ich. Eigentlich hatte ich gar keine Lust, dahinzugehen, aber vielleicht wollte ich mir auch einfach nur selbst beweisen, dass ich auch ohne ihn Spaß haben könnte und sein Weggehen mir überhaupt nichts ausmachte. Was natürlich überhaupt nicht stimmte. Da konnte ich mir noch nicht einmal selbst etwas vormachen.
Tine fragte mich zwar, wie es mir ging, aber sie merkte schnell, dass ich nicht mehr über Matheo reden wollte. Also ließ sie mich irgendwann mit dem Thema in Ruhe und versuchte, ihr Bestes zu geben, um mich abzulenken. Wir schlenderten mal wieder über den Adventsmarkt, um uns noch einmal alles in Ruhe anzuschauen. Doch dieses Mal war es bei Weitem nicht so schön wie beim letzten Mal. Und das lag nicht nur daran, dass ich die angebotenen Sachen mittlerweile auswendig kannte.
„Hallo Lara", hörte ich eine helle Stimme hinter mir, als ich gerade an einem Stand mit verschiedenen Holzfiguren stand, die mich dummerweise an den Stern erinnerten, den Matheo nach dem Quiznachmittag erhalten hatte.
Ich drehte mich um und sah Regina hinter mir stehen, die diesen Tag frei gehabt hatte und der ich daher heute noch nicht über den Weg gelaufen war. Und ehrlich gesagt war ich darüber auch recht froh gewesen.
„Hallo Regina", begrüßte ich sie betont fröhlich. „Dich treibt es also auch an deinem freien Tag hierher. Das hätte man sich ja denken können. Du kannst auch nicht wirklich loslassen, oder?"
„Nein definitiv nicht", sagte sie lachend. Doch dann wurde sie plötzlich ernst, kam einen Schritt näher und sagte flüsternd: „Ich habe gehört, Herr Freisinger ist zwei Tage früher als geplant abgereist. Weißt du, was die Gründe dafür sind?"
Und genau deswegen war ich so froh gewesen, Regina bislang nicht begegnet zu sein. Denn natürlich hätte sie mir diese Frage sonst schon früher gestellt. Und ich hatte keine Ahnung, was ich darauf antworten sollte.
„Nein, ich kann dir nicht sagen, warum er bereits gestern ausgecheckt hat."
Regina sah mich stirnrunzelnd an. Anscheinend konnte sie nicht wirklich glauben, dass ich gar nichts wusste.
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Die Adventsplanerin - Liebe im Traumzeithof
RomanceLara steht unter Schock: Nach einem Jobverluss muss sie zurück in die ungeliebte Kleinstadt ziehen, wo sie als Adventsplanerin im Traumzeithof anfängt. Dort trifft sie auf den arroganten Reisereporter Matheo, der über die traumhafte Atmosphäre des H...