4 | Flucht

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Trigger Warnung: Angst vor Verfolgung

Es stand unentschieden, also hat die Autorin euch die Entscheidung abgenommen. Here we go!

Gibt es Engel? Ja, ich bin davon überzeugt aber sie tauchen nicht in Leben wie dem meinen auf

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Gibt es Engel? Ja, ich bin davon überzeugt aber sie tauchen nicht in Leben wie dem meinen auf. Doch stehe ich hier. Menschen helfen einander nicht, sie stehen nicht füreinander ein, das ist nur im Fernsehen so. Die Leute um uns herum gaffen, ergötzen sich, warten das es noch mehr zu sehen gibt. Nur der Engel in der Mitte nicht, er sieht mich an. Mit einer Güte die übernatürlich ist. Die mir Tränen in die Augen treibt, noch nie wurde ich so angesehen.

Es sind die Drogen, bestimmt ist das mein letztes Stündlein, eine Überdosis wovon auch immer. Mein Leben ist jetzt zu Ende und in den letzten Sekunden darf ich erleben, wie es ist eines dieser himmlischen Wesen zu sehen. Hätte ich gewusst, dass sterben so schön ist, hätte ich nicht gekämpft.

Hinter dem Rücken des Engels sehe ich Simon zum Schlag ausholen. „Vorsicht!", schreie ich aus Leibeskräften. Selbst im Sterben ist der Teufel präsent und lässt mir keinen Frieden. Die Wucht des Schlags wirft den Engel in die umstehenden Menschen, die jetzt in Bewegung kommen. Mich auf die Seite schubsend, packen sie den Teufel, helfen dem Engel und bringen ihn von mir weg.

Kein Traum, kein Sterben, ich bin noch immer am Leben. Scheiße! Schnell, jetzt muss ich schneller sein als jemals zuvor. Hastig verlasse ich das Pandoora, laufe so schnell ich kann zurück in die Wohnung. Es gibt nur einen Gedanken, nicht noch eine Woche. Ich schaffe nicht noch eine Woche. Mein Herz rast und meine Körper will aufgeben, aber ich darf nicht. Ich darf einfach nicht.

Als ich an der Wohnung ankomme zittern meine Hände so stark, dass es für mich eine Ewigkeit dauert den Schlüssel in die Tür zu stecken. Tränen der Angst und der Frustration verschwimmen die Sicht zusätzlich. Ich hab doch keine Zeit!

„Bitte, bitte lieber Engel, verschaffe mir Zeit. Ich bitte dich um nichts, nur gib mir genug Zeit!", winsele ich und endlich geht die Tür auf. So schnell ich kann laufe ich in die Abstellkammer und krame meinen gepackten Rucksack hervor. Stopfe das Geld, das unter der Waschmaschine versteckt liegt hinein. Stille, ich höre in die Stille, ob sie schon zurückkommen. Nichts, gut, weiter machen. Schnell aus der Wohnung raus, den Schlüssel abziehen und in den Keller.

Dort wartet im zweiten Versteck meine Reisetasche. Bis hierhin läuft der Plan wie am Schnürchen, aber was mache ich jetzt? Meine Flucht sollte erst in den frühen Morgenstunden stattfinden, wenn Simon seinen Rausch ausschläft. Wenn ich ihnen jetzt in die Arme laufe, ist es vorbei. Eine zweite Chance bekomme ich nicht. Soll ich warten? Vorsichtig schleiche ich mich ins Treppenhaus. Noch immer ist alles still. Nur mein Herz dröhnt in meinen Ohren.

Komm schon Isaac, jetzt oder nie. Hastig stürze ich die Treppe rauf, als ich lautes Grölen höre. So schnell ich kann geht's wieder nach unten in den Schutz unter der Treppe. Die Horde kommt zurück, denke ich mit Schrecken. Aber noch gebe ich nicht auf. Sie können mich nicht vermissen, weil sie mich in ihrem Rausch zurückgelassen haben, also werden sie auch nicht nach mir suchen. Bleib wo du bist und alles wird gut.

Simon und seine Idioten erklimmen die Stufen in die dritte Etage. Ich höre klar sein Lallen heraus. Er wird erst später beginnen zu suchen, wenn er wieder klar ist und sein Besitz nicht mehr da ist. Sekunden werden zu Stunden. Mein Atem geht flach, weil er mir laut in den Ohren dröhnt. Mit einem lauten Knall fällt die Tür zu und es wird still. Keine Zeit verlieren.

Treppen rauf, raus zur Tür, nach links in die Häuserschluchten und zum nächsten Bahnhof. Hier endet auch der gute Plan. Die Uhrzeiten der Züge stimmen jetzt nicht mehr. Verdammt, ich hätte besser sein müssen. Denk nach Isaac, wo kannst du die Nacht verbringen und bist in Sicherheit?

Mit heulender Sirene fährt ein Krankenwagen an mir vorbei und erschreckt mich fast zu Tode. Aber das ist die Idee, ein Krankenhaus. Die Warteräume der Notaufnahme. Viele Menschen, alle mit sich selbst beschäftigt, da falle ich nicht auf. Noch während ich darüber nachdenke, laufen meine Beine in die Richtung. Es ist nicht viel, was ich dabeihabe, aber mit dem Mist in meinem Körper, fällt mir jeder Schritt immer schwerer. Durst, ich hab solchen Durst.

Als das leuchtende, rote Kreuz vor meinen Augen auftaucht, könnte ich heulen, so froh bin ich. Mit letzter Kraft schleppe ich mich durch die Schiebetür. Warm bläst mir die abgestandene Luft entgegen. Der Geruch von Alkohol und Partynacht hängt auch hier. Vorsichtig sehe ich mich nach dem Wartebereich um und lasse mich erschöpft auf einen der Stühle fallen.

Verstohlen sehe ich mich um. Mit mir sitzen drei weitere Personen hier. Zwei junge Mädchen, die aneinander gekuschelt schlafen und eine ältere Dame, die nervös ein Taschentuch zwischen ihren Händen knetet. Sie sieht so besorgt aus, dass ich sie am liebsten in den Arm nehmen würde, aber sowas machen Menschen nicht. Sie kümmern sich um sich selbst.

Nur der Engel, der nicht. Der Gedanke an den einen Menschen, der sich für mich eingesetzt hat, lässt heiße Tränen mein Gesicht runter laufen. Er hat sich vor mich gestellt, mich mit Worten verteidigt und was war sein Dank? Er hat dafür eine aufs Maul bekommen und ich bin einfach verschwunden. Nie wieder wird er sowas machen. Auch sein Lehrauftrag wird sein, sich in Zukunft aus allem rauszuhalten. Sein eigenes Ding durchzuziehen.

Es tut weh, dass genau ich derjenige bin, der das verursacht hat. Aber ich hätte es nicht noch eine Woche ausgehalten. Die Beschimpfungen, von Simon eigesperrt zu werden und ihm bei seinem Treiben mit dem Jüngling zuzuhören.

„Es tut mir leid, hörst du. Es tut mir leid", forme ich die Worte mit meinem Mund, ohne einen Ton zu machen. Wiederhole sie wie ein Mantra und sehe das wundervolle Gesicht meines Engels vor mir, dem ich aus tiefsten Herzen um Verzeihung bitte.

 Wiederhole sie wie ein Mantra und sehe das wundervolle Gesicht meines Engels vor mir, dem ich aus tiefsten Herzen um Verzeihung bitte

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Jetzt seid ihr wieder dran. Was soll als nächstes passieren?

Medicine - RomanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt