In diesem Moment wünschte ich mir, sein Blick würde mich umbringen.
Ich wusste, dieses Gespräch würde wahrscheinlich irgendwann kommen, aber ich hatte es noch nicht jetzt erwartet.
Jegliche Worte blieben mir im Hals stecken, aber wie ich ihn anschaute schien ihm als Antwort zu genügen.
"Von wem?"
Es gelang mir einfach nicht zu reden. Fast war es als hätte man mir den Mund zugeklebt.
"Scheiße, Alora. Rede mit mir, verdammt."
Mit großen Schritten kam er auf mich zu bis wir nur noch wenige Centimeter von einander entfernt waren. Wenn ich jetzt meinen Arm ausstrecke könnte ich ihn berühren.
"Alora, von wem verdammte scheiße warst du Schwanger? Bitte sag mir nicht du hast mit dem gleichen scheiß angefangen wie unsere Mütter." das brachte mich wieder zu verstand.
"Nein natürlich nicht! Was denkst du denn bitte von mir?" entsetzt schaue ich ihn an.
"Dann sag mir von wem." er kam noch näher.
"Wieso willst du das jetzt so unbedingt wissen? Du hast die letzten 24 Stunden doch auch perfekt geschafft so zu tun als würdest du mich nicht mal ein kleines bisschen kennen!" ich will gar nicht so zickig rüber kommen, aber es nervt mich einfach.
"Lenk nicht vom Thema ab. Wir können morgen meinetwegen reden oder was auch immer du von mir möchtest, aber beantworte mir jetzt diese scheiß Frage!" seine Stimme wird von Wort zu Wort lauter und Bedrohlicher.
Ich weiche ein paar Schritte nach hinten zurück um einen Abstand zwischen uns zu bringen, aber er holt genau diesen einfach wieder auf bis ich mit dem Rücken an einem meiner Bücherregale angekommen bin.
"Ich frage jetzt ein letztes mal. Von wem warst du schwanger, Alora?"
"Von wem wohl, hm?" tränen treten mir in die Augen, aber ich versuche sie zurück zu halten so gut ich kann.
Levi taumelt einen Schritt zurück.
"Das kann nicht sein" murmelt er. "Das kann wohl sein. So etwas kann immer passieren!" jetzt nehmen meine Emotionen mich fast komplett ein. So wollte ich dieses Gespräch nicht führen. Ich hatte gehofft ich kann mich besser vorbereiten.
"Was ist passiert? Was ist mit dem Kind? Dort steht nur was von einer Schwangerschaft." wer hätte gedacht, dass man Levi mal für so eine Lange Zeit aus dem Konzept bringen kann.
"Ich hatte es in einem Kampf verloren. Jemand hat mir die Schuld für dein Verschwinden gegeben und mir ein paar Tritte direkt auf den Bauch gegeben." Das war noch untertrieben. Nach diesem Kampf war ich für mehrere Stunden bewusstlos in irgendeiner versifften Straße und als ich aufwachte lag ich in einer Pfütze voller Blut.
"Dieses verfickte Arschloch." Levi drehte sich von mir weg und lief Nachdenklich in meinem Büro hin und her. Wenigstens das tat er immer noch genau wie früher auch.
"Es ist okay, Levi. Nie in meinem Leben hätte ich dort unten ein Kind groß ziehen wollen. Erstrecht nicht alleine." versuche ich ihn zu beruhigen.
"Das ändert nicht die Tatsache, dass diese Person ein verficktes Arschloch ist. Meine Fresse Alora, du hast ein Kind verloren und das alles mit dir alleine ausmachen müssen!" frustriert fährt er sich mit den Händen durch seine Haare.
"Da hast du recht, im Endeffekt war es trotzdem das beste für jeden beteiligten."
Für eine weile herrschte Stille. Ich wollte nicht noch mehr sagen. Manchmal brauchte er einfach eben Zeit um die richtigen Worte zu finden und sich selbst wieder zu sammeln.
"Ich wäre Vater geworden..." murmelt er auf einmal. Fast hätte ich es überhört.
"Ja, das wärst du."
Levis Blick wandert wieder zu mir. Ich kann nicht deuten, was gerade in seinem Kopf vorgeht. Wir hatten in all den Jahren nie darüber geredet ob wir später mal Kinder wollten. Ganz unabhängig ob sie mit dem jeweils anderen gewesen wären oder nicht.
"Wie hättest du es genannt? Hattest du Ideen?" fragte er mich. Doch ich schüttelte nur den Kopf.
"Ich hatte gehofft, du würdest vielleicht wieder kommen und wir könnten gemeinsam nach Namen suchen. Was ich aber weiß ist, dass es ein Mädchen geworden wäre." seine Augen weiten sich ein Stück, während sein Blick ganz automatisch zu meinem Bauch wandert.
"Wolltest du wegen der Schwangerschaft Ärztin werden? Damit du verhindern kannst, dass andere auch ihre Kinder verlieren?" es lies mich Sprachlos wie gut er mich immer noch durchschauen konnte.
"Ja, das war mein erster Auslöser. Irgendwann sah ich meinen Ausweg aus dem Untergrund darin. Nachdem Kenny den Untergrund verlassen hat bin ich in sein Büro eingebrochen. Er hatte eine riesige Sammlung an Büchern, die dort nicht erlaubt waren. Also auch Medizinbücher." erklärte ich die ganze Geschichte.
Man konnte ihm ansehen, dass es ihm unangenehm war mir gerade so viele Fragen zu stellen wo er doch bis vorhin noch nicht ein Wort mit mir reden wollte. Ich habe sowieso schon immer viel geredet, da konnte ich ihm die Fragen auch einfach beantworten ohne dass er sie jemals fragen musste.
Levi lies die Worte kurz auf sich einwirken und nickte dann. Früher hätte er mich dafür gelobt um mir daraufhin noch eine Lektion darüber zu erteilen, wie gefährlich das doch Enden könnte. Diesmal blieb er Still.
"Ich werde jetzt wieder in mein Büro gehen." kündigte er an. Ihm lag etwas auf der Zunge, das konnte man ihm ansehen. Aussprechen tat er es nicht.
"Tu das. Gute Nacht, Levi." ich schenkte ihm ein zaghaftes lächeln.
"Hm, Nacht"
Somit drehte er sich auf dem Absatz um und eilte zur Tür. Bevor er jedoch hinaus trat blieb er noch einmal stehen.
"Geh bald schlafen, du wirst ab morgen alle Hände voll zutun haben."
Damit verschwand er und schloss meine Bürotür mit einem leichten knarzen. Ich würde sie morgen definitiv Ölen.
DU LIEST GERADE
strong but silent
FanfictionLevi Ackerman. Der Mann auf den ich mich früher jederzeit verlassen konnte und der, der plötzlich wie aus dem nichts verschwand. 4 Jahre lang fragte ich mich was mit ihm passiert sei. 4 Jahre bis ich eines Tages in seinem Büro stehe und meinen Weg...
