Der Knochenjunge

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Nachdem wir mein Zeug aus dem Schloß geholt hatten und Scarlett sich von ihrer Mutter und Robin sich von seiner Tante, Matilda, verabschiedet hatten, machten wir uns endlich auf den Weg.

Zwischendurch musste ich Scarlett immer wieder trösten, weil es ihr ziemlich schwer gefallen war, sich von ihrer Mutter zu trennen.

Die beiden hatten sich in den Armen gelegen und geweint und Matilda hatte sie gefragt, wie sie denn ohne Scarlett in der Küche klarkommen sollte und wie sie denn bloß Prinz John erklären sollte, das die Prinzessin und ihre Zofe auf einmal verschwunden waren und noch so viel mehr, das ich schon Angst hatte, das Scarlett sich umentscheiden würde und doch lieber bei ihrer Mutter und im Schloß bliebe.

Ich würde es zwar nicht so schlimm finden, nur mit den dreien diese Reise zu machen, schließlich konnte ich ihnen ja vertrauen, aber trotzdem ... Mit wem könnte ich denn die ganze Zeit lachen bis zum Gehtnichtmehr, oder mit wem könnte ich denn Mädchenzeug besprechen?

Deshalb war ich Scarlett umso dankbarer, das sie jetzt neben mir lief.

Ich frage mich, wie das bei mir gewesen wäre. Würde ich auch so traurig sein, wenn ich mich von meiner Mutter trennen müsste?

Seltsamerweise sagte irgendein Stimmchen in meinem Unterbewusstsein, das ich das schon längst getan hatte. Aber nicht so, daß wir uns irgendwann wiedersehen würden, sondern so, daß es für immer ist ...

Auf einmal traten mir Tränen in die Augen. Irgendetwas muss in meiner Vergangenheit mit meiner Mutter passiert sein, etwas richtig Schlimmes. Aaaarrrrggghhhh!!!!!! Warum konnte ich mich nicht mehr erinnern?????!!!!!!

Deshalb legte ich Scarlett eine Hand auf die Schulter und flüsterte: ,,Ich kann dich verstehen".

Sie hob erstaunt den Kopf und sah, daß meine Augen glänzten. ,,Warum ... warum?".

Doch ohne auf ihre Frage einzugehen, murmelte ich, mehr zu mir selbst: ,,Sei froh, daß du überhaupt noch eine Mutter hast".

Sie sah mich fragend an, doch ich drehte nur den Kopf weg und bedeutete ihr somit, daß ich nicht darüber sprechen wollte.

Auf einmal lag etwas vor uns, ein ... riesiger Platz, von ganz vielen Stämmen umringt.

,,Was ist denn das?", fragte ich verwundert.

Robin drehte sich um und antwortete: ,,Das ist das Zuhause von den Wikingern hier".

WIKINGER????

Er sah mein entsetztes Gesicht und lachte. ,,Sie sind aber nett, keine Sorge!".

Genau in dem Moment öffnete sich ein riesiges Tor in den Stämmen drin und eine kleine Gruppe kam heraus.
Einmal ein Mädchen mit blonden Zöpfen und roter Kleidung, ein Bär(!) mit einem kleinen Mädchen(!!) drauf, das auch blond war und türkise Kleidung trug, und ein Junge mit einem Hirtenstab(?), blauer Kleidung und einem Tierkopfskelett auf dem Kopf. Das Mädchen auf dem Bär schien fünf zu sein und die anderen beiden waren ungefähr in meinem Alter.
Die beiden Mädchen trugen Helme aus Metall, wo zwei Hörner dran waren. Wikinger, ganz klar.

Während sie uns begrüßten, bemerkte ich, daß der Knochenjunge mich die ganze Zeit anstarrte. So verliebt, irgendwie ...

LIEBTE DER MICH?!

Ich drehte mich zu Scarlett und fragte sie etwas panisch: ,,Warum starrt mich der Knochenjunge die ganze Zeit so an?!". ,,Knochenjunge? Ach, du meinst Stig!", rief sie und brach in Gelächter aus. ,,Knochenjunge! Hahaha!".

,,Was ist denn los?", fragte Robin und kam zu uns.
,,Haha ... Marian hat mich gerade gefragt, warum der Knochenjunge sie so anstarrt!", ,,PSSSSTTTTT!!!!! Nicht so laut!", flüsterte ich und presste ihr die Hand vor den Mund.

Robin brach auch in Gelächter aus und ich stöhnte. Sollte ich ihm auch meine Hand vor den Mund halten?!

Doch plötzlich wurde er toternst und sah mich an. ,,Er starrt dich an?!".

Als ich nickte, drehte er den Kopf zu Dick, äääähhh, Stig und sah es auch.

Sein Blick versteinerte in Millisekunden und er drehte sich genervt weg.

,,Hab ich etwas Falsches gesagt?", fragte ich ihn vorsichtig.
,,Ne ne, alles gut", sagte er und ging wieder zu Tuck und Little John.

Ich sah Scarlett verwirrt an und sie brach wieder in Gelächter aus. Hatte sie Kichererbsen gegessen?

Sie zog mich zur Seite und flüsterte mir ins Ohr: ,,Er ist bloß eifersüchtig auf Stig!". ,,Waaaassss?????".

Jetzt war sie es, die mir die Hand auf den Mund presste. ,,Jap! Sie haben sogar schonmal um dich ,,gekämpft"!". ,,Nicht wahr!". ,,Doch! Robin wusste zwar nicht, daß es um dich ging, aber jeder hat es gemerkt! Außer er natürlich!". Sie rollte mit den Augen.

,,Und wer hat gewonnen? Robin?", fragte ich sie hoffnungsvoll. ,,Neeee ... keiner von ihnen! Es war Gleichstand!".

Ich wurde knallrot.

,,Aber letztens hat er endlich gecheckt, daß es um dich ging, und seitdem ist er nicht mehr so gut auf Stig zu sprechen. Und man merkt auch, das Stig voll eifersüchtig auf Robin ist, weil er den besseren Draht zu dir hat!". Sie kicherte.

Ich sah die beiden an, und bei genauerem Hinschauen bemerkte ich, daß Stig tatsächlich manchmal zwischen mir und Robin hin und her sah und fast kaum merkbar die Nase rümpfte.

,,Wir sollten jetzt langsam mal weitergehen!", rief Little John. ,,Wohin wollt ihr denn?", fragte das kleine Mädchen.
,,Geheim", sagte ich und zwinkerte ihr zu. Sie zog eine Schnute, bevor wir uns wieder verabschiedeten und weiterliefen.

 Die Fortsetzung von Spiegel-Marian Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt