Das reinste Gefühls-Chaos

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POV: Alastor

Schon lange hatte ich mir Lucifers Nähe und Liebe gewünscht. Ich konnte nicht glauben was gerade passierte. Wir küssten uns leidenschaftlich und zogen uns währenddessen hastig aus. Unsere Lippen waren wie zusammengeklebt. Wir ließen uns aufs Bett fallen. Er lag über mir. Sanft und kräftig zugleich fuhr ich über seinen Rücken entlang. Wir bewegten unsere Hüften, was uns beide leise zum Stöhnen brachte. Ich drückte ihn immer mehr an mich. Ich wollte ihn bei mir haben und nie wieder loslassen. Nach einiger Zeit drang er langsam in mich ein. Ich musste heftig aufstöhnen sowie auch er. Seine Bewegungen wurden immer schneller und intensiver. Wir küssten uns immer noch wild. Er ging langsam über meinen Hals und knabberte sich hin und wieder fest. Ich schlang meine Arme um ihn und fuhr mit einer Hand über seinen Hinterkopf. Die schönen, goldenen Haare glitten durch meine Finger. Er stütze sich mit einer Hand ab, während die andere auf meiner Taille ruhte. Meine Beine hatte ich angewinkelt und angehoben. Alles war so liebevoll und sanft und leidenschaftlich. Ich weiß nicht, wie lange wir es getan haben, aber es dauerte lange bis wir beide kamen, im positiven Sinne. Ich genoss jede Sekunde, jede Berührung, jeden Kuss.

Ich erinnerte mich gerne an diese Nacht, auch wenn es gerade mal einen Tag her war. Ich war so aufgeregt ihn heute wieder zusehen. Er war früher aufgestanden und ich wachte somit allein in seinem Bett auf. Ich ging in mein Zimmer und zog mich an. Ich hörte, dass Lucifer unten war. Ich ging Richtung Lobby. Je näher ich kam, desto mehr hörte ich eine fremde Stimme. Das kann doch nicht sein. Lilith? Tatsächlich. Als ich unten ankam, sah ich wie sie Charlie begrüßte. Sie scheint nicht lange da zu sein. Ich dachte mir nichts dabei und nahm Kurs auf Lucifer. Ich blieb abrupt stehen und versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Das kann doch nicht sein scheiß Ernst sein. Lilith begrüßte auch ihn sehr freudig, allerdings nicht als guten Freund, sondern so wie Paare sich nun mal begrüßten. Ich sah ihn ungläubig an. Dabei merkte ich, wie er meinen Blicken bewusst auswich. What the Fuck?! War das etwa nur ein One-Night-Stand für ihn? War ich einfach nur ein Objekt seiner Lust gewesen? Egal. Ich verschwand so schnell es ging. Niemand hatte es wirklich bemerkt. Ich spürte nur Veggies kritischen Blick in meinem Rücken, da sie mich aber immer so anschaute, war es nichts Besonderes. Wie konnte er mir das antun? Ich hatte ihm sogar gesagt, was ich für ihn empfinde. War ihm das so egal? Was denke ich? Natürlich war es ihm egal. Er ist der Teufel, verdammt. Wie konnte ich mich auf den Teufel höchstpersönlich einlassen und dann noch glauben, dass er mich mag? Ich verschwand in mein Zimmer und brach zusammen. Ich verweilte einige Zeit so, raffte mich aber wieder auf. Da ich nicht im Hotel sein wollte, nicht in der Nähe von Lucifer oder Lilith, machte ich einen meiner üblichen Spaziergänge durch die Hölle und besuchte ein paar alte Freunde. Das half.

Diese Spaziergänge hatte ich in letzter Zeit oft unternommen. Besonders wenn Lucifer und Lilith ein auf besonders verknalltes Ehepaar machten. Mir wurde schon ganz schlecht. Woher der Schwindel hin und wieder kam, konnte ich mir nicht erklären. Ich schob es einfach auf eine unbewusste Panikattacke. Leider wurden diese Leiden nicht weniger und der Schmerz nur stärker. Es gab Tage, da hatte ich meine Gefühle gar nicht unter Kontrolle und die Übelkeit nahm auch zu. Seit kurzem fing ich sogar an mich zu übergeben. Kann Liebeskummer einen wirklich so krank machen...? Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus. Ich musste mit jemanden reden und es gab nur eine Person, mit der ich über solche sensiblen Themen sprach. Rosie. Ich machte mich sofort auf den Weg zu ihr. „Alastor! Mal wieder auf einer deiner Spaziergänge?" Ich hatte sie oft besucht. Genau genommen jedes Mal. Wir hatten uns nur über den aktuellen Tratsch in der Hölle ausgetauscht. „Nicht so ganz. Ich brauch wirklich deinen Rat." Rosie sah sofort, dass etwas nicht stimmte und ging mit mir in ihr Wohnzimmer, wo wir ungestört waren. Ich schilderte ihr alles. Die wundervolle Nacht, wie auf einmal Lilith aufgetaucht ist, wie Lucifer mich seitdem behandelt und wie schlecht es mir dadurch in letzter Zeit ging. „Kann ich irgendwas tun, damit ich mich besser fühle, ohne aus dem Hotel verschwinden zu müssen?" Meine Stimme war heiser. Einmal weil ich im inneren einfach nur gebrochen war, aber auch wegen dem ganzen Übergeben. Das war echt nicht mehr schön. Rosie schwieg. „Alles in Ordnung, Rosie?" fragte ich nach einiger Zeit besorgt. „Ja, eh...es ist nur..." Sie brachte die Worte nur schwer heraus. „Lucifer ist doch ein Engel, ein Erzengel, um genau zu sein, oder?" Ich wusste nicht, was das damit zu tun hatte, aber ich bejate ihre Frage. „Ohje..." „Was ist denn?" „Naja..." Was auch immer sie sagen wollte, ging ihr wohl nicht so leicht über die Lippen. „All die Symptome, die du da beschrieben hast, kommen nicht vom Liebeskummer..." Was meint sie denn jetzt damit? Kann sie nicht einfach mal mit der Sprache rausrücken?

Sie merkte, dass ich genervt war. Sie atmete schwer ein und aus und sah mich mit ernster Miene an. „Alastor, das sind Symptome einer Schwangerschaft." Ist heute Verarsche-Alastor-Tag oder was? „Bitte was?" Ich konnte nicht wirklich glauben, was sie da sagte. „Du weißt schon, wie das funktioniert?" Fragte ich sie mit einem etwas ungläubigen Tonfall. „Ja, aber wenn man bedenkt, dass er ein Erzengel ist...ich meine, auch die müssen sich doch irgendwie fortpflanzen und wenn ich mal bedenke, dass die Erzengel ausschließlich Männer sind..." Ich schaute sie weiter ungläubig an. Rosie merkte, dass sie mit ihrer Theorie und Argumentation bei mir nicht weit kam. Sie drückte mir einen Test in die Hand und schickte mich wieder ins Hotel. Das war nicht das Gespräch, was ich erwartet hatte. Auch wenn ich es für lächerlich hielt, hatte ich dennoch einen schnellen Schritt drauf. Ich wollte es entgültig wissen. War ihre Vermutung wirklich so lächerlich? Im Hotel angekommen, rannte ich an den anderen vorbei, direkt in mein Zimmer. Wieder dabei von Veggie beobachtet.

Ich machte den Test. Leider ohne sofortiges Ergebnis. Wieder überkam mich die Übelkeit. Zum Glück war ich bereits im Bad und hatte keinen weiten Weg zur Toilette. Fuck. Kann das bitte aufhören? Ich hörte, wie jemand gegen die Tür klopfte. „Nein. Wer auch immer da ist, geh weg!" schrie ich vielleicht etwas zu schroff, aber jemanden der mich in diesem Zustand sieht, konnte ich echt nicht gebrauchen. Wer auch immer es war, kam trotzdem herein. „Dir geht es offensichtlich nicht gut und wie es aussieht hatte ich mit meinem Gefühl recht." Veggies sowohl kräftige als auch beruhigende Stimme erkannte ich sofort. Ich konnte nichts darauf erwidern, da es mir sofort wieder hochkam. Ich spürte, wie sie meine Haare nach hinten hielt. Mir war das einfach nur peinlich. Sie band meine Haare mir irgendwas zusammen und die rausfallenden fixierte sie anderweitig. Erschöpft hing über der Schüssel, mit dem Gefühl, dass es noch nicht vorbei ist. Verdammt, ich hoffe Rosie irrt sich.

„Willst du mir vielleicht sagen, was genau los ist?" Veggie hatte sich neben mich gesetzt. „Es ist...kompliziert." Ich war immer noch fertig. Langsam ging es wieder und ich lehnte mich zurück, um mich normal hinzusetzen. Mir war das so unangenehm, dass ich es nicht schaffte ihr in die Augen zu sehen. Bedrückt starrte ich den Boden an. Wir schwiegen einige Zeit. Ich überlegte, ob ich es ihr erzählen sollte. Shit. Der Test. Den hatte ich total vergessen. Jetzt hatte ich wohl keine Wahl, denn drauf zuschauen ohne jegliche Erklärung, wäre bei Veggie unmöglich. Wortlos nahm ich den Test und schaute darauf. Danach übergab ich ihn Veggie, ihr immer noch nicht in die Augen schauend. Mein Puls ging durch die Decke. „Auch du scheiße! Ist das dein verdammter Ernst?!" Ich nickte. „Aber...wie...ich meine...WIE?!" Auch erzählte ich nun alles. Auch, dass ich es hier nicht mehr aushielt. Lucifer behandelt mich wie Luft. Wie soll ich bitte das Gespräch mit ihm suchen? Er geht mir nur noch aus dem Weg. Veggie verstand auch ohne die genauen Worte meinen Schmerz und umarmte mich. „Erzähl es bitte niemanden, auch nicht Charlie. Ich will einfach nur noch weg von hier." „Klar, versprochen. Aber willst du das wirklich alles allein durchmachen?" Sie klang besorgt. „Ich werde zu Rosie gehen und dann sehen wir weiter. Hauptsache weg von hier."

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