Unschöne Gespräche

24 3 4
                                    

Wir hatten einen schönen Abend mit Dad. Alles war in Ordnung und wir unterhielten uns viel. Ich hatte ihm wenige Augenblicke zuvor gesagt, dass er das Ganze mit Lilith für sich behalten sollte, da es sowohl für Charlie als auch für Al nicht schön wird. Da wurde mir dann auch klar, dass ich dieses unangenehme Gespräch zwei Mal führen muss. Da aber beide ihre eigene persönliche Reaktion haben, mache ich das doch lieber einzeln. Ich beschloss mit Alastor zuerst zu reden, da er bereits wusste, dass ich nicht alles erzählt hatte und ihn länger warten zu lassen, wäre nicht fair. Wir gingen in unser Zimmer. Er hatte sofort eine strenge Haltung eingenommen mit einem ebenso strengen Blick. Verübeln konnte ich es ihm nicht. „Setzt dich lieber." Dies tat er. Wir setzten uns auf die Bettkante. „Als aller erstes vorab: ich will, dass du weißt, dass ich dich liebe und nichts daran wird sich ändern." Seine Miene veränderte sich von streng zu leicht ängstlich, auch wenn er versucht sich nichts anmerken zu lassen. „Wie sich rausstellte war der Grund für die Angriffe auch derselbe, weswegen ich aus dem Himmel geflogen bin." Nun wurde er neugierig. Das Gespräch wird wohl die reinste Gefühlsachterbahn für ihn. Mir fiel es schwer weiterzusprechen, da ich wusste, dass mein nächster Satz Lilith beinhalten wird. Al wartete jedoch geduldig. „Anscheinend hatte wohl..." Mir fiel es immer schwerer, vor allem, als es dann zu ihrem Namen kam. „...Lilith..." „LILITH?! Du willst mich doch wohl verarschen?!" Mit einem Satz sprang er auf. Er unterbrach mich und wurde schnell wütend. Ich wusste, dass das passieren wird und versuchte somit direkt ihn wieder zu beruhigen. „Al, bitte beruhig dich. Hör bitte zu..." Wieder wurde ich abrupt von ihm unterbrochen. „Beruhigen?! Wie kann es bitte sein, dass immer, sobald alles wieder in Ordnung ist, du mit ihr um die Ecke kommst?!" Dieser Satz ließ mich kurz erstarren. Die Verletztheit in seiner Stimme war kaum zu überhören. Hatte das, was damals war, ihn etwa so beeinflusst? Ich sah, wie er den Tränen nah war und ohne etwas zu sagen nahm ich ihn in dem Arm. All die Wut in ihm schien zu verfliegen. Als er sich zum Großteil wieder beruhigt hatte, fing ich wieder an zu reden. Ihn immer noch im Arm haltend. „Mich nervt das genau so sehr wie dich, glaub mir. Als ich das alles erfahren habe, war ich innerlich genau so wütend. Ich liebe nur dich, bitte vergiss das nicht." Wir verblieben noch eine Weile so.

„Und was hat das Ganze jetzt mit ihr zu tun?" fragte Al dann mit leiser, kaum hörbarer Stimme. Wir setzten uns wieder aufs Bett. Ich hatte noch immer einen Arm um ihn und er lehnte sich an mich an. „Sie hatte meinen Rauswurf eingefädelt, damit sie hier unten ihr eigenes Reich schaffen konnte. Deswegen kam sie direkt nach dem Rauswurf auch besser damit klar als ich. Sie wollte es schließlich. Und was die Angriffe auf Mara betrifft: Eifersucht wie es scheint. Michael hat meinen Geschwistern und auch Dad von unserer aktuellen Lage erzählt und sie alle haben zugestimmt uns zu helfen, sollte da nochmal etwas kommen." Ich spürte, wie Al erleichtert aufatmete. „Tut mir leid, dass ich so ausgerastet bin. Es ist nur..." Ich unterbrach ihn direkt mit einer Umarmung. „Ich weiß." Ich war mir sicher, dass er gleich von damals erzählen wird und so wie er reagierte, schien ich wohl richtig zu liegen.

Blieb nur noch Charlie. Ich wusste nicht, ob ich weniger oder mehr nervös sein sollte als bei Al. Auf der einen Seite ist er von damals noch sehr verletzt gewesen und das Thema ist bei ihm allgemein sehr schwierig, auf der anderen Seite, wusste er schon, dass unerfreuliche Nachrichten auf ihn warteten. Als ich auf dem Weg zu Charlies Zimmer war, kam mir Mara entgegen, die etwas schuldbewusst aussah. Ich schaute sie fragend an. Sie schaute schuldbewusst und bedrückt zu mir. „Tut mir leid, sie hat so viele Fragen gestellt und da konnte ich nicht..." Ich sah, wie sie sofort heftige Panik bekam. „Alles ist gut. Tief durchatmen. Was meinst du denn?" Ich fragte, obwohl ich die Antwort kannte. Das wird gleich überhaupt richtig hässlich. „Charlie hat gemerkt, dass was ist und hat mich gefragt. Da hat sie gemerkt, dass ich etwas weiß und..." Wieder begann ihre Panik. „Hey hey, alles ist gut. Ich bin dir nicht böse. Ich hatte sowieso gerade vor mit ihr darüber zu reden. Geh am besten zu Al." Sie nickte und ging rasch auf unser Zimmer zu. Fuck. Es wäre deutlich besser gewesen, hätte sie es von mir erfahren. Egal. Daran kann man jetzt nichts mehr ändern. Ich ging ins Zimmer. Veggie schaute nur erschrocken zu mir, bevor sie an mir vorbei huschte, um uns allein zu lassen. Ich schloss die Tür hinter mir und blieb etwas verängstigt davorstehen. Ich hatte mit allem gerechnet. Einem Wutausbruch, Nervenzusammenbruch, wieso ich ihr nicht eher was gesagt habe, aber sie sagte etwas, was mich Überraschte, wobei ich damit am ehesten hätte rechnen können. „Wieso erzählst du ihr sowas, aber mir nicht?" schluchzte sie. In mir tat alles weh, als sie das so sagte. Ich überlegte, wie ich die Worte am besten wählte. „Sie hat das ganze schließlich betroffen. Gegen dich war nie ein Angriff geplant. Da sie das Ziel war, sollte sie wenigstens wissen wieso. Nicht mal Al wusste zu dem Zeitpunkt Bescheid. Ich war gerade bei ihm und..." Charlie wurde wütend und hatte ihre Teufelsgestalt angenommen. „Sogar er hat es vor mir erfahren?!" Shit. Egal wie ich es wem sage, an Wut war wohl nicht vorbeizukommen. Auch hier versuchte ich sie wieder zu beruhigen. Dies half aber leider nichts. „Wieso hast du auf einmal alle lieber als mich?! Das ist ja so wie damals! Während Mom alles aufgebaut hat, hast du dich nur verkrochen! Und jetzt ist sie da! Wir sind beide deine Töchter! Warum..."

Bei all diesen schreienden Anschuldigungen platze auch mir der Kragen. Auch ich fuhr schnell in meine Teufelsgestalt. „Jetzt hör mir mal zu, junge Dame! Anscheinend hat Mara dir nur vom Angriff erzählt. Lilith WOLLTE nach hier unten, ich NICHT! Sie wollte ein Reich, in dem sie herrschen kann. Alles, was sie tat, war von Anfang an egoistisch! Sie hat dich immer von mir weggezerrt, wenn ich dabei war dir von meiner Idee zu erzählen, wie wir Himmel und Hölle vereinen können, weil sie ihr kleines Reich nicht verlieren wollte! Und was Mara betrifft: Am Anfang war ich mit dir auch so! Sowohl bei dir als auch bei ihr, hatte ich etwas wieder gerade zu biegen! Wir haben mittlerweile wieder ein gutes Verhältnis! Mit Betonung auf WIEDER! Zu ihr hatte ich nie irgendein Verhältnis! Bis vor wenigen Wochen wusste ich nicht einmal, dass sie existiert! Bei ihr habe ich noch viel mehr wieder gut zu machen als bei dir! Und warum ich dir nicht zuerst gesagt habe?! Weil ich genau wusste, dass es dich treffen wird und Al wusste bereits, dass ich ihm was verheimlich, daher war das Gespräch mit ihm noch unvermeidlicher, als es eh schon war!" Ich schnaubte noch vor Wut. Charlie war währenddessen immer kleiner geworden. Ich versuchte tief durchzuatmen und nahm wieder meine normale Form an. Auf der einen Seite wollte ich sie in den Arm nehmen, auf der anderen nicht, da, auch wenn man es irgendwo verstehen konnte, ihre Anschuldigungen maximal fehl am Platz waren und hätte sie mich ausreden lassen, wäre das ein ruhigeres Gespräch geworden. Allerdings war ich auch verwundert. Dieses Verhalten passte nicht wirklich zu ihr, wenn man bedenkt, dass wir hier von den Angriffen und so re...oh fuck. Hat Mara ihr etwa auch von dem Baby erzählt? Shit. Ich bemerkte erst jetzt, dass Charlies schockierter Blick auch etwas besorgtes hatte. Ich schaute sie fragend an. In mir tobte ein riesen Sturm an Gefühlen, sodass ich nicht wusste, wie ich sonst reagieren sollte. Sie kam vorsichtig auf mich zu und umarmte mich. „Tut mir leid. Ich wollte dich nicht zu sehr aufregen." „Das hat sie dir wohl auch erzählt." Jetzt schaute sie mich fragend an. Ich war verwirrt. „Das...mit dem Baby?" Nun schaute sie mich etwas irritiert an. „Nein, aber ich konnte es mir denken." Mit diesem Satz zeigte sie in Richtung meines Bauchs. Was zur Hölle?! Wann war der bitte gewachsen? Es war nicht viel, aber doch so, dass man es sehen konnte. In mir war nur noch reinste Verwirrung. Wir setzten uns ihn und redeten nochmal in Ruhe über alles.

Nach einer Weile ging ich wieder zu Al. Mara war noch immer bei ihm und zuckte zusammen, als ich reinkam. Al schaute eher besorgt. „Was?" „Naja, ihr wart nicht gerade leise" gab Al vorsichtig von sich. Oh. Ich ging auf Mara zu und versicherte ihr, dass ich ihr keinesfalls böse bin und dass sie sich keine Gedanken über das machen sollte, was sie gehört hat. Etwas beruhigt ging sie aus dem Zimmer. Ich wandte mich zu Al. „Ich hätte eine kurze Frage: Seit wann sieht man das bitte?!" Ich zeigte auf meinen Bauch. „Schon seit ein paar Tagen. Ich dachte du merkst das." „Offensichtlich ja nicht!" Al lachte nur und kam auf mich zu. Er gab mir einen Kuss, während er über meinen Bauch streichelte. Mir wurde wieder aus dem nichts schwindelig. „Ruh dich lieber aus. Du hast einen nervenaufreibenden Tag hinter dir." Mit den Worten balancierte Al mich zu Bett. Ich legte mich hin und schlief sehr schnell ein.

RadioappleWo Geschichten leben. Entdecke jetzt