Am nächsten Tag schlich Alex verspätet in den Klassenraum. Ihr Gesicht war stur und ihre Haltung abweisend – genau wie ihr Entschluss, die Kälte und Distanz, die Frau Parker ihr gezeigt hatte, zurückzugeben. Sie war wütend, fühlte sich verraten, und das schimmerte in jedem ihrer Blicke.
Frau Parker hob kurz den Kopf, als die Tür knarzend aufging und Alex im Raum erschien. Ein Hauch von Überraschung glitt über ihr Gesicht, aber sie fasste sich schnell. Ihre Augen funkelten kühl, und ein Hauch von Missbilligung lag in ihrem Blick.
„Schön, dass Sie sich uns noch anschließen, Alex,“ sagte sie und verschränkte die Arme. Ihr Ton war ruhig, aber scharf.
Alex zuckte nur mit den Schultern, ohne sie richtig anzusehen. „Hab’s wohl nicht so eilig gehabt,“ murmelte sie absichtlich laut genug, dass die anderen es hören konnten.
Die Klasse hielt den Atem an. Alle Augen waren auf sie gerichtet, und ein leises Murmeln ging durch den Raum.
Frau Parkers Augen blitzten auf. „Sagen Sie mir, Alex,“ begann sie langsam und trat einen Schritt näher, „glauben Sie, dass Ihre Zeit wichtiger ist als die der anderen?“
Alex schüttelte nur leicht den Kopf und verschränkte die Arme. „Vielleicht,“ erwiderte sie in einem frechen Tonfall, „kommt drauf an.“
Ein leichtes Raunen ging durch die Klasse. Frau Parker ließ keine Emotion erkennen, aber in ihren Augen lag ein gefährliches Funkeln. Sie trat noch einen Schritt auf Alex zu und ließ ihre Stimme tiefer werden. „Wenn Sie das für angemessen halten, dann können Sie den Unterricht heute gerne von draußen weiterverfolgen.“
Die Spannung im Raum war förmlich greifbar. Alex zögerte kurz, schluckte ihren Ärger herunter und ging mit hocherhobenem Kopf zur Tür. Gerade als sie an Frau Parker vorbeiging, hörte sie, wie diese leise und kalt hinzufügte: „Wenn Sie sich beruhigt haben, dürfen Sie vielleicht zurückkommen.“
Alex presste die Lippen zusammen, warf ihr einen finsteren Blick zu und verließ dann das Zimmer. Kaum war sie draußen, schlug sie die Tür ein wenig fester hinter sich zu, als nötig gewesen wäre.
Auf dem Schulhof zündete sie sich eine Zigarette an und lehnte sich gegen eine der kalten Steinmauern, ihre Gedanken voller Frustration und Wut. Warum hatte Frau Parker sie überhaupt erst so nah an sich herangelassen, wenn sie dann so kühl und distanziert reagieren würde?
„Hey, alles okay bei dir?“ Alex’ Freundin, Clara, kam um die Ecke und sah sie mit einem besorgten Blick an.
Alex nahm einen tiefen Zug und stieß den Rauch aus, bevor sie antwortete. „Klar. Lehrer-Drama, weißt schon.“
Clara schnaubte leise und lehnte sich neben sie an die Wand. „Ich hab’s gesehen. Das war krass, wie du die herausgefordert hast. Was war da los?“
Alex zögerte, schaute in die Ferne. „Egal. Die hat mich einfach auf dem falschen Fuß erwischt.“ Ein Hauch Bitterkeit schwang in ihrer Stimme mit. „Ich hab’ langsam genug von Leuten, die glauben, sie könnten alles kontrollieren.“
Clara nickte langsam, als würde sie etwas verstehen. „Weißt du, du solltest dir vielleicht mal eine Ablenkung suchen. Wie wär’s, wenn du heute zum Basketball-Training kommst? Ich hab gehört, dass Lisa aus dem Team dich öfter beobachtet.“
Ein verschmitztes Lächeln glitt über Alex’ Gesicht. „Lisa, hm? Vielleicht hast du recht. Ein bisschen Ablenkung könnte ich gut gebrauchen.“
„Dann komm nach dem Unterricht vorbei. Und wenn du Lust hast, frag sie, ob ihr morgen in der Pause zusammen abhängen wollt,“ schlug Clara vor und zwinkerte. „Du weißt schon, nur zum Spaß.“
