Die düsteren Schatten von Emberfield warfen lange, gespenstische Linien über die Straßen, als Alexander im Beisein von Isabelle mit tränenverhangenen Augen auf die brennende Kerze in der Mitte seines Arbeitszimmers starrte. Der Raum war in warmes, goldenes Licht getaucht, das einen trügerischen Schleier des Friedens über die Szene legte. Doch in Alexanders Innerem tobte ein Sturm.
Josephs Tod hatte ihn unvorbereitet getroffen. Der Mann, dem er so viele Jahre lang vertraut hatte, der ihn durch jede Krise begleitet und jeden Rückschlag mit ihm überwunden hatte, war von ihm gerissen worden wie eine empfindliche Säule, die das Gewicht seines gesamten Imperiums getragen hatte. Der Schock über das, was geschehen war, ließ seine Finger zittern, als er sich die Schläfen rieb, versuchte, den pochenden Schmerz hinter seinen Augen zu verdrängen.
Isabelle saß ruhig neben ihm, ihre zarten Hände auf seinen Schultern, und strich ihm sanft über den Nacken. Sie sprach nicht viel, nur beruhigende Worte, die ihn in eine trügerische Sicherheit wiegten. Der schwarze Trauerschleier, den sie getragen hatte, verlieh ihrem ohnehin schon eleganten Auftreten etwas Unantastbares, fast Göttliches. Sie war der Fels in der Brandung, das Licht, das ihm Kraft schenkte.
„Ich kann es nicht glauben," flüsterte Alexander schließlich, seine Stimme brüchig. „Joseph... so ein sinnloser Tod." Seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Wer könnte zu so etwas fähig sein? Warum er? Er hatte niemanden verletzt."
Isabelle seufzte leise und beugte sich vor, drückte einen sanften Kuss auf seine Wange. „Manchmal trifft das Schicksal die Besten unter uns, Alexander. Und genau dann müssen wir umso stärker sein." Sie schloss ihre Arme um ihn, zog ihn sanft an sich und ließ ihn gegen ihre Brust lehnen. „Ich bin hier für dich. Du bist nicht allein."
Seine Verzweiflung wandelte sich in einen Moment der Schwäche, als er den Kopf hob und in ihre Augen sah. „Ich weiß nicht, wie ich das durchstehen soll, Isabelle. Jeder scheint mir zu entgleiten. Zuerst die Spannungen in der Firma, dann diese ständigen Probleme mit den Verhandlungen, und jetzt... jetzt Joseph." Seine Stimme war kaum mehr als ein leises Flüstern.
Sie lächelte zart, fast liebevoll. „Du bist stärker, als du denkst, Alexander. Und ich bin bei dir, egal was passiert." Ein Schatten huschte durch ihre Augen, aber sie zwang sich, ihre Maske der Aufrichtigkeit aufrechtzuerhalten. „Du wirst das überstehen, denn ich glaube an dich."
Während Alexander in ihrer Umarmung zitterte, sickerten die ersten zarten Samen von Abhängigkeit und Vertrauen in ihn ein. Isabelle konnte es spüren. Jede Träne, jeder Ausdruck von Schmerz brachte ihn ein Stück weiter in ihre Hände. Sie würde sein Halt sein, sein Anker — und schließlich das Messer, das seine letzte Verteidigung zerschneiden würde.
Damian, fernab in seinem dunklen Büro, verfolgte alles. Das Blutvergießen in der Lagerhalle war durch eine gezielte Inszenierung in einen Raubmord verwandelt worden. Die Polizei glaubte, dass Joseph zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war. Nichts deutete darauf hin, dass dies das Werk seines eigenen Bruders war. Alles lief nach Plan.
Er stand vor der großen, vergilbten Karte von Emberfield, auf der jede Verbindung Alexanders mit roten Fäden und Markierungen versehen war. Ein riesiges Netz, das ihn fesselte und kontrollierte. Und inmitten dieses Chaos plante Damian seinen nächsten Schachzug.
„Der nächste Zug muss präzise und schnell erfolgen," murmelte er leise, seine Augen fixierten einen Namen auf der Karte. Der Name eines Mannes, der fast so wichtig war wie Joseph: Nathaniel Wright. Alexanders bester Freund seit ihrer Collegezeit. Ein Vertrauter, der weit tiefer in seine persönlichen und geschäftlichen Angelegenheiten involviert war, als es Joseph je gewesen war. Wenn Joseph die tragende Säule war, dann war Nathaniel die Brücke zu den entscheidenden Verbündeten. Ohne ihn würde Alexander schwanken, und das Imperium würde seine Stütze verlieren.
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Die Schatten Königin- Between Shadows and Flames
RandomAls Isabelle neu in die Stadt zieht, begegnet sie den Devereaux-Brüdern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Alexander ist vorsichtig und gutmütig, während Damian dunkel und gefährlich ist. Zwischen Licht und Schatten, Sicherheit und Gefahr, s...